Haßfurt
Gerichtsverhandlung

Kurze Autofahrt zu Fußballrelegationsspiel in Knetzgau führt 50-Jährigen in den Knast

Ein Polizist in Zivil erkannte einen "Kunden", der schon viermal wegen Schwarzfahrens verurteilt worden war, als er ohne Führerschein zum Fußballplatz fuhr.
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Dass ein 50-Jähriger aus dem Raum Schweinfurt einen alten Bekannten bei einem Fußballrelegationsspiel in Knetzgau im Mai dieses Jahres wiedersehen würde, hatte er so nicht geplant und auch nicht erwünscht. Als er mit seinem Auto an der Kasse vorbeifuhr, erkannte ihn der Bekannte, der dort kassierte. Es handelte sich ausgerechnet um den Polizeibeamten, der ihn wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis bereits zweimal angezeigt hatte. Nun folgte Anzeige Nummer drei, die für den 50-jährigen Hartz-IV-Empfänger fatale Folgen hatte. Weil er bereits viermal wegen Schwarzfahrens verurteilt worden war und deswegen unter offener Bewährung steht, verurteilte ihn das Amtsgericht am Mittwoch zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe - ohne Bewährung.

Dabei war die Tat völlig unnötig und vermeidbar, denn auf dem Beifahrersitz saß damals die Lebensgefährtin des Angeklagten, die eine gültige Fahrerlaubnis besitzt. Weil der 50-jährige Hobbyfilmer jedoch seine Kamera-Ausrüstung möglichst nahe am Spielfeld aufbauen wollte, befuhr er den schmalen Weg zum Sportplatz selbst, weil die Freundin "Panik" bekommen hatte, weil es so eng war. Kurzerhand habe er sich selbst ans Steuer gesetzt, sagte der Angeklagte vor Gericht, da er der Meinung war, dass es sich um einen nicht-öffentlichen Weg handele, den er auch ohne Führerschein befahren kann - weit gefehlt. Denn in der Nähe befindet sich auch eine Gaststätte mit öffentlichem Parkplatz. Zudem hatte der Polizeibeamte in Zivil den Angeklagten schon von weitem her gesehen, als er auf der öffentlichen Straße herangefahren war.

Da der Angeklagte gesundheitlich schwer angeschlagen ist und eine Operation ansteht, bat sein Verteidiger um eine nochmalige Bewährungsstrafe. Er verwies auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes, nach dem der gesundheitliche Zustand eines Angeklagten für eine Bewährungsstrafe sprechen kann.

Zehn Monate gefordert

Anklagevertreter Ilker Özalp plädierte angesichts der insgesamt neun Vorstrafen - fünfmal Betrug, viermal Fahren ohne Fahrerlaubnis - auf eine erstmalige, zehnmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Es gebe auch Gefängniskrankenhäuser oder die Möglichkeit, die Haftstrafe aufzuschieben auf die Zeit nach der Operation. "Es muss irgendwann mal genug sein bei dieser Vita", meinte Özalp.

Der Verteidiger bat noch einmal um eine Bewährungsstrafe mit "straffen" Bewährungsauflagen, doch Richterin Ilona Conver ließ sich nicht erweichen. Neben der Haftstrafe verhängte sie eine Fahrsperre von eineinhalb Jahren. "Es gab keinen Grund für Sie, das Steuer zu übernehmen. Sie halten sich an keine Bewährungsauflagen, Ihnen ist alles völlig egal. Anders lernen Sie es nicht", sagte sie.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



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