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Zeil am Main
Gesundheit

Landlust muss bei jungen Medizinern erst geweckt werden

Ärzte im ländlichen Raum werden immer benötigt. Rar gesät sind sie trotzdem. Noch ist der Landkreis nicht unterversorgt, doch das hohe Durchschnittsalter der Mediziner könnte in der Zukunft ein Problem für den Landkreis Haßberge werden.
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Die Karte zeigt die Anzahl der Hausärzte im Landkreis Haßberge. Die Zahlen stammen von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Es kann allerdings zu Abweichungen von der tatsächlichen Situation kommen. In Kirchlauter praktiziert zum Beispiel ein Arzt aus der Gemeinschaftspraxis Schröpfer in Eltmann mehrmals die Woche. Trotzdem wird er bei der KVB nicht in Kirchlauter geführt. Ähnliche Abweichungen gibt es auch in anderen Gemeinden. Der Stand der Karte ist September 2014.
Die Karte zeigt die Anzahl der Hausärzte im Landkreis Haßberge. Die Zahlen stammen von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB). Es kann allerdings zu Abweichungen von der tatsächlichen Situation kommen. In Kirchlauter praktiziert zum Beispiel ein Arzt aus der Gemeinschaftspraxis Schröpfer in Eltmann mehrmals die Woche. Trotzdem wird er bei der KVB nicht in Kirchlauter geführt. Ähnliche Abweichungen gibt es auch in anderen Gemeinden. Der Stand der Karte ist September 2014.
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Eine Grippe? Eine Impf-auffrischung? Eine Vorsorgeuntersuchung? Nichts wie ab zum Hausarzt um die Ecke. Wenn das nur so einfach wäre.

Einen dritten oder vierten Kollegen in Zeil hatte sich Anton Aumüller im September 2011 in einem Gespräch mit dem Fränkischen Tag noch gewünscht. Mittlerweile hat er gar keinen Vollzeit-Kollegen mehr - er ist der einzige praktizierende Vollzeit-Hausarzt in Zeil. "Seit Dezember habe ich einen weiteren Mitarbeiter. Er macht bei mir die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner", erklärt Anton Aumüller die aktuelle Situation. "Das hilft mir enorm, denn er hat schon viele Jahre Berufserfahrung und kann deshalb viele Patienten behandeln." Seit die Praxis von Gerhard Binder geschlossen ist, suchen viele Zeiler Patienten einen neuen Hausarzt. "Wo sollen denn die alten Zeiler hin, die nicht mobil sind? Natürlich können sie zu mir kommen", sagt Aumüller.


Alle Patienten von Gerhard Binder könne er aber natürlich nicht übernehmen, betont der Hausarzt. Pro Quartal behandelt er ohnehin rund 2000 Patienten. "Das ist aber nicht ungewöhnlich viel für einen Hausarzt", sagt er.

Keine Unterversorgung

Die allgemeine Situation im Landkreis Haßberge ist aber laut der Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB), Birgit Grain, noch nicht bedenklich. "Noch liegen wir hier nicht im Bereich der Unterversorgung", sagt sie. Insgesamt gibt es 56 niedergelassene Hausärzte im Landkreis. Im Bereich um Ebern und Hofheim sind es 21. Damit kommt das Gebiet auf einen Versorgungsgrad von 127,4 Prozent. Im Bereich um Haßfurt, Zeil und Eltmann sind es 35. Der Versorgungsgrad liegt hier bei 95,2 Prozent. "Der Versorgungsgrad beschreibt je Arztgruppe das Verhältnis der aktuell im Planungsbereich tätigen Ärzte zu den laut Bedarfsplanungs-Richtlinie im Planungsbereich benötigten Ärzten, welches sich aus der angepassten Verhältniszahl und der Anzahl der Einwohner ergibt", erklärt Grain. "Ab einem Versorgungsgrad von 75 Prozent spricht man von Unterversorgung."

Davon ist der gesamte Landkreis noch weit entfernt. Zumindest, was die Hausärzte betrifft. Unterversorgung besteht, so Grain, momentan bei den Haut- und HNO-Ärzten. Das größere Problem sieht die Expertin der KVB bei der Altersstruktur der Hausärzte: "Das hohe Durchschnittsalter mit 57 Jahren ist das größte Problem hier." Im Gebiet um Ebern liegt das Durchschnittsalter etwas niedriger bei 53,9 Jahren.

Hohes Alter der Hausärzte

"Eine ganze Reihe von Hausärzten sind derweil deutlich über 60, so dass die Versorgung insbesondere im nördlichen Landkreis kritisch werden könnte", erklärt auch Stephan Kolck, Verwaltungsleiter der Haßberg-Kliniken. "Allerdings haben Praxen in Ebern kürzlich junge Nachfolger gewinnen können." Auch in Oberaurach und Haßfurt haben sich kürzlich neue Ärzte niedergelassen. "Es sieht also besser aus, als ich noch vor einem Jahr befürchtet habe", sagt Kolck. Kritisch sieht er die künftige Versorgung im Raum Hofheim und im Steigerwald.

Die Versorgung mit Hausärzten empfindet Kolck als wichtigen Aspekt der gesundheitlichen Fürsorge. "Ein Krankenhaus hat eine andere Rolle als die Hausärzte vor Ort. Dort geht es um Familienmedizin. Der Hausarzt begleitet seine Patienten über viele Jahre und er kennt die chronischen Beschwerden des Patienten", benennt er die Unterschiede zu einer Klinikbehandlung. "Nur, wenn die Erkrankung eine stationäre Aufnahme erforderlich macht, weist er ins Krankenhaus ein. Häufig gibt er dem behandelnden Krankenhausarzt Hinweise aufgrund seiner Kenntnis des Krankheitsverlaufs."

Die Notwendigkeit einer Versorgung vor Ort ist daher unstrittig. Trotzdem scheinen viele junge Ärzte ihren Dienst nicht auf dem Land verrichten zu wollen. Die KVB fördert deshalb mehrere Projekte, um den Nachwuchs aufs Land zu holen. Gründer-Abgeber-Foren sollen Interessenten und altgediente Landärzte zusammen bringen, das Projekt "Land in Sicht" unterstützt Medizinstudenten dabei, einen Pratkikumsplatz in einer Hausarztpraxis anzunehmen.

Doch die fehlende Kontinuität und Planungssicherheit als selbstständiger Arzt schreckt viele Jungmediziner ab. Hinzu kommen viele Überstunden und Bereitschaften am Wochenende. "Das Gesundheitssystem ist so schnelllebig", sagt auch Aumüller. "Ich verstehe schon, dass das für junge Kollegen nicht attraktiv ist. Es ist einfach unbefriedigend, wenn man nicht weiß, was in fünf Jahren ist."

Zeils Bürgermeister Thomas Stadelmann (SPD) würde sich über einen weiteren Arzt freuen. "Es gab schon mehrere Versuche, Ärzte nach Zeil zu holen", sagt Stadelmann. "Ich bin permanent mit Doktor Aumüller in Kontakt und werde auch noch das Gespräch mit Doktor Binder suchen, um abzuklären, ob er die Praxis verkaufen möchte."

Verlockungen schaffen

Damit bei potenziellen Kandidaten die Landlust geweckt wird, kann er sich schon vorstellen, auch Anreize zu schaffen. "Natürlich müsste ich das mit dem Stadtrat besprechen. Aber ich denke, dort gebe es keine Widersprüche", sagt Stadelmann. "Ich habe immer wieder gesagt, wenn jemand kommt, würden wir das unterstützen. In welcher Form und in welchem Umfang müsste dann mit dem Arzt konkret besprochen werden."

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