Ein paar Mal flammten die alten Argumente auf, die die Diskussion um die Zukunft des Steigerwaldes angeheizt haben. Aber weitgehend bemühten sich sämtliche Kreisräte am Montagnachmittag um Sachlichkeit und unterstrichen das Bemühen, im Ringen um die Weiterentwicklung des Steigerwaldes einen Konsens anzustreben. Die Zukunft der Region südlich der Mainlinie stand im Blickpunkt der Sitzung des Kreistages Haßberge, der im Landratsamt in Haßfurt tagte.

Zum Steigerwald lagen mehrere Anträge vor, die die gegensätzlichen Positionen deutlich machen. Auf der einen Seite fordern darin SPD, Grüne, ÖDP und Linke, dass der Steigerwald bei der Auswahl eines dritten Nationalparks in Bayern einbezogen und nicht von vorneherein ausgeschlossen wird. Dem standen Anträge von CSU und Freien Wählern gegenüber, die verlangen, dass von einem Nationalpark abgesehen und stattdessen eine Stärkung des Steigerwaldes als Nachhaltigkeitsregion angestrebt wird, mit einem Leuchtturmprojekt im Landkreis Haßberge und einer Fortführung des Trittsteinkonzepts, das die Bayerischen Staatsforsten bereits umsetzen.

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) machte zu Beginn der Sitzung klar, dass über das Thema Steigerwald in dieser Sitzung des Kreistages nur informiert und diskutiert und kein Beschluss gefasst werden sollte. Würde es eine Beratung und Abstimmung über die eingereichten Anträge geben, dann befürchtete er, dass die Gräben, die ohnehin bestehen, noch tiefer aufgerissen werden würden. Egal wie ein Beschluss aussehen würde, könnte es neue Wunden geben, sagte er.

Schneider schlug vor, die Sitzung zur Information und zum Austausch zu nutzen. Später solle in der Runde der Fraktionsvorsitzenden nach einer Lösung gesucht und dann das Thema erneut im Kreistag behandelt werden. "Wir wollen gemeinsam unseren Steigerwald weiterentwickeln", betonte er. Der Kreistag Haßberge solle, so Schneider, einen Konsens erreichen.

Diesem Vorschlag folgte der Kreistag. Und er fasste dann doch einen - einstimmigen - Beschluss, dass diese Vorgehensweise umgesetzt wird.

"Ich denke, es ist wichtig, dass alle im Boot sind", bestätigte Kreisrat Jürgen Hennemann von der SPD. Seine Fraktion könne "gut damit leben", sagte er und hofft, dass dann, wenn erneut über den Steigerwald diskutiert wird, Ergebnisse verschiedener Projekte und Untersuchungen vorliegen, die aktuell laufen.


Der Streit soll aufhören

Kreisrat Steffen Vogel (CSU) bedauert "zutiefst, dass man sich seit zehn Jahren im Steigerwald gegenübersteht". Das sei nicht dienlich für die Region. In den vergangenen Wochen und Monaten habe die Diskussion in Bayern gezeigt, dass ein Dialog über die Frage eines Nationalparks nicht möglich sei. "Überall spaltet man die Region", und deshalb wertet es Vogel als die richtige Entscheidung, dass es überhaupt keinen dritten Nationalpark im Freistaat geben soll. Dies hatte der designierte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) jüngst angedeutet.

Mit dieser Aussage Söders "ist die Sache eigentlich gegessen", ergänzte Kreisrat Oskar Ebert (FW). Ziel müsse es sein, den Steigerwald mit den Menschen weiterzuentwickeln und nicht gegen die Menschen dort. Wie auch schon Steffen Vogel sprach sich Ebert für eine Stärkung der Naturparke aus - und Naturpark ist der Steigerwald bereits.

Kreisrat Holger Baunacher (Junge Liste) unterstrich: "Wir wollen den Steigerwald als etwas Besonderes darstellen. Das ist er schon", sagte er. Die Kreistagssitzung am Montagnachmittag bezeichnete er als einen wesentlichen Schritt nach vorne. "Wir sind im Dialog", freute sich der Wonfurter Bürgermeister. "Wir sind auf einem guten Weg."


Die Chronologie

Vor der Diskussion hatten Adelinde Friedrich und Veronika Jägler (beide vom Landratsamt) die Chronologie sowie Projekte, Veranstaltungen und viele Entscheidungen zum Thema Steigerwald in den vergangenen Jahren vorgestellt. Sie erinnerten an die Anfänge der Diskussion, die im Jahr 1997 liegen, und beschrieben laufende Aktionen.

Zum Beispiel, dass aktuell eine Untersuchung im Gange ist, die Auskunft darüber geben soll, ob sich der Steigerwald für ein Biosphärenreservat (wie etwa die Rhön) eignet. Ein Büro in Österreich arbeitet daran; erste Ergebnisse sollen in der zweiten Jahreshälfte 2018 vorliegen.

Oder wie und ob es möglich ist, einen Weltkulturerbetitel zu erreichen. Dafür gibt es den Ansatz über "Zisterziensische Kulturlandschaften in Mitteleuropa". Das bedeutet, mit dem ehemaligen Kloster in Ebrach könnte das bauliche und landschaftliche Erbe der Zisterzienser zusammen mit anderen Regionen in ganz Europa vernetzt werden. Ziel ist das Europäische Kulturerbe-Siegel 2021.

Und: Angegangen wurde auch die Frage, wie ein Leuchtturmprojekt für den Steigerwald in den Kreis Haßberge geholt werden könnte. Ähnlich dem Baumwipfelpfad in Ebrach oder dem Nachhaltigkeitszentrum in Handthal. Damit will der Landkreis Haßberge nicht in Konkurrenz zu den Angeboten in den Kreisen Bamberg und Schweinfurt treten, sondern ergänzend tätig sein. Das Ganze wird allerdings als schwierig bewertet, denn das Risiko hoher Kosten und des Scheiterns ist vorhanden. Diskutiert wurden daher kleinere "Insellösungen"; zwei Ideen sind aktuell: eine Art Keltendorf auf dem Gelände des Marswaldspielplatzes zwischen Zell und Oberschleichach sowie ein "Informationszentrum Ländlicher Raum" in Rauhenebrach mit Baumdorf, Wildgehege und Erlebnisspielplatz. Landrat Wilhelm Schneider bedauert, dass es noch keine Resultate gibt. "Wir arbeiten daran."