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Entwicklungshilfe

Königsberger Familie engagiert sich in Afrika: So erhalten Waisenkinder eine Chance auf Bildung

Ein Besuch in Tansania veränderte für Jacqueline Sommer und ihre Familie vieles. Seit knapp einem Jahr engagieren sich die Sommers mit einer eigenen Stiftung für afrikanische Kinder und ermöglichen ihnen einen Schulbesuch.
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Jacqueline Sommer ist Zahnärztin. Sie bringt den Kindern bei ihren Besuchen in Kahe (Tansania) daher auch das Zähneputzen bei. Arod war eines der ersten Patenkinder, die die "Nafasi"-Stiftung unter ihre Fittiche nahm. Fotos:"Nafasi"-Stiftung
Jacqueline Sommer ist Zahnärztin. Sie bringt den Kindern bei ihren Besuchen in Kahe (Tansania) daher auch das Zähneputzen bei. Arod war eines der ersten Patenkinder, die die "Nafasi"-Stiftung unter ihre Fittiche nahm. Fotos:"Nafasi"-Stiftung
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Jacqueline Sommer sitzt an ihrem Wohnzimmertisch. Vor sich hat sie ein Laptop. Sie scrollt durch einen Bilderordner. Zu sehen sind einfache Lehmhütten, buckelige unbefestigte Straßen, ein Markt, auf dem sich zahlreiche Menschen in bunten Gewändern tummeln, und afrikanische Kinder, die dem Betrachter durch die Kamera oft einen neugierigen Blick entgegenwerfen. Entstanden sind die Bilder in Tansania. Seit knapp einem Jahr engagieren sich Sommer und ihre Familie dort mit einer eigenen Stiftung.

"Das ist eines unserer Patenkinder", sagt Sommer. Sie deutet auf ein Albino-Mädchen. "Nagma wurde aus Sicherheitsgründen nicht in die Schule geschickt." Denn Albinos werden in Afrika aufgrund eines Aberglaubens zum Teil verfolgt und sogar ermordet. Jetzt besucht Nagma zusammen mit 150 anderen afrikanischen Kindern eine Schule. Sie und 14 ihrer Mitschüler sind Patenkinder in der Stiftung der Sommers. "Nafasi" lautet deren Name, was auf Kiswahili Chance heißt.

Mehr zum Thema: Tansania: Keine Kindheit für Albinos

Das Engagement von "Nafasi" konzentriert sich auf das Dorf Kahe, am Fuße des Kilimandscharo. Im Sommer 2018 reiste Jacqueline Sommer zum ersten Mal mit ihrer Familie dorthin. Sohn Niklas war zuvor schon mehrfach in der Region, erstmals bei einem Projektseminar als Gymnasiast. Ebenso wie Tochter Emilia. "Die Kinder sind sehr, sehr verändert zurückgekommen", erinnert sich Sommer. Auch sie hat die Reise nach Tansania "tief beeindruckt".

In und um Kahe trafen die Sommers auf viele Waisenkinder, deren Eltern etwa an HIV gestorben sind. "Die Dorfgemeinschaft nimmt die Kinder auf, aber das sind auch arme Menschen", erzählt Jacqueline Sommer. Es sind vor allem Einzelschicksale, die sie am meisten bewegt haben. Sommer erzählt von einem hautkranken Jungen, der alleine mit seiner Großmutter lebte. "Sie waren froh, wenn sie an vier, fünf Tagen die Woche etwas zu essen hatten."

Auf die fremde Kultur angesprochen, sagt Sommer: "Die Menschen in Tansania sind unheimlich freundlich." Das Land sei politisch relativ stabil. Vor allem in puncto Gesundheit müsse man aber etwas aufpassen. So sei etwa sauberes Trinkwasser dort "keine Selbstverständlichkeit".

Weite Wege, schlechte Straßen

Kahe selbst ist ein Flächendorf, wie Sommer berichtet. "Da stehen zum Beispiel auch in einer Stunde Entfernung noch Hütten, die zum Dorf gehören. Das Ganze ist sehr verstreut und die Infrastruktur schlecht. Es gibt kaum feste Straßen. Während der Regenzeit sind viele Ecken gar nicht erreichbar." Aufgrund der fehlenden Infrastruktur und der großen Entfernungen müssen viele Kinder lange Strecken in Kauf nehmen.

"Es ist keine Seltenheit, dass Kinder zwei, drei Stunden zur Schule unterwegs sind", berichtet Sommer. Vor allem auch zu weiterführenden Einrichtungen seien weite Wege zurückzulegen. In Tansania besteht Schulpflicht. Allerdings brauchen Kinder für den Besuch einer Schule eine Schuluniform, wie Sommer erklärt. Wer sich die nicht leisten kann, ist außen vor. "Das ist ein Teufelskreis."

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Sommers ermöglichen mit der "Nafasi"-Stiftung Kindern einen Schulbesuch. Dafür arbeiten sie mit der NGO "Kilimanjaro Children Empowering Foundation" zusammen. Eine englischsprachige Privatschule, in der die Kinder wie in einem Internat untergebracht sind, wird für sie zum Zufluchtsort.

"Eine Hauptidee von ,Nafasi‘ ist es, den Kindern nach der Schule noch eine Art Ausbildung zu ermöglichen", berichtet Sommer. Das ganze Engagement solle möglichst nachhaltig sein und Hilfe zur Selbsthilfe bieten.

Mit rund 50 Euro pro Monat sind die Kosten für ein Schulkind gedeckt. Darunter fallen einmalige Anschaffungen wie Matratze und Moskito-Netz; Kleidung und Schulutensilien sowie "banale Dinge" wie Seife oder Zahnpasta, erklärt Sommer. Auch eine Trinkwasserleitung wurde inzwischen an die Schule gelegt. Mithilfe einer Großspende konnte vor kurzem ein Wohngebäude für die Jungen errichtet werden.

Sommer berichtet von vielen positiven Reaktionen, die seit Gründung der Stiftung im Dezember 2018 von Freunden und Bekannten kamen. Viele hätten spontan ihre Hilfe angeboten. Auch von Kunden der Königsberger Zahnarztpraxis, für die Sommer arbeitet, seien viele Nachfragen gekommen. "Die Resonanz freut uns natürlich sehr", sagt Sommer.

Besuch der Paten vor Ort

Mit Briefen und Bildern können sich Paten und Schulkinder kennenlernen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, die Kinder vor Ort zu besuchen. "Im Dezember fliegen die ersten Pateneltern nach Tansania", erzählt Sommer. Ziel des Engagements sei es auch, einen interkulturellen Austausch zu schaffen.

Der Aufbau von "Nafasi" war mit viel Arbeit verbunden. Auch jetzt ist die Stiftung "eigentlich immer präsent", sagt Sommer. Aber: "Man kriegt ja was zurück und lernt ganz viel." Etwa, dass die Menschen dort trotz Armut freundlich und fröhlich sind. "Sie improvisieren auch wahnsinnig viel, weil sie gar keine andere Chance haben." Die Erfahrung mache "demütig, vor dem, was wir haben."

So können Sie helfen

Wer Familie Sommer bei ihrem Engagement in Tansania unterstützen möchte, kann dies unter dem Spendenkonto DE85 7935 0101 0021 6918 45 bei der Sparkasse Schweinfurt-Haßberge tun. Willkommen sind Einmalspenden ebenso wie die Übernahme einer Patenschaft. Weitere Informationen gibt es unter: www.nafasi.org

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