Ebern
Wettbewerb

Kreis Haßberge: Auszeichnungen für Natur im Garten

"Natur im Garten" wurde in diesem Jahr prämiert. Wir blicken in drei Gärten, die eine Plakette erhalten haben. Was macht sie so besonders?
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Margarete Dorsch steht an ihren Hochbeeten. Dort kann alles wachsen und gedeihen. Helmut Will
Margarete Dorsch steht an ihren Hochbeeten. Dort kann alles wachsen und gedeihen. Helmut Will

Einige Gartenbesitzer im Landkreis Haßberge haben in ihren Gärten eine Plakette hängen: "2018 - Natur im Garten, Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Haßberg e.V.", ist darauf zu lesen. Sie alle haben erfolgreich an dem Wettbewerb "Natur im Garten" teilgenommen und wurden hierfür kürzlich ausgezeichnet. Wir haben drei prämierte Gärten unter die Lupe genommen.

Von außen erkennt man, dass Sieglinde Kretz Natur pur angesagt ist. Ihr Haus ist eng umschlungen mit Efeu und Wildem Wein. Die 64-jährige Rentnerin sagt dazu: "Ohne Natur kann ich nicht leben, sie gibt mir viel."

Als sie vor 45 Jahren ihren Mann heiratete wurde mit dem Hausumbau begonnen. "Wo heute unser Garten ist hat meine Schwiegermutter Hühner gehalten", erinnert sie sich.

Da damals Beruf und Umbau viel Zeit in Anspruch nahmen, habe alles im Garten wachsen dürfen. Sie bringe es nur schwer übers Herz eine Pflanze oder einen Strauch abzuschneiden. "Etwas Rück- oder Freischneiden ja, aber Entfernen? Nein!", sagt Kretz.

Viele Tiere leben im Garten

Außerdem ist ihr jedes Tier willkommen. Sie und ihr Mann haben einen Hund, vier Katzen, Hühner, Enten, Bienen und die zwölfjährige afrikanische Schildkröte "Max".

Betritt man den Garten der Famlie Kretz, sieht nichts aus wie "geleckt". Die Natur hat alles im Griff. "Einen total aufgeräumten Garten möchte ich nicht, da wollte ich nicht leben, das ist nicht mein Naturverständnis", sagt die 64-Jährige.

Sie geht zu ihrem Wilden Wein an der Hausmauer. "Im Efeu und Wildem Wein ist die Hölle los wenn alles blüht, da summt und brummt es", erläutert sie. Das sei übrigens auch im Sommer ein guter Schutz vor zu viel Wärme im Haus.

Sie hat schon im Blick, dass sie künftig noch mehr Blühpflanzen haben möchte - für die Bienen. Auch die Vogelwelt hat den Naturgarten in Beschlag genommen. Überall flattert und zwitschert es - Nistkästen gibt es natürlich ausreichend. Kretz fühlt sich wohl in ihrem Garten und das im Einklang mit Tieren und Pflanzen, im Einklang mit der Natur.

Margarethe und Harry Dorsch haben in einer Siedlung in Ebern ihren Nutz- und Naturgarten direkt hinterm Haus.

Margarethe strahlt förmlich, als sie berichtet wie schön alles ist, wenn es im Sommer grünt und blüht, wenn in den Hochbeeten alles wächst und gedeiht.

Sie ist 61 Jahre alt, gelernte Kinderpflegerin und seit 1980 damit beschäftigt ihren Garten zu hegen und zu pflegen.

Dieser ist mit mehreren Hochbeeten versehen. "Eine feine Sache", findet Margarethe Dorsch. Geplant ist ihr Garten nicht. "Das entwickelt sich so nach und nach. Meine Ideen verwirkliche ich zusammen mit meinem Mann", sagt sie.

Es gibt Wassertonnen, in denen Regenwasser aufgefangen wird. Komposthaufen sind vorhanden, um mit dem Kompost die Beete zu versorgen. Ein Hasenhaus steht am Rande des Gartens, in dem sich einige Langohren tummeln.

Platz für ein Insektenhotel

Dorsch geht zu Blumen und sagt: "Pflanzen und Blumen liebe ich über alles, aber auch alle Tiere die uns besuchen." Insektenhotels zeigen, dass die Familie für die Tierchen ein Herz hat. "Hummeln, Bienen und Holzbienen sind bei uns zu Hause", sagt ihr Mann Harry.

