Laden...
Ebern
Dispo-Kredite

Konto überzogen - was empfehlen die Banken?

Die Banken im Landkreis senken bzw. überprüfen aktuell ihre Sätze, wenn Kunden über ihrem Lebensstandard leben und damit ins Minus geraten. Unisono empfehlen die Bankenvertreter eine Umfinanzierung auf einen günstigeren Privatkredit. Keine Spur von "Raubrittern", wie manche meinten.
Artikel drucken Artikel einbetten
+1 Bild
"Die Bank hat's doch", meint Maria S. Mit dieser Überzeugung marschiert nicht nur sie in den Vorraum ihres Geldinstitutes, Doch das dürfte vielen schon passiert sein: Eine Unterhaltszahlung ging verspätet ein oder eine Versicherungsrate wurde übersehen bzw. die Kanalgebühren abgebucht. Das Girokonto überzogen.

Das bemerken zunächst nur die kühlen Rechner in der Hausbank, die die fälligen Überziehungszinsen draufschlagen. Peinlich wird's, wenn man den eingeräumten Überziehungsrahmen ausgereizt hat, vor dem Bankomaten steht und kein Geld mehr kommt (und ein Hintermann das mitbekommt, weil kein Geld mehr ausgespuckt wird). Die Verzweiflung steht Schuldnern schier ins Gesicht geschrieben.

Das passiert auch beim Blick auf die Quartalsabrechnungen auf den Kontoauszügen, da die Dispozinsen belastet wurden.
Bei einer deutschlandweiten Überprüfung durch die Stiftung Warentest trieb es den Kontrolleuren sogar die Zornesröte ins Gesicht - bei Zinssätzen bis zu 17,4 Prozent, die berechnet werden, obgleich sich die Banken derzeit das Geld zu Rekordmindestsätzen holen.

Die Banken reagieren

Doch es ist Bewegung in den Markt gekommen. So hat jüngst die Raiffeisen-Volksbank Ebern ihren Zinssatz deutlich auf 9,75 Prozent gesenkt. Einen noch günstigeren Satz weist die Raiffeisen-Volksbank Haßberge auf, der bei 8,75 Prozent liegt, wie Direktor Reinhold Nastvogel auf Anfrage mitteilte.

Bei der Flessabank wird in diesen Tagen das "Preistableau derzeit überarbeitet", ließ Prokurist Wolfgang Schreiber aus Ebern wissen. Mit einem Ergebnis rechnet er "in den nächsten 14 Tagen".Einen Zusammenhang mit den Erhebungen der Stiftung Warentest, die zu großen BILD-Schlagzeilen führten, weisen die Sprecher der heimischen Banken von sich.

Direktor Peter Schleich von der Sparkasse Ostunterfranken: "Wir überprüfen regelmäßig die Zinssätze und passen sie entsprechend der Marktgegebenheiten an." Und so fragt er gleich einmal nach dem Dispo-Satz der Sparkasse in Bamberg an, der bei 11,6 Prozent liegt.

Christian Senff von der Raiffeisen-Volksbank Ebern unterstreicht den eigenen Antrieb: "Wir haben unaufgefordert unsere Zinsen deutlich gesenkt, damit unsere Mitglieder und Kunden an dem gesunkenen Zinsniveau teilhaben. Wir wollen dem Verbraucher ein transparenter und fairer Partner sein. Obwohl wir die Bereitstellung von Bargeld gerade in der großen Fläche unseres Geschäftsgebietes gewährleisten, tragen die gestiegenen Kosten hierfür nicht die Direktbanken, sondern ausschließlich die ortsansässigen Genossenschaftsbanken und Sparkassen", versetzt sich Senff auch in die Rolle seiner Kollegen und Wettbewerber. Christian Nastvogel von der Raiffeisen-Volksbank Haßberge analysiert mit Blick auf den Überziehungszins,, dass "wir unsere Struktur schon vor Monaten überprüft haben und die Konditionen weitergegeben haben" .

Einig sind sich die Bank-Chefs in einem Punkt: Das Zinsniveau der Girokonten ist mit Sicherheit nicht der ausschlaggebende Faktor für die Leistungsfähigkeit und das Angebot eines Geldinstitutes.
Christian Senff: "Das ist bei unserer Bilanzsumme nur ein geringer Prozentsatz." Auch nähmen Raiba-Kunden ihren zugesagten Kreditrahmen durchschnittlich nur zu 6,5 Prozent in Anspruch. "Dies liegt daran", erläutert er, "dass wir unsere Mitglieder und Kunden bei höherer Beanspruchung regelmäßig ansprechen und Ihnen mit unserem Sofortkredit zu deutlich günstigeren Konditionen - je nach Laufzeit drei bis sechs Prozent - Alternativen anbieten."

Seltene Fälle

Auch Flessa-Kollege Schreiber aus der Nachbarschaft weiß, dass das Girokonten nur sporadisch überzogen werden. "Meist nur für ein, zwei Tage."

Außerdem handele es sich beim genannten Zinssatz nur um einen Maximalbetrag. "Individualvereinbarungen sind da schon noch möglich." Auch bei der Flessabank biete man in der Regel Privatkredite zur Umfinanzierung an.

Laut Reinhold Nastvogel von der RVB-Haßberge machen die Dispo-Erlöse "rund ein Prozent des gesamten Kreditgeschäftes aus". Nicht anders handeln die Berater der Sparkasse Ostunterfranken, wie Direktor Peter Schleich erklärt: "Die Diskussion geht meiner Meinung nach auch in der Politik in die falsche Richtung. Klar muss für Lohn- und Gehaltskonten ein bestimmter Zinssatz verlangt werden, da es sich um kurzfristig bereit gestelltes Geld handelt. Flexibilität hat ihren Preise."

Aber wichtiger seien doch langfristige Finanzierungen, wie Hausbau, Modernisierung oder privater Konsum.
"Da liegen wir mit unseren Zinssätzen deutlich drunter - da sind bis unter vier Prozent möglich", so Schleich.
1000 Euro rauf oder runter machen sich bei entsprechender Bonität bzw. Einkommen auf einem Gehaltskonto kaum bemerkbar.

Und bei einem ständigen Plus auf dem Konto schon gar nicht. Aber ein Girokonto sei nicht ausgelegt, auf Dauer überreizt zu werden - dann sind, so Schleich, die "privaten Verbrauchergeschichten viel besser, wir wollen unseren Kunden doch nicht in die Verschuldungen drängen".

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren