Ebern
Prozess

Kind schluckt Rauschgift und stirbt beinahe: Vater hat Drogenlabor in Oberfranken

Das Landgericht in Bamberg verhandelt gegen einen 29-Jährigen, der im Raum Ebern seinen Sohn leichtfertig einer großen Gefahr aussetzte.
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So sieht die Droge Crystal Meth aus, die einem Kleinkind im Raum Ebern beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa
So sieht die Droge Crystal Meth aus, die einem Kleinkind im Raum Ebern beinahe zum Verhängnis geworden wäre. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Der Leichtsinn seines drogenabhängigen Vaters hat einen eineinhalbjährigen Jungen im September vergangenen Jahres fast das Leben gekostet. In einem unbeaufsichtigten Augenblick nahm das Kleinkind ein Tütchen mit fünf Gramm der Droge Metamphetamin, auch bekannt als Crystal Meth, das auf dem Wohnzimmertisch herumlag, wohl in den Mund und kaute darauf herum.

Drogentüte platzt: Kind schluckt Rauschgift

Dabei platzte die Plastiktüte auf und ein Teil des Rauschgifts gelangte in den Mund des Kindes, das einen kleinen Teil des Pulvers - etwa 0,2 Gramm - verschluckte. Als der Vater wenig später das aufgerissene Tütchen erblickte, versuchte er nach eigener Aussage zunächst den Mund seines Sohnes mit Wasser auszuspülen. Er gab ihm eine Milchschnitte und Limonade. Erst eine Stunde später fuhr er zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Mutter des Kindes in die Klinik in Ebern, wo er gegenüber den behandelnden Ärzten wahrheitswidrig angab, das Kind habe Spülmittel zu sich genommen. Erst infolge der ärztlichen Untersuchung soll der Angeklagte, nach Aufkommen eines entsprechenden Verdachts, weitere 15 Minuten später eine mögliche Aufnahme des Rauschgifts durch das Kind eingeräumt haben.

Während der Fahrt mit dem Notarztwagen in die Kinderklinik Coburg erlitt das Kind einen Krampfanfall, wodurch eine Sedierung (Ruhigstellung durch Medikamente) notwendig wurde.

Drogenlabor im Keller: Beißender Geruch steigt Ermittlern in die Nase

Dem Kind geht es mittlerweile wieder gut. Es lebt bei seiner leiblichen Mutter. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung im Raum Ebern am 6. Dezember vergangenen Jahres hoben Beamte der Kriminalpolizei Schweinfurt zusammen mit Spezialisten des Landeskriminalamts aus München ein Drogenlabor im Keller des Wohnhauses des 29-Jährigen aus. Neben 3000 Euro in bar und einer Waffe, die die Ermittler in der Wohnung fanden, entdeckten sie im Keller verschiedene Chemikalien und Gegenstände zur Herstellung von Drogen. Beim Öffnen der Kellertür stieg den Kripobeamten beißender Geruch in die Nase, weshalb sie den Chemikern des Landeskriminalamtes aus Eigenschutz den Vortritt ließen, die das Labor abbauten und in München auswerteten.

Seit Donnerstag muss sich der 29-Jährige am Landgericht Bamberg unter anderem wegen bewaffneten Handeltreibens mit Rauschgift sowie fahrlässiger Körperverletzung an seinem Sohn verantworten. Auf der Anklagebank schob er den Vorfall mit seinem Sohn einem Kunden in die Schuhe, der an diesem Tag bei ihm Drogen kaufen wollte. Der Kunde habe auf das Kind aufpassen sollen, sei aber allein auf die Toilette gegangen. In dieser Zeit habe der Sohn das Rauschgift geschluckt.

Dieser Version widersprach der mutmaßliche Rauschgiftkunde im Zeugenstand und schob wiederum dem Angeklagten den "schwarzen Peter" zu. Der habe nicht auf sein Kind aufgepasst und habe ihn gebeten, die Schuld auf sich zu nehmen, da er selbst unter laufender Bewährung stehe.

Denn ein Neuling in der Szene ist der Angeklagte nicht. Er saß bereits fünf Jahre hinter Gittern wegen seiner Rauschgiftgeschäfte. In seiner oberfränkischen Heimat ist er als dicker Fisch in der Szene bekannt. Zum ersten Mal nahm er als 14-Jähriger Drogen. Nach Auskunft eines Beamten der Kriminalpolizei flüchtete er bei der Hausdurchsuchung im Dezember mit seinem Laptop durch die Hintertür und lief dabei den Beamten in die Hände.

Nächtlicher Besuch: Unbeschrifteter Lieferwagen bringt Pakete

Laut einem Nachbarn sei öfter nachts um drei Uhr ein unbeschrifteter Lieferwagen vorgefahren und Pakete seien ausgeladen worden. Bei der Auswertung des Laptops des Angeklagten fanden die Ermittler über 200 000 "relevante Datensätze", unter anderem Anleitungen zur Herstellung von Drogen. Die Überprüfung der Bankkonten des Angeklagten ergab, dass er 30 000 Euro Bargeld an verschiedenen Bankautomaten eingezahlt habe - wohl Drogengeld, so ein Beamter im Zeugenstand.

Insgesamt legt die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten die Herstellung von mindestens 26,4 Gramm Crystal Meth im Zeitraum September bis Dezember 2018 zur Last. Diese Menge erscheint niedrig. Die Herstellung ist jedoch mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden. So habe er für die Herstellung von etwa 2,5 Gramm der Droge rund 20 Stunden gebraucht, sagte der Angeklagte, was ihm ein Experte des Landeskriminalamts München bestätigte. Die Hauptverhandlung wird am 24. Oktober fortgesetzt. Dann wird auch ein Urteil erwartet.

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