Mit Ziegeln und Steinen sind gute Voraussetzungen für Eidechsen vorhanden. Das Besondere im Garten von Familie Dorsch ist, dass sie vieles was sie findet, Holz, versteinertes Holz, alte Gebrauchsgegenstände, in ihrem Garten integriert.

"Heidelbeersträucher haben wir in Bottiche gepflanzt, wegen der Wühlmäuse", erklärt die Gartenbesitzerin. Ihr Garten verändert sich ständig. "Dazu brauche ich keinen Architekten", sagt sie denn ihre Ideen sind der Maßstab aller Dinge.

Etwas aus der Reihe fällt das fast 2000 Quadratmeter große Gartengrundstück von Sabine und Gerhard Fürst in Ebern. Knapp 1500 Meter müssen sie von ihrer Wohnung aus fahren, um zu ihrem Garten bei "Lützelebern" zu kommen.

Dort befindet sich ihr Garten an einem leicht geneigtem Hang. Sabine Fürst erzählt, dass ihr Opa, als sie zehn Jahre alt war, das Grundstück kaufte. Im Jahr 1999 haben die 59-jährige Kinderpflegerin und ihr Mann das Grundstück übernommen.

Die groben Arbeiten erledigte und erledigt ihr Mann. Sie sei die Gärtnerin mit großer Leidenschaft. Sie blickt ihren Mann Gerhard an, lacht und sagt: "Er fragt mich manchmal, warum ich nicht gleich mein Bett in den Garten stelle."

Dass möchte sie doch nicht, auch wenn auf dem Gartengrundstück manchmal schon etwas länger gefeiert werde. Vor allem steht das Grundstück auch ihren Kindern und Enkeln zur Verfügung.

Da alles hanglastig ist, legten die Fürst`s einige Plateaus an, einen Gartenteich und eine Fläche wo es sich gut feiern lässt. Das Gartenhaus wurde aufgefrischt und zu einer "gemütlichen Bude" um- und ausgebaut.

Kein Strom im Garten

Vor zehn Jahren wurde auf dem Grundstück auch ein Nutzgarten angelegt, sagt Fürst. Hochbeete sind vorhanden, es wird selber Kompostiert. Gerhard Fürst hat ein Treibhaus gebaut. Auch um die eigene Nahrungskette zu komplettieren.

Strom gibt es nicht, den das Ehepaar aber nicht vermisst. Wenn es dunkel wird und Licht gebraucht wird genügen Lampions, aber auch ein Stromaggregat gibt es für alle Fälle.

Vier Apfelbäume sind vorhanden, ein uralter Kirschbaum und weitere Obstbäume. Molche, Frösche, Schlangen und Libellen tummeln sich am kleinen Naturteich. Dort haben sich die Fürst`s eine Sitzecke eingerichtet, um das Treiben am und im Wasser genießen zu können.

So sechs bis sieben Stunden bringt Sabine Fürst im Sommer täglich auf dem Gartengrundstück zu. "Einmal Rasenmähen bedeutet drei Stunden Arbeit", sagt Gerhard Fürst. Das Füttern von Vögeln im Winter sei jedes mal ein Schauspiel, sagt das Ehepaar. "Hier herrscht Ruhe und Frieden", sind sich Gerhard und Sabine einig.

Die Ruhe wird ab und zu vom Muhen der Kühe auf einem Grundstück oberhalb des Gartens der Fürsts unterbrochen. "Das stört uns nicht, das ist Natur auf dem Land", sagen sie.

Warum diese drei Gärten bei dem Wettbewerb ausgezeichnet wurden, zeigen die Bewertungskriterien von "Natur und Garten": Standortgerechte Pflanzenvielfalt, ökologisch orientierte Bewirtschaftung, kultureller Bezug zur Region mit standorttypischen Materialien, Verzicht auf chemisch-synthetische Dünger und Pflanzenschutzmittel, torffreies Gärtnern, Lebensraum und Nahrungsangebot für Insekten, Vögel und weitere Gartenbewohner, erkennbarer Gestaltungswillen und extensive Flächen, wie Wiesen und Streuobstgärten. Das alles war in den drei Gärten vorhanden.



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