Laden...
Haßfurt
Main-Sperrung

Männerspielzeug hinter 900 PS auf dem Main

Im April ruht die Schifffahrt. Und Zeit, um mit dem nagelneuen Revisionsverschluss eine Versuchsfahrt zu unternehmen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Einige Meter ragt der mächtige Revisionsverschluss aus der Vierether Schleusenkammer hervor. Den "Schlussmann", das Streckenkontroll-Boot "Habicht", sieht man fast gar nicht.Brigitte Krause
Einige Meter ragt der mächtige Revisionsverschluss aus der Vierether Schleusenkammer hervor. Den "Schlussmann", das Streckenkontroll-Boot "Habicht", sieht man fast gar nicht.Brigitte Krause
+20 Bilder

Beide tragen ein breites Grinsen im Gesicht: 900 PS unter den Füßen, blauer Himmel über sich und ein Job, der echte Kerle verlangt. Sascha Friedrich und Frank Scheuble haben die letzten Tage damit verbracht, mit einem ungewöhnlichen "Schubverband" auf dem Main von Viereth nach Haßfurt und zurück zu schippern. Der Schein trügt: Es war keine Vergnügungsfahrt mit diesem Teil, das sich die meiste Zeit seines Lebens nicht auf dem Wasser bewegt, sondern damit beschäftigt ist, das Wasser aufzuhalten. Über 200 Tonnen Stahl hat ein Aschaffenburger Stahlbauer zu einem so genannten Revisionsverschluss zusammengefügt, der künftig im Bereich des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt zwischen Viereth und Rothenfels seinen Dienst tun wird.

Heimathafen ist Haßfurt, wo noch sein Vorgänger vertäut ist - inzwischen schon arg in die Jahre gekommen.


30 Meter lang

Das tonnenschwere neue Monstrum ist über 30 Meter lang und verfügt über zwei Schwimmkammern nach dem Katamaran-Prinzip. Allerdings sehen diese unterschiedlich aus: Der eine Auftriebskörper ist rund, der andere wirkt eher wie eine Wand. Ist auch eine, denn an die richtige Stelle gesetzt, kann man diesen Teil des Revisionsverschlusses mit Wasser fluten, worauf er sich ins Flusswasser senkt, eine Arbeitsplattform ergibt und wie ein Schott fungiert.

Beispielsweise aktuell jetzt am Vierether Wehr. Abgedichtet vom Flusswasser ergibt sich mit Hilfe des Revisionsverschlusses der Arbeitsraum, um jeweils eine Wehrtommel auszubauen und zu ersetzen. Die beiden über 30 Meter breiten Stahltrommeln müssen ausgetauscht werden, ebenso die Wehrstege, die über das Wehr führen, sie liegen an der Schleuse schon bereit. "Viereth wird eine große Baustelle", weiß Schiffsführer Sascha Friedrich.

Einmal im Jahr, im April, ist der Main mit Donau und Main-Donau-Kanal auf 760 Kilometern für die Schifffahrt gesperrt, dann sind die Heinzelmännchen dran. Schließlich brauchen die zwischen 60 und 90 Jahre alten Schleusen ihre Verjüngungskuren. Heuer stehen für Knetzgau und Limbach im Landkreis Haßberge keine Arbeiten an, in Ottendorf hingegen liegt die Schleusenkammer trocken: Es laufen Bestandsaufnahme am Oberhaupttor mit Voruntersuchungen zum Massivbau, der Torantrieb wird instand gesetzt und es steht die Bauwerksinspektion an.


Auf Sonderfahrt

Die "Angermünde" und der "Habicht", ein kleineres Streckenfahrzeug, das hinten quasi als "Bremser" fungierte, haben in den vergangenen Tagen, den Revisionsverschluss zwischen sich, das Schleppen "geübt". Verschiedene Schub- und Zugversuche brauchte es schon, um ein Gefühl für den Neuzugang zu entwickeln. So ein 120-Meter-Gespann reagiert ganz anders, als ein Binnenschiff-Schubverband. Die Sonderfahrt war wichtig und natürlich im Skipper-Alltag ein Erlebnis. Denn das Schleppen, erklärt Friedrich, ist auf dem Main verboten, das geht nur mit Sondererlaubnis und Signalzeichen. Die einzigen, die jetzt auf dem Main schippern durften, waren Schiffsführer Sascha Friedrich und sein Team - was das breite Grinsen auch erklärt.

Gleichwohl haben die Mitarbeiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes wichtige Erkenntnisse gewonnen. Wenn sie künftig die große "Abdichtklappe" zum nächsten Einsatzort manövrieren, werden sie nach ihren unterschiedlichen Schubversuchen eines genau wissen. "Begegnungsverkehr ist nicht möglich", konstatierte Friedrich. Das Ding muss man sehr sachte handhaben, und es wird mit Sicherheit immer alleine auf dem Main unterwegs sein müssen. Wer möchte da nicht auch Kapitän und Herr auf dem Main sein?

Jetzt ist für den 43-Jährigen der "Spaß" vorbei. Der erfahrene Schiffsführer hat das Große Rhein-Patent und darf - als einziger im Amtsbezirk - alle Schiffe bewegen, vom Eisbrecher bis hin zu den Spezialschiffen wie etwa dem Peilschiff "Johannes Kepler". Auf das steigt er nächsten Monat um und ist für Tiefenmessungen zusammen mit einem Vermesser auf der Donau bis zum Schwarzen Meer unterwegs.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren