LKR Haßberge
Abfallentsorgung

Landkreis Haßberge: Bürger fordern die Gelbe Tonne

Die Bewohner im Kreis Haßberge bringen vorsortierten Verpackungsmüll zu den Wertstoffhöfen. Eine Bürgerinitiative will nun ein Holsystem erreichen.
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Holger Baunacher, Alexander Ambros und Isabell Zimmer (von links) wollen die Gelbe Tonne für den Landkreis Haßberge. Foto: Andreas Lösch
Holger Baunacher, Alexander Ambros und Isabell Zimmer (von links) wollen die Gelbe Tonne für den Landkreis Haßberge. Foto: Andreas Lösch
Es kommt wieder Schwung in die Diskussion um die "Gelbe Tonne" für den Landkreis Haßberge. Vertreter der Jungen Liste Haßberge gehen voran und wollen am kommenden Mittwoch (13. Juni) eine Bürgerinitiative (BI) gründen, die ein Bürgerbegehren zur Einführung der Gelben Tonne anstrebt. Das Treffen findet um 19 Uhr im Hotel Goger in Augsfeld statt.

Der Fränkische Tag hat mit dem Vorsitzenden der Jungen Liste (JL) Haßberge, Holger Baunacher (Wonfurt), und seinen politischen Mitstreitern Alexander Ambros (Knetzgau) und Isabell Zimmer (Ebern) über das Vorhaben gesprochen. "Wir glauben, dass eine Vielzahl an Bürgern die gelbe Tonne will", sagt Baunacher. Wie viele genau das sind und ob es für ein Bürgerbegehren reicht, dass solle mit Hilfe der BI ausgelotet werden.


Möglichst viele Bürger erreichen

Bestärkt dürften sich die JL-Politiker auch durch die Entwicklung in der Facebook-Gruppe "Gelbe Tonne für den Landkreis Haßberge!?!" fühlen, die unter anderem Baunacher und Zimmer gegründet haben. Innerhalb weniger Wochen wuchs die Mitgliederstärke auf über 4000 Nutzer an. Auch wenn die JL in der Sache vorangehe, betont Isabell Zimmer, dass die Initiative für eine breite Öffentlichkeit gedacht sei, also nicht nur JL-Mitglieder dahinter stünden, sondern möglichst viele Landkreisbürger, die sich für die Thematik interessieren, erreicht werden sollen.

Die JL Haßberge hat das Thema seit Jahren auf ihrer politischen Agenda. Im Kreistag haben sich die JL-Vertreter mit dem Vorstoß, das aktuelle Bringsystem (Bürger sortieren Verpackungsmüll vor und bringen ihn zum Wertstoffhof) durch ein Holsystem (Gelbe Tonne zur Abholung) zu ersetzen, schon mehrfach einen Korb geholt: Die Mehrzahl der Kreistagsmitglieder steht hinter dem aktuellen Bringsystem. In diversen Abstimmungen zum Thema (zum Beispiel wollte die JL eine Bürgerbefragung erreichen, was aber abgelehnt wurde) sahen die Holsystem-Befürworter kein Land.
Häufig sah sich die JL auch mit dem Gegenargument konfrontiert, die Umstellung auf ein Holsystem würde einen Anstieg der Müllgebühren nach sich ziehen. Teuerer dürfe ein Holsystem im Bereich Leichtverpackungen (LVP) aber eigentlich nicht werden, sagt Alexander Ambros. Die Entsorgung dieser Materialien sei nämlich nicht Teil der kommunalen Müllentsorgung und -verwertung, sondern eigenständig über die Gesellschaft "Duales System Deutschland" finanziert. Verkürzt dargestellt: Der Handel bezahlt für die Verwertung des Verpackungsabfalls Entgelte an das Duale System - und freilich werden diese Kosten über den Produktpreis an den Verbraucher weitergegeben.

Zwar erhält der Abfallwirtschaftsbetrieb Haßberge (Awhas) ein Entgelt dafür, dass er den Verpackungsmüll eigenständig im Bringsystem vorsortiert, er gibt diesen Preisvorteil auch an die Landkreisbürger weiter, indem er die Müllgebühren verringert. Wenn nun aber seitens des Awhas argumentiert wird, dass bei der Einführung des Holsystems der Preis angehoben werden müsste, sei das nicht nachvollziehbar, erklärt Ambros. Schließlich ließe sich durch den Wegfall der aufwendigen Vorsortierung auf den Wertstoffhöfen Geld einsparen. Benötigt würden die Wertstoffhöfe weiterhin allemal, aber eben nicht mehr in diesem Ausmaß.


Behandlung vor der Sommerpause

Im Landratsamt gibt man sich ob der bevorstehenden Gründung einer Bürgerinitiative gelassen. "Landrat Wilhelm Schneider steht der geplanten Bürgerinitiative offen gegenüber", teilt Pressesprecherin Moni Göhr auf Anfrage mit. Eine Bürgerinitiative sei "ein Instrument der direkten Demokratie: Die Bevölkerung hat das Recht für ihre Interessen und Meinungen zu werben". Der Landrat gilt zwar als Befürworter des aktuellen Systems, kann sich aber auch ein neues System vorstellen: "Bisher hat sich das Bringsystem bei uns im Landkreis bewährt, was aber nicht heißen muss, dass dieses System ewig aufrechterhalten werden muss", erklärt er. "Wir haben einen neutralen Gutachter damit beauftragt, das vorhandene System objektiv zu bewerten. Dabei werden sowohl wirtschaftliche, als auch ökologische Aspekte auf der Ebene unseres Landkreissystems erfasst, analysiert und bewertet." Die Behandlung solle noch vor der Sommerpause im Umweltausschuss erfolgen, der Kreistag bekommt das Thema dann nach der Sommerpause auf den Tisch.

"Natürlich ist eine Umstellung bei der LVP-Erfassung vom Bring- auf ein Holsystem vorstellbar", führt Schneider aus. Es müsse dann nur die zwangsläufige Frage beantwortet werden, "ob das Wertstoffhofsystem so beibehalten werden soll - es fallen dann die Einnahmen aus der Mitbenutzung des Wertstoffhofsystems ersatzlos weg, was dann Auswirkungen auf die Müllgebühren hätte oder es würden Standorte und/oder Öffnungszeiten in dem Wertstoffhofsystem in Frage gestellt", so Schneider.


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