Eltmann
Hobby

Krüge und Flaschen erzählen Geschichten in Eltmann

Die Sammelbörse für Artikel rund ums Bier zog viele Interessierte an. Schätze wurden gehoben, Erinnerungen ausgetauscht, erste Erfahrungen gemacht.
Artikel drucken Artikel einbetten
Krüge, Gläser, Bierfilze, Kronkorken, Aschenbecher und Werbeschilder waren bei der Sammlerbörse in Eltmann zu bewundern.  Fotos: sw (4) und ks (2)
Krüge, Gläser, Bierfilze, Kronkorken, Aschenbecher und Werbeschilder waren bei der Sammlerbörse in Eltmann zu bewundern. Fotos: sw (4) und ks (2)
+6 Bilder
Selig hält Hans Fehn eine grüne Flasche ins Licht. Es wird deutlich sichtbar: Der Sammler hat einen Schatz gehoben. Fehn war nicht der einzige, der mit einem glücklichen Lächeln die Tausch- und Sammelbörse für Artikel rund ums Bier in Eltmann verließ. Sammler und Liebhaber von Krügen, Flaschen, Bierfilzen, Etiketten, Kronkorken, Werbeschildern sowie sonstigen Werbemitteln von Brauereien und Getränkeherstellern gaben sich am Samstag in der Wallburgstadt ein Stelldichein.

Schon rund um die Stadthalle war unübersehbar, dass die Messe, die der 75-jährige Herbert Bott zum siebten Mal in Eltmann organisierte, einen überregionalen Ruf hat. Autokennzeichen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland waren zu lesen. Rund 100 Sammler präsentierten ihre Stücke in der Stadthalle, wie Bott unserer Zeitung schilderte. Der 75-Jährige ist selbst leidenschaftlicher Sammler und zählt etwa 1600 Bierkrüge sein Eigen.

Hans Fehn aus Teuschnitz sammelt seit über 40 Jahren. Er geht alle zwei Monate auf eine Börse und organisiert alle zwei Jahre die Börse in Kronach. Er besitzt Krüge, Flaschen, Bierdeckel und Aschenbecher. Heute lässt ihn eine Flasche strahlen, eine ganz besondere. Mundgeblasen ist sie, rund 120 Jahre alt, von der früheren Brauerei Hans Braun aus Bamberg.


Getauscht

400 Krüge aus Unterfranken hat Peter Räth in seinem Wohnzimmer in Haßfurt stehen. "Und mehr sollen es auch nicht werden", erklärt er. Deshalb hat er getauscht, nicht gekauft. Neulich hat er sich sogar von einer ganzen Sammlung komplett getrennt. "Ich möchte meine Stücke sehen, nicht im Keller verstauen", erklärt er seine Philosophie. Ein Teil seiner Sammlung bezieht sich auf Haßfurter Firmen. Krüge, Flaschen und Schilder erzählen interessante Geschichten, etwa von der "Aepfelweinkelterei Müller", aus der später die Firma Maintal wurde.

Sein Eltmanner Schnäppchen vom Samstag war eine Mineralwasserflasche der Firma Schuler. Die Mineralwasserfabrik Schuler war früher in Haßfurt angesiedelt, zog dann nach Bamberg um und ist heute eine Weinhandlung. Die Flasche der Haßfurter Mineralwasserfabrik hat Peter Räth schon zu Hause, jetzt gesellt sich die Bamberger Flasche dazu.


Humor gehört dazu

"Der ist eine Million wert", preist Elisabeth Arndt ihren Bierkrug an. Natürlich ist das eine Übertreibung, aber 300 Euro wollte die Gleisenauerin für ihren Halbliter-Bierkrug mit der Aufschrift "J. Thein Schönbach" schon haben. Den Krug bekam sie von ihrer Mutter und er erinnert die 64-Jährige an ihren Urgroßvater Johann Thein, der in Schönbach einst ein Wirtshaus betrieb.

In dem heutigen Ebelsbacher Gemeindeteil hat es von 1870 bis 1893 eine Brauerei gegeben. Das war die Brauerei Reisenweber. Vermutlich ist Arndts Krug für das Unternehmen ihres Urgroßvaters Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellt worden; vermutlich wurde dort auch eine kleine Braustätte für Hausbrauerbier betrieben.

Wie auch immer. Eigentlich wollte die Gleisenauerin ihren Krug gar nicht hergeben. Wegen der Erinnerungen. "Ich glaube nicht, dass ich ihn verkaufe", sagte sie. "Das ist eine Rarität."


Es ist eben Ansichtssache

Sind 300 Euro für einen solchen Krug ein angemessener Preis für einen Sammler? Herbert Bott schüttelt den Kopf. Zu teuer. Bott würde den Bierkrug von Elisabeth Arndt nur nehmen, "wenn ich der Sohn von Rockefeller wäre".

Welche Preise werden in der Regel verlangt und auch bezahlt? Wie bei vielen Sammelobjekten gilt die Regel: je älter und je seltener, desto teurer. Wenn es eine kleine Brauerei seit 40 oder 50 Jahren nicht mehr gibt und Krüge eher selten sind, dann kann ein solches Trinkgefäß schon mal für 50 bis 80 oder 100 Euro den Besitzer wechseln, weiß Herbert Bott.

Bei den Kosten spielt auch eine Rolle, ob die Schrift auf dem Krug aufgelegt oder geritzt ist. Aufgelegt bedeutet, etwas laienhaft ausgedrückt: Der Schriftzug ist aufgemalt. Geritzt heißt: Der Schriftzug ist in den Ton "eingraviert". Eine Situation beobachtet Herbert Bott immer wieder, wie er erzählt: Manche Besucher kommen offenbar in der Hoffnung, dass sie einen Bierkrug umsonst bekommen - wenn schon so viele Exemplare da sind, die auf den ersten Blick nicht wertvoll erscheinen. Weit gefehlt. "Manche denken, sie kriegen einen Krug geschenkt. Aber das geht halt nicht", sagt Herbert Bott.

Verschenken wollte Elisabeth Kernwein ihre Krüge auch nicht. Spontan hatte sich die Zeilerin entschlossen, ihre kleine Sammlung zum ersten Mal bei einer Börse zu zeigen. "Ich hab' am Donnerstag zu meinem Mann gesagt, ich spül' die Krüge und mach' da mal mit", erzählt sie. Sie sammelt, was ihr gefällt. "Aber hier sind ja lauter richtige Profis. Was die alles wissen", erzählt sie fasziniert. Viel Umsatz hat die Zeilerin nicht erzielt. Aber das ist für sie nicht so wichtig. Ihr hat die Atmosphäre bei der Tausch- und Sammelbörse gefallen, und so sagt sie lachend: "Wenigstens sind die Krüge einmal durchgespült worden."
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren