Goßmannsdorf
Brandstiftung

Kripo sucht nach Feuerteufel von Goßmannsdorf

Mehrmals hat es dieses Jahr in Goßmannsdorf gebrannt und vieles deutet für die Kripo Schweinfurt darauf hin, dass es sich um Brandstiftung handelt. Am Mittwoch befragten die Beamten die Bewohner des Hofheimer Stadtteils ausgiebig.
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Lediglich die Stahlträger der Scheune bei Goßmannsdorf ragen noch in die Höhe: Das Feuer hat hier nahzu alles zerstört. Fotos: Andreas Lösch
Lediglich die Stahlträger der Scheune bei Goßmannsdorf ragen noch in die Höhe: Das Feuer hat hier nahzu alles zerstört. Fotos: Andreas Lösch
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Eine mit Klebeband umwickelte Getränkeflasche erhärtete am vergangenen Donnerstag den Verdacht der Kriminalbeamten. Der Plastikbehälter war in der Nähe der Scheune gefunden worden, die an Maria-Himmelfahrt bei Goßmannsdorf komplett abgebrannt war (der genaue Schaden ist noch nicht ermittelt, aber die Polizei geht von 150.000 bis 200.000 Euro aus).

In der Flasche schwappte eine Flüssigkeit, die gut als Brandbeschleuniger verwendet werden kann, wie der Chef der Kripo Schweinfurt, Peter Häu singer, gestern bei einem Ortstermin in dem Hofheimer Stadtteil erklärte. Dem Geruch nach zu urteilen, handle es sich um eine Nitroverdünnung (wird zum Beispiel verwendet, um Malerpinsel zu reinigen, Anm. d. Red.).


Brandbeschleuniger gefunden
Es war nicht der erste Hinweis, der die Ermittler darauf stieß, dass in Goßmannsdorf ein Brandstifter am Werk ist. Bereits Monate zuvor hatte die Kripo klare Anzeichen dafür gefunden, dass in dem kleinen Dorf der Feuerteufel umgeht: Als es am 19. März in einem Schuppen mitten im Ort gebrannt hatte - das Feuer konnte schnell gelöscht werden und der Schaden war gering - entdeckten die Beamten "drei voneinander isolierte Brandstellen", wie es der Sachbearbeiter Wolfram Stache erklärt. Zwei weitere Fälle - ein Garagenbrand, ebenfalls im März, sowie der Strohballenbrand einen Tag vor Maria Himmelfahrt - ordnet die Kripo ebenfalls dem vermuteten Brandstifter zu.

Um den Druck auf den Täter zu erhöhen, haben sich die Mitglieder der Ermittlungskommission "Goßmannsdorf" (ihr gehören auch Beamte der Polizeiinspektion Haßfurt an) dazu entschlossen, offensiv auf die Bevölkerung des etwa 250 Haushalte umfassenden Hofheimer Stadtteils zuzugehen.

Durch die Befragung möglichst vieler Einwohner erhoffen sich die Ermittler konkrete Hinweise auf den Zündler. Da alle vier Brände "am helllichten Tag" stattgefunden hätten, sehen die Beamten gute Chancen auf Erfolg, wie Wolfram Stache erklärt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass mich keiner sieht, wenn ich in so einem kleinen Ort um 16 Uhr irgendetwas mache", sagt er.


"Keine ungewöhnliche Maßnahme"
Die direkte Befragung der Einwohner ist laut Kripo-Chef Häusinger keine ungewöhnliche Maßnahme. Die Polizei gehe nämlich davon aus, dass in einer so engen Dorfgemeinschaft die Bewohner etwas wachsamer sind. Und einige von ihnen würden von sich aus nicht auf die Ermittler zugehen - also kommen eben die Beamten zur Haustür.


Mögliche Motive
Was aber bewegt einen Menschen überhaupt dazu, einen Brand zu legen? Dafür gebe es mehrere Motive, erklärt Wolfram Stache. "Ein Racheakt, denke ich, ist zu weit gestreut", sagt er konkret zu den Fällen in Goßmannsdorf. Denn die jeweils Geschädigten stünden in keinem besonderen Verhältnis zueinander, es scheint sie also eher willkürlich getroffen zu haben.

Weitere Beweggründe für einen Menschen, zum Brandstifter zu werden, können laut Stache auch mangelnde Anerkennung, die Lust am Löschen (es gab bereits mehrere Fälle, in denen einen Feuerwehrmann der Täter war) oder einfach Sensationsgier sein. Derzeit gebe es aber noch keine Anhaltspunkte, die Rückschlüsse auf die Motive des vermuteten Goßmannsdorfer Brandstifters zuließen.

Immerhin glauben die Beamten zu wissen, dass es sich um einen örtlichen Täter handelt, der "aus der Region stammt, nicht zwangsweise aus Goßmannsdorf", sagt der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken in Würzburg, Karl-Heinz Schmitt. Dass der Täter "durch Deutschland reist und Brände legt", ist unwahrscheinlich. Hinweise darauf geben etwa die örtlich nah beieinander liegenden Brandorte und die zeitlichen Abstände der Taten.

Zwei Beamte aus Haßfurt, die an den Ermittlungen beteiligt sind, sind Siegfried Schweinfest und Jochen Belz. Sie und sechs weitere Kollegen sind gestern den ganzen Tag jeweils in Zweiergruppen in Goßmannsdorf von Haus zu Haus gelaufen, um die Einwohner zu befragen.


Mühsame Arbeit
Was er von dem Brand am Donnerstag mitbekommen habe, fragen sie Friedrich Hertwich, der in der Königsberger Straße mit dem Fahrrad unterwegs ist. Sie zeigen Fotos und gehen eine Checkliste durch. Hertwich sagt, er war an diesem Tag unterwegs, und als er in Sichtweite der Scheune war, "da hat's lichterloh gebrannt". Der ältere Herr hat es aber eilig und muss weiter, er will später noch einmal mit den Beamten sprechen. So geht es weiter für die Polizei: Jedem Bewohner, der bereit ist, Auskunft zu geben, stellen sie Standardfragen und bohren dann gezielt nach, wenn sie eine Aussage näher interessiert.

Eine mühselige Angelegenheit. Später dann müssen all die gesammelten Informationen ausgewertet und wie in einem Puzzle zusammengesetzt werden. Auf Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, haben eine Versicherung und die Stadt Hofheim übrigens eine Belohnung von insgesamt 3000 Euro ausgesetzt.
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