LKR Haßberge
Baumbestand

Landkreis Haßberge: Mancher Baum muss weichen

Sie sind schön anzusehen, können aber besonders bei einem Unwetter gefährlich sein: Baumalleen an Fahrbahnen. Im Landkreis werden die Bestände geprüft.
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In Haßfurt sind die Bäume in der Promenade im Schnitt 70 Jahre alt - sie müssen regelmäßig geprüft werden. Besonders an Fahrbahnen können ansonsten schnell schwerwiegende Unfälle passieren. Jutta Rudel
In Haßfurt sind die Bäume in der Promenade im Schnitt 70 Jahre alt - sie müssen regelmäßig geprüft werden. Besonders an Fahrbahnen können ansonsten schnell schwerwiegende Unfälle passieren. Jutta Rudel
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"Mein Freund der Baum ist tot, er fiel im frühen Morgenrot", das bekannte Lied von Alexandra hatten vor kurzem wohl einige Anwohner der Oskar-Winkler-Straße in Zeil im Kopf, als sie aus dem Fenster blickten. Der Grund: Der städtische Bauhof hat Kastanien entlang der Straße gefällt. "In den vergangenen Wochen wurden in Zeil regelmäßig Baumkontrollen durchgeführt", erzählt der Bürgermeister Thomas Stadelmann. "Bei fünf der Bäume wurde nun verstärkt festgestellt, dass die Kronen eingetrocknet sind, das heißt, dass die Vitalität verloren geht."

Das könnte größere Unfallschäden für Verkehrsteilnehmer zur Folge haben. Damit dies nicht passiert, werden die Baumbestände im Landkreis einmal jährlich kontrolliert. Die Straßenmeisterei Zeil des Staatlichen Bauamts Schweinfurt ist zuständig für die Bundes- und Staatsstraßen, die Tiefbauverwaltung des Landkreises Haßberge für Kreisstraßen.

Verkehrssicherheit und Kontrolle

"Sollte sich niemand um die Bäume und Pflanzen kümmern, wächst alles unkontrolliert und führt zu einem wüsten Stadtbild", erzählt Stadelmann. Das wäre nicht nur schlecht für die Optik: "Bei Bäumen wird Totholz nicht erkannt, was beim Herunterfallen zu Personen- und Sachschäden führen kann. Im schlimmsten Fall fällt ein Baum um und der Verkehr wird unter Umständen sehr stark eingeschränkt, weil das notwendige Lichtraumprofil nicht eingehalten werden kann." Nach Unwettern wird neben den regelmäßigen Kontrollen geprüft, ob die Bäume weiterhin sicher sind. So war es beispielsweise 2015 in Haßfurt besonders stürmisch - "damals sah es auch in der Promenade übel aus", erinnert sich Dietmar Will von der Bau- und Umweltverwaltung der Stadt.

Wer haftet?

"Falls es doch zu einem Unfall kommt, haftet in der Regel der Eigentümer, also Haßfurt, und der Dienstleiter, der die regelmäßige Kontrolle durchführt", erzählt er. Bei Unwetter tritt aber der Sonderfall der sogenannten höheren Gewalt ein, so dass die Versicherung des Geschädigten wirkt. Schwere Unfälle habe es damals nicht gegeben, anders als vor zehn Jahren. Damals ist ein Starkast auf ein Auto gefallen, "zusammen mit dem relativ spontanen Umfallen einer mächtigen Linde in der Bahnhofsstraße führte dies zur Einführung eines Baumkatasters." Die im Verzeichnis erfassten Bäume werden geprüft und die Pflegearbeiten in drei Prioritätsstufen eingeteilt: Dringend, wichtig und wünschenswert. Die 137 Bäume, die dort stehen, sind im Durchschnitt 70 Jahre alt. Woran erkennt man, wann es Zeit ist, einen Baum zu fällen? "An dürren Ästen sowie an Fäulnisbildungen und größeren Baumhöhlen", erklärt Alfons Schanz, Leiter der Tiefbauverwaltung des Landkreises.

Kahlschlag oder Neupflanzung?

"Eine Allee nach Greßhausen ist so ein Problemfall, da es immer wieder Astbrüche bei Stürmen gibt, außerdem werden bei den Baumkontrollen immer wieder dürre Äste entdeckt, die dann beseitigt werden müssen", erzählt Schanz. Je nach Einschätzung eines Gutachters muss gelegentlich ein Baum gefällt werden. "Ein Fällen der gesamten Allee ist nicht durchsetzbar, da eine Ersatzpflanzung bis heute nicht realisierbar war", sagt er. Die Bäume stehen zu nah an der Fahrbahn und sind ein Sicherheitsrisiko. Auch beschädigen sie die Fahrbahn durch Hebungen. "Der Landkreis würde gerne vorhandene und stark ausgedünnte Alleen erneuern, hierzu wäre aber viel mehr Platz notwendig, um die Verkehrssicherheit nach heutigen Standards herzustellen."

Aber wieso gibt es überhaupt Alleen und wieso werden sie erneuert, wenn sie solche Risiken darstellen? "Alleen sind häufig historisch gewachsen, dafür gab es viele Gründe, zum Beispiel die Straße optisch auf ein bestimmtes Objekt zu lenken wie auf ein Schloss", erzählt Schanz.

Die manchmal gefährlichen Alleen bezwecken im Gegenzug auch Sicherheit, denn sie werden gepflanzt, "um den Straßenkörper zu entwässern und dadurch zu stabilisieren." Sie sind, mit der richtigen Pflege, schützenswert. Deshalb wird auch in Zeil laut Bürgermeister Stadelmann die Oskar-Winkler-Straße nicht kahl bleiben, sondern sogar noch grüner: "Für die fünf gefällten Kastanien werden sechs neue Kastanien gepflanzt, die weniger krankheitsanfällig sind."



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