Ebelsbach
Konzert

Klangwelten von Posaunen und Orgel

Die Kulturgemeinde Ebelsbach-Eltmann fand großen Zuspruch mit ihren holländischen Gästen. Viele Besucher hörten sich in der Magdalenenkirche Klassisches an. Doch die Instrumente und Bläser wiesen auch in eine moderne Richtung. So endete das Jahr niveauvoll.
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Vier ausgezeichnete Posaunisten, ein Orgelprospekt mit vielfältigen klanglichen und spieltechnischen Eigenschaften und einem exzellenten Organisten, aber auch die gute Akustik des großen Kirchenraums sorgten für ein tolles Klangerlebnis in der Magdalenenkirche. Orgel und Posaune unterstrichen die "Farbe des Klangs" beim Jahresabschlusskonzert der Kulturgemeinde Ebelsbach-Eltmann in Ebelsbach.
Sigbert Mantel freute sich, dass so viele Besucher das Jahr mit dem Konzert beenden wollten. Die Kulturgemeinde könne nun zum vierten Mal hochkarätige Musiker präsentieren.
Der musikalische Leiter des "Consortium Musicum" aus Holland, Harry Ries, meinte über die vielen Zuhörer, sie seien für Künstler das tägliche Brot. Den Titel des Konzertes "Farbe des Klangs" bezog er über das Musikalische hinaus auf das zu Ende gehende Jahr. Ein schönes Jahr gewesen sei, auch mit der Aufnahme von Flüchtlingen.
Nachdenklich sei man im Blick auf die Katastrophen, führte Ries aus und meinte, nur zusammen könne man die Probleme lösen.
Zum Auftakt erinnerte er an die Weltgeschichte vor 2000 Jahren. Man sei bewusst in der Kirche. Der Glaube, dass es nur einen Gott spiegelte sich wider in der Komposition von Josquin Desprez aus der Zeit um 1450 mit dem Titel "Vive le Roy". Eine Art Auftaktfanfare und aus einer Herrschermesse entnommen. Von der Empore aus ließen die vier Posaunisten die Kraft ihrer Instrumente in den Kirchenraum dringen.
Einen wahren Kontrast bot das alte Kirchenlied "Wachet auf ruft uns die Stimme" von Johann Sebastian Bach. Orgel und Bassposaune intonierten auf der Empore eine tragