Haßfurt
Gesundheit

"Laiendefis" sollen Leben retten

Ein neuer Verein bemüht sich, in Haßfurt Defibrillatoren an verschiedenen Standorten zu verteilen. Der Anfang ist gemacht. Es gibt aber auch Skepsis.
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So sieht ein sogenannter Laiendefibrillator aus, der ganz leicht bedient werden kann.  Christian Licha
So sieht ein sogenannter Laiendefibrillator aus, der ganz leicht bedient werden kann. Christian Licha

"Bürger retten Leben" ist der Name des Vereins, der sich jetzt auch in Haßfurt dafür einsetzen will, Menschenleben zu retten. Dies soll durch die Aufstellung von Defibrillatoren an öffentlich zugänglichen Orten erfolgen. Als erster Schritt soll die Mittelschule Haßfurt so ein Gerät bekommen, das bei einem Kammerflimmern des Herzens gute Dienste leistet und die Überlebenschancen nach einem Herzinfarkt steigert.

Am Donnerstag konnte Jochen Müller, der Vorsitzende des nach eigenen Angaben gemeinnützigen Vereins mit Sitz im schwäbischen Kissing eine Spende des dm-Drogeriemarktes in Haßfurt entgegennehmen. Anlässlich einer Aktion im November, dem sogenannten Giving Friday, wurde dafür geworben, dass fünf Prozent der Tageseinnahmen einem guten Zweck zugeführt werden. Nun konnte sich Filialleiterin Inessa Michaelis bei ihren Kunden für die rege Teilnahme bedanken und einen Scheck in Höhe von 755,50 Euro übergeben. Dieser Betrag fließe im vollen Umfang in die Beschaffung des Defibrillators für die Mittelschule ein, sagte Jochen Müller.

Er beschrieb, dass die zur Verfügung gestellten automatisierten externen Defibrillatoren (AED) des Typs "HeartSine PAD 500" rund 2000 Euro kosten. "Jeder Laie kann mit diesem Gerät umgehen", so Müller. Die Handhabung sei denkbar einfach und außerdem genau beschrieben. Der AED misst die Druckstärke und die Geschwindigkeit und fordert auch dazu auf, schneller oder langsamer das Gerät anzuwenden, wenn es nötig erscheint. Ende Februar oder Anfang März ist außerdem in der Mittelschule für Schüler und Lehrer ein "Kardio-Day" geplant, bei dem die Funktionsweise vorgeführt und über das Thema Herzinfarkt aufgeklärt wird, das durchaus auch junge Menschen betreffen kann.

Der Schulleiter Matthias Weinberger zeigte sich froh, dass seine Schule dazu auserwählt wurde. "Wir haben ein herzkrankes Mädchen an unserer Schule und da ist es sehr sinnvoll, einen Defibrillator direkt im Haus zu haben", sagte er.

Auch weitere Standorte in Haßfurt sind angedacht, wenn sich die Geschäftsleute im ausreichenden Maße beteiligen. Diese spielen eine große Rolle, denn sie sollen mit der Schaltung von Anzeigen die "Laiendefis" finanzieren. "Es wird eine Infozeitung an alle Haushalte verteilt, in dem alle Standorte verzeichnet sind und auch die Benutzung der Geräte erklärt wird", erläuterte Müller.

Bereits jetzt gibt es in der Kreisstadt schon einige öffentliche Defibrillatoren. So zum Beispiel im Bürgerbüro, der Volkshochschule und der Berufsschule. In jüngster Zeit haben sich auch zwei Firmen einen AED auf eigene Kosten beschafft, der zu den üblichen Geschäftszeiten auch der Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Die Sanitärfirma Wagenhäuser in der Philipp-Reis-Straße sowie die KAT Kraus Automatisierungstechnik GmbH in der Ottostraße sehen darin einen großen Nutzen zum Wohle ihrer Mitarbeiter und bei Notfällen in der Umgebung des Firmensitzes.

Silvia Kraus-Besendorf, die Geschäftsführerin der KAT Kraus Automatisierungstechnik GmbH, sagte in einem Gespräch mit dieser Redaktion, dass man schon lange darüber nachgedacht hatte, einen Defibrillator anzuschaffen. Der Besuch eines Vertreters des Vereins "Bürger retten Leben" kam dann nach ihren Angaben sehr gelegen und man beschloss spontan, neben der Schaltung einer Anzeige in der Infozeitung auch ein eigens Gerät zu kaufen. "Wir möchten auch so etwas wie eine Vorreiterrolle einnehmen und andere Firmen dazu animieren, uns zu folgen", sagte Kraus-Besendorf angesichts der erschreckenden Zahlen von Sterbefällen nach einem Herzinfarkt, die in Deutschland bei 100 000 bis 200 000 Menschen pro Jahr liegen. Alle Mitarbeiter wurden geschult und sind somit für den Ernstfall vorbereitet. Am Firmengebäude wird demnächst ein Hinweisschild angebracht, so dass zu den Geschäftszeiten auch externe Personen Zugriff auf das lebensrettende Gerät haben.

In der Vergangenheit gab es auch schon kritische Stimmen. So ist im Internet ein Zeitungsartikel vom Oktober 2016 zu lesen, in dem ein Geschäftsmann aus Garmisch-Partenkirchen das Geschäftsmodell des Vereins "Bürger retten Leben" in Zweifel zieht. In diesem Bericht wird vermutet, dass der Erlös von den verkauften Anzeigen für die Infozeitung nur teilweise direkt in Defibrillatoren investiert werde, denn eine Medienfirma sei im Auftrag des Vereins hausieren gegangen und habe die Anzeigenaufträge vermittelt. Der Vereinsvorsitzende Jochen Müller könne den Groll nicht nachvollziehen, steht in diesem Zeitungsbericht, und weiter heißt es dort: Die Gelder einzutreiben, das könne der Verein, der sich auch bei den Gesundheitstagen engagiert sowie Infoabende und andere Herz-Veranstaltungen organisiert, in dieser Größenordnung nicht leisten. Die Medienfirma bekomme je nach Leistung einen Anteil, und der halte sich in Grenzen. Genaue Zahlen will er nicht nennen. Ansonsten flössen die Spenden eins zu eins an den Verein und schließlich in die lebensrettenden Geräte.

In einem Gespräch äußerte auch ein Haßfurter Geschäftsmann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ähnliche Vermutungen. Er stehe solchen Sponsoring-Aktionen grundsätzlich skeptisch gegenüber, so der Inhaber eines Einzelhandelsgeschäftes, denn man lese oft, dass bei solchen Projekten nicht das ganze Geld dort ankomme, wo man es sich wünsche.

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