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Haßfurt
Ausbildungsbeginn

Lehrlinge bringen Bewegung in den September

Letztlich zufrieden ist der Kreishandwerksmeister Hans-Georg Häfner (Eltmann) mit der Ausbildungslage im Handwerk.
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Am 1. September ist offiziell Ausbildungsbeginn. Die Lehrlinge (von links) Daniel Baum und Johannes Mück arbeiten allerdings schon etwas länger bei der Krines GmbH in Sand. Hier fertigt man beispielsweise solche Sicherheitseingangstüren. Diese hier ist mit edlem Furnier aus uraltem Eichenholz überzogen.
Am 1. September ist offiziell Ausbildungsbeginn. Die Lehrlinge (von links) Daniel Baum und Johannes Mück arbeiten allerdings schon etwas länger bei der Krines GmbH in Sand. Hier fertigt man beispielsweise solche Sicherheitseingangstüren. Diese hier ist mit edlem Furnier aus uraltem Eichenholz überzogen.
Nach 2016 stieg erneut die Zahl der neuen Lehrlingsverträge (225) im Kreis um gut zwei Prozent. Häfner weiß, dass diese Zahlen nicht fix sind, denn "manche unterschreiben zwei oder gar drei Verträge", die "ausgemusterten" Lehrherren erfahren meist erst spät von ihrem "Glück" - und so kommt es im September noch zu kurzfristigen Aktionen.


80 offene Stellen

Die Zahl der offenen Stellen schätzt Häfner auf 80 bis 100, schwer ist es für Metzger und Bäcker, Nachwuchs zu finden und auch die Stellen für Lebensmittelfachverkäufer zu besetzen. Es liegt, sagt Häfner, eigentlich weniger am Geld oder am sicheren Arbeitsplatz: Er begegnet in Gesprächen oft dem Wunsch nach mehr Zeit für das Privatleben; auch die Möglichkeiten zur Weiterbildung zählen. Damit kann die Industrie junge Fachleute abwerben.

Ein Ärgernis. Denn im Handwerk sind die Schulabgänger aus Gymnasium und Realschule mehr als rar. Auch wenn unterfrankenweit die Zahlen dieser Bewerber scheinbar wieder steigen, so gilt das für das "flache Land" nicht. Die Lehrherren müssen deutlich schwächere Schüler nehmen. Und da kann die Wissensvermittlung "einen dreifach höheren Aufwand" bedeuten, macht Häfner klar. Hat man am Ende "vernünftige Ergebnisse", schimpft Häfner, so steht am Ende die Industrie mit lockenden Angeboten. Mancher Handwerksbetrieb will sich das inzwischen nicht mehr antun.

Der Kreishandwerksmeister wünscht sich mehr praxisorientierte Politik und echte Unterstützung für Handwerksbetriebe, die ausbilden.

Zum Stichtag 31. August verzeichnet die Handwerkskammer für Unterfranken insgesamt 2369 neu abgeschlossene Lehrverträge. Mit einem Plus von 1,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich laut Handwerkskammer damit zum vierten Mal in Folge ein stetiger Anstieg. Die Kammer stellt auch fest, dass unter den neuen Auszubildenden erneut mehr Schulabgänger mit Realschulabschluss sowie Hochschulreife sind; auch der Anteil der Lehrlinge aus Fluchtländern ist gestiegen.


Flüchtlinge erhalten eine Chance

Unterfrankenweit verzeichnet die Kammer bei den Lehrbetrieben eine hohe Bereitschaft, Flüchtlinge zu nehmen. Rolf Lauer, Chef der Handwerkskammer, spricht von "fast doppelt so vielen neuen Ausbildungsverhältnissen mit jungen Menschen aus Fluchtländern". Das liegt an den ersten Abgängern aus den Berufsintegrationsklassen an den Berufsschulen sowie den vier unterfränkischen "Willkommenslotsen"; sie vermitteln Flüchtlinge passgenau in Betriebe.

Im Handwerk gibt es rund 130 Ausbildungsberufe - manche sind mehr, manche weniger nachgefragt. Jugendliche können sich noch bewerben. Die Kammer bietet eine Online-Lehrstellenbörse sowie eine App an (Lehrstellenradar) - noch rund 1000 freie Ausbildungsstellen sind über alle Berufe hinweg verfügbar (Ausbildungshotline 0931/309083333).


Bayernweit tausende Lehrstellen unbesetzt

Ernst ist es bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Würzburg-Schweinfurt: Bayernweit können mehrere tausend Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Mit insgesamt 3367 neuen Ausbildungsverträgen zum 1. September hat die IHK Würzburg-Schweinfurt 1,2 Prozent weniger abgeschlossene Ausbildungsverträge als 2016 registriert. Auch die IHK bietet eine "Lehrstellenbörse". Gesucht wird vor allem im Hotel- und Gaststättenbereich, bei den Bankkaufleuten, beim Verkehrs- und Transportgewerbe.

Wie die Agentur für Arbeit in Schweinfurt, zuständig für die Region Main-Rhön und damit für den Landkreis Haßberge, mitteilt, gab es weniger Jugendliche, die über das Arbeitsamt suchten. Seit Oktober 2016 wandten sich insgesamt 3135 Jugendliche an die Berufsberatung - ein Rückgang um 136 junge Menschen (minus 4,2 Prozent). Im gleichen Zeitraum wurden der Agentur 4011 Ausbildungsstellen gemeldet (plus 246 oder 6,5 Prozent).


Weit mehr Stellen als Suchende

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres suchten 337 junge Menschen nach einer Lehrstelle, dies waren 24 Jugendliche weniger als 2016.

Auf der anderen Seite konnten 1113 Lehrstellen nicht besetzt werden, dies sind 17,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit standen im August jedem jungen Menschen rein rechnerisch 3,3 offene Ausbildungsstellen zur Verfügung. "Aktuell ist der Ausbildungsmarkt noch in Bewegung. Bis September werden erfahrungsgemäß noch viele bislang unversorgte Bewerber eine Ausbildung oder eine Alternative finden", bilanziert Thomas Stelzer, der Leiter der Arbeitsagentur in Schweinfurt.
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