Haßfurt
Strafprozess

Kleiner "Ausrutscher" - große Folgen für Lkw Fahrer

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 28 Jahre alten Lastwagenlenker wegen Fahrerflucht zu einer empfindlichen Geldstrafe.
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Als der Berufskraftfahrer mit seinem Lastwagen den Parkplatz verlassen und wieder auf die A 70 einscheren wollte, kam ihm von der Fahrbahnseite ein Pkw so nahe, dass der Brummifahrer scharf nach rechts ausweichen musste, um einen Unfall zu verhindern. Dabei streifte er die Leitplanke der Autobahn. Aber anstatt anzuhalten und sofort die Polizei zu verständigen, fuhr er gleich weiter und rief erst nach einer knappen Stunde bei der Polizeidienststelle an. Dieses Verhalten werten die Juristen als unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, auf gut Deutsch: Fahrerflucht. Der Fehltritt kostet einen 28-Jährigen 3000 Euro Geldstrafe und drei Monate Fahrverbot.

Das noch nicht rechtskräftige Urteil des Amtsgerichts Haßfurt erfolgte aufgrund eines Einspruchs gegen einen Strafbefehl. Laut diesem Schriftsatz hätte der Unglücksfahrer 120 Tagessätze á 40 Euro, also 4800 Euro, bezahlen sowie für drei Monate auf seinen Führerschein verzichten sollen. Der Beschuldigte legte Widerspruch ein, so dass es zur Verhandlung in Haßfurt kam.

Die Straftat selber vom 27. Juli dieses Jahres wurde von dem im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld wohnenden Angeklagten nicht bestritten. Aber gegen die Höhe des Tagessatzes legte er erfolgreich Einspruch ein, denn sie wurde auf nunmehr 25 Euro festgesetzt.

In der Verhandlung erzählte der Mann, dass damals sein Handy gesperrt gewesen sei und er deshalb nicht sofort angerufen habe. Vielmehr fuhr er weiter zu seinem Arbeitgeber, was eine knappe halbe Stunde dauerte. Von der Firma aus erfolgte dann der Anruf bei der Polizei. Im Gerichtssaal wurde ausführlich dargestellt, wie er sich hätte verhalten müssen.

Der Staatsanwalt wies darauf hin, dass man auch von einem gesperrten Mobiltelefon aus einen Notruf absetzen kann. Weiter wäre es möglich gewesen, dass der Betroffene angehalten und zur nächsten Notrufsäule gelaufen wäre. Diese sind an allen Autobahnen in regelmäßigen Abständen installiert. Zumindest, so Amtsrichterin Ilona Conver, hätte er, wie im Gesetz gefordert, eine "angemessene Zeit" warten müssen. In diesem Fall wäre dies "mindestens eine Stunde" gewesen.

Dass in dem Strafbefehl der Staatsanwalt mit 120 Tagessätzen recht hoch gegriffen hatte, erklärt sich mit Blick auf das Vorstrafenregister. Demzufolge hatte die Justiz den Kraftfahrer schon zweimal am Wickel. Beide Male ging es um Fahrerflucht. Auf diese Tatsache hinweisend, hielt der Staatsanwalt dem Beschuldigten vor: "Sie wissen ja selber am besten, wie man sich in einer solchen Situation verhalten muss!"

Die Richterin reduzierte die Höhe des Tagessatzes insbesondere, weil der ledige Angeschuldigte glaubhaft schilderte, dass er durch die Verurteilung seinen Arbeitsplatz verlieren wird. Damit die dreimonatige Frist für sein Fahrverbot möglichst schnell anläuft, muss er so bald wie möglich seinen Führersein abgeben. Für die von ihm nachgefragte Ratenzahlung ist die Staatsanwaltschaft zuständig, die in dieser Frage meistens mit sich reden lässt.

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