Haßfurt
Demokratie

Kundgebung in Haßfurt: Rund 250 Bürger setzen ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit

Unter dem Motto "Aufstehen - Standhaft sein!" versammelten sich am Samstag rund 250 Bürger in Haßfurt. Sie setzten ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für ein friedliches Miteinander.
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Zahlreiche Bürger aus dem Landkreis waren zur Kundgebung "Aufstehen - Standhaft sein!" des Freundeskreises Asyl Hofheim gegen Rassismus, Antisemitismus und rechtsextremes Denken am Samstagnachmittag in die Kreisstadt gekommen. In einem Lichtermarsch zogen sie vom Marktplatz zur ehemaligen Synagoge bis zum Denkmal für die ausgelöschte jüdische Gemeinde von Haßfurt in der Promenade. Fotos: Ulrike Langer
Zahlreiche Bürger aus dem Landkreis waren zur Kundgebung "Aufstehen - Standhaft sein!" des Freundeskreises Asyl Hofheim gegen Rassismus, Antisemitismus und rechtsextremes Denken am Samstagnachmittag in die Kreisstadt gekommen. In einem Lichtermarsch zogen sie vom Marktplatz zur ehemaligen Synagoge bis zum Denkmal für die ausgelöschte jüdische Gemeinde von Haßfurt in der Promenade. Fotos: Ulrike Langer
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Es gibt sie: Menschen, die zum Wachsen von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Rassismus in Deutschland nicht schweigen, die aufstehen und ein Zeichen im öffentlichen Raum setzen. So nahmen rund 250 Erwachsene, Kinder und Jugendliche an der Kundgebung "Aufstehen - Standhaft sein!" teil, die am späten Samstagnachmittag in der Kreisstadt stattfand. Veranstalter war der Freundeskreis Asyl Hofheim.

Die Teilnehmer kamen auf dem Marktplatz in Haßfurt zusammen, wo Katharina Schmidt vom Vorstand des Freundeskreises an den schleichenden Beginn des nationalsozialistischen Regimes und an die Pogromnacht vor 81 Jahren erinnerte. Was der Freundeskreis jedoch besonders gefährlich findet, sind die Morde des nationalsozialistischen Untergrunds (NSU), die Anschläge in Mölln, Solingen, Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen und vor allem in Halle und Kassel.

"Es reicht. Wir, die wir diese Entwicklung gefährlich finden, müssen uns Gehör schaffen", sagte Schmidt. "Denn Angst und Desinteresse sind die Verbündeten derer, die unsere Freiheit, unsere Demokratie, unsere Form des friedlichen, vertrauensvollen Zusammenlebens zerstören wollen." Dabei sei die Entwicklung bereits gefährlich vorangeschritten.

"Wir nehmen Angriffe auf Flüchtlingsheime, auf ausländisch aussehende Menschen, Muslime, homosexuelle Menschen oder Juden im öffentlichen Raum hin. Wir gewöhnen uns schon daran. Unser moralischer Kompass hat sich schon gedreht", warnte Katharina Schmidt. "Nun geht es darum, wie wir zusammenleben wollen. Überlassen wir den neuen Faschisten die Definition dessen, was unsere Heimat ausmacht, auf welches Deutschland wir stolz sein können und wollen?"

Es dürfe keine Toleranz für diejenigen geben, die Intoleranz predigten. Meinungsfreiheit bedeute nicht, alles sagen zu dürfen. Demokratie lebe aber vom Umgang mit verschiedenen Meinungen, vom Aushandeln von Kompromissen, vom Aushalten des anderen - auf dem Boden demokratischer Werte.

Im Kleinen anfangen

"Lasst uns aufmerksam sein, im Kleinen anfangen, im Gespräch, beim Mittagessen unter Kollegen. Lasst uns den Mund aufmachen und aufstehen gegen Hass und Hetze, Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit, menschenverachtenden Extremismus von jeder Seite, Antisemitismus, Rassismus und jede Form der Ausgrenzung", sagte Schmidt unter dem Applaus der Anwesenden, die den Marktplatz mit ihren Kerzen erhellten.

Wie wichtig es ist, Position zu beziehen, verdeutlichte die Vorsitzende des Freundeskreises Asyl, Christina Bendig, mit einem Gedicht von Simon Pearce. Darin heißt es: "Bei Hitlers brennt noch Licht. Vernunft, wo bist du? Wo? Komm raus und hilf und schalt es aus, sonst brennt es lichterloh."

Pfarrerin Doris Otminghaus vom Freundeskreis Asyl Knetzgau betonte im Hinblick auf das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: "Es geht nicht darum, wer ist mein Nächster, sondern: wem werde ich zum Nächsten? Dies ist eine Frage des genauen Hinsehens, des achtsamen Blicks und des sich Berührenlassens. Werden wir also zum Nächsten und handeln."

Der Lichtermarsch führte zur ehemaligen Synagoge in der Schlesinger Straße, wo Joe Heinrich Balling daran erinnerte, wie in Haßfurt eine aufgebrachte Menge in die Synagoge eindrang, alles zerstörte und Thorarollen, Gebetbücher und Ritualien auf dem Patz davor entzündete, wie Geschäfte und Wohnungen der Juden demoliert wurden, Gemeindemitglieder misshandelt und alle jüdischen Männer verhaftet wurden.

Balling gedachte auch der jüdischen Bürger aus dem Landkreis, die 1942 deportiert und im Vernichtungslager Sobibor ermordet wurden.

Welle der Sympathie gefordert

Nachdem viele Teilnehmer Blumen am Fenster der ehemaligen Synagoge abgelegt hatten, führte der Marsch zum Denkmal in der Promenade. Dieses hat die aus Haßfurt stammende israelische Künstlerin Chana Pines, die den Holocaust überlebt hat, zum Gedenken an die ausgelöschte jüdische Gemeinde von Haßfurt geschaffen.

Es ist wie eine Welle gearbeitet und für Pfarrer Stephan Eschenbacher "schwappt ähnlich wie zur Zeit der Nazis wieder eine Welle des Hasses, der Ausgrenzung und des Antisemitismus" über das Land. "Aber wir wollen uns nicht davon runterziehen lassen, wir wollen aufstehen und dazu brauchen wir die Welle der Sympathie und Solidarität mit allen Ausgegrenzten und besonders mit unseren jüdischen Mitbürgern", sagte Eschenbacher.

Daran wolle das Denkmal erinnern. Zudem dürfe sich jeder Gläubige bewusst sein, dass jeder Mensch einen göttlichen Funken in sich trage und dass einem in jedem Menschen Gott entgegenkomme. "Deswegen habe ich kein Recht, irgendeinen Menschen zu beurteilen oder gar zu verurteilen", sagte er.

Mutig sein

Musikalisch gestaltet wurde die Kundgebung von Heinrich Goschenhofer, der ein Klezmer-Lied an der Geige anstimmte, sowie durch Klaus Neubert, der die Titelmelodie aus dem Film "Schindlers Liste" auf der Gitarre spielte und das Lied "Imagine" von John Lennon sang.

"Stellen Sie sich eine Welle des Miteinanders vor", sagte Katharina Schmidt in Anspielung auf dieses Lied. "Wir sind überwältigt, dass Sie in so großer Zahl erschienen sind. Seien Sie mutig und machen Sie den Mund auf!"

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