Maroldsweisach
Meinungsaustausch

Kohnen fordert funktionierenden ÖPNV auch im nördlichen Landkreis Haßberge

SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen traf in Maroldsweisach Susanne Kastner und mehr als 100 Bürger. Kastner erhielt dabei die Willy-Brandt-Medaille.
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"Kohnen Plus" heißt die Reihe, in der SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen (links) bayernweit mit regionalen Größen ins Gespräch kommt, wie hier in Maroldsweisach mit Susanne Kastner.Christian Licha
"Kohnen Plus" heißt die Reihe, in der SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen (links) bayernweit mit regionalen Größen ins Gespräch kommt, wie hier in Maroldsweisach mit Susanne Kastner.Christian Licha
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Im Rahmen der Reihe "Kohnen Plus", in der die 50-jährige SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen in ganz Bayern regionale Größen zum Meinungsaustausch bittet, war die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Susanne Kastner, am Donnerstagabend ihre Gesprächspartnerin im Saal der Brauerei-Gaststätte Hartleb in Maroldsweisach. René von Eckert, der als Kandidat für den Stimmkreis Rhön-Haßberge der Gastgeber des Abends war, freute sich auch darüber, die Bundestagsabgeordnete Sabine Dittmar, die Landtagsabgeordnete Kathi Petersen, den Bezirksrat Bernhard Ruß sowie den SPD-Kreisvorsitzenden Wolfgang Brühl begrüßen zu können.

Schlüsselmomente für Eintritt in SPD

Während des rund 45-minütigen Gespräches zwischen Kohnen und Kastner erfuhren die mehr als 100 Zuschauer viel über den Werdegang der beiden Sozialdemokratinnen. Als Schlüsselmoment für ihren Eintritt in die SPD nannte Kastner ein persönliches Gespräch mit einer alten Frau, die trotz harter Arbeit nur eine minimale Rente bekam. Für die jetzige Landesvorsitzende Kohnen waren es seinerzeit die Demonstrationen in Wackersdorf, bei denen sie erleben musste, wie mit Gewalt gegen die Protestler vorgegangen wurde. Diese Augenblicke waren für die beiden selbstbewussten Frauen ausschlaggebend dafür, in die Politik einzusteigen, um etwas verändern zu wollen. Für beide hatte dann die Politkarriere jeweils im Gemeinderat begonnen, ehe Kastner 1989 als Nachrückerin in den Bundestag einziehen durfte beziehungsweise Kohnen 2008 in den Bayerischen Landtag gewählt wurde.

Einig waren sich die beiden Gesprächspartnerinnen darin, dass man die Vorkommnisse in Chemnitz nicht akzeptieren könne. "Wir müssen laut werden und Weiteres verhindern", forderte Kohnen, "damit die Grundrechte der Demokratie, insbesondere die Presse- und Meinungsfreiheit, gewahrt bleiben." Außerdem wurde auch für Bayern die Kostenfreiheit für Kitaplätze gefordert, damit nicht weiterhin Kinder ausgegrenzt werden.

"Mitfahrerbänke grotesk"

"In dieser Form habe ich es in ganz Bayern noch nicht gehört, dass es keinen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gibt", war die Reaktion Kohnens, als sie erfuhr, dass es insbesondere im nördlichen Landkreis Haßberge außer den Schulbussen so gut wie keine annehmbaren Busverbindungen gebe. Es müsse flächendeckend einen funktionierenden ÖPNV im Stundentakt geben, damit der Umstieg vom privaten Pkw auf die öffentlichen Verkehrsmittel gelinge.

Dass es stattdessen in manchen Orten "Mitfahrerbänke" gibt, auf denen die Bürger warten können, bis sie jemand mit dem Auto mitnimmt, empfand Kohnen als grotesk und sagte: "Das ist noch ein Grund mehr, am 14. Oktober SPD zu wählen."

Der bayerischen Staatsregierung warf die SPD-Politikerin vor, überhaupt keine Landesplanung zu betreiben. Aus ihrer Sicht sei es längst überfällig, einen kostenfreien ÖPNV für junge Leute einzuführen, die eine weite Strecke zu ihrem Ausbildungsplatz zurücklegen müssen.

In der anschließenden fast einstündigen Fragerunde kamen aus dem Publikum unter anderem die Forderungen, nicht einheitliche Feiertage wie Maria Himmelfahrt für alle gleich zu gestalten und den ländlichen Raum zu stärken. Auf eine Frage, warum die SPD in der Vergangenheit soviel an Stimmen verloren habe, räumte Kohnen ein, dass schon damals mit der Hartz-IV-Reform viel Vertrauen der Wähler verloren gegangen sei. Um wieder erfolgreich zu sein, brauche es "eine klare Haltung aus unseren Werten heraus, die fühlbar für die Menschen ist und sich auch wieder um die alltäglichen Dinge kümmert".

Höchste Auszeichnung für Susanne Kastner

Eine große Überraschung gab es für Susanne Kastner. Sehr erstaunt blickte die 71-Jährige in die Runde, als alle anwesenden Politikgrößen die Bühne betraten. René van Eckert stellte in einer Laudatio die großen Verdienste der Politikerin für die SPD und das deutsche Volk heraus. "Trotz ihrer hohen Ämter verlor Susanne nie die Bodenhaftung und den Kontakt zur Basis", hob der Landtagskandidat hervor. Um die Anerkennung ihrer Verdienste hervorzuheben, erhielt Kastner die höchste Auszeichnung, die die SPD an ihre Mitglieder vergibt: Zusammen mit einer Urkunde überreichte Natascha Kohnen die Willy-Brandt-Medaille an die sichtlich gerührte Maroldsweisacherin, die sich auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag noch heute sehr in "ihrer" SPD engagiert.

"Ich habe mit allem gerechnet, nur nicht mit dieser Medaille", bedankte sich Kastner, nachdem die Zuschauer mit minutenlangem Applaus ebenfalls ihre Verdienste würdigten. "Alleine kann man das überhaupt nicht schaffen, sondern nur in der sozialdemokratischen Gemeinschaft", hob die ehemalige Bundestagsvizepräsidentin hervor und stelle klar: "Wir machen in den nächsten sieben Wochen einen Wahlkampf, um die Menschen von unseren Ideen zu überzeugen."



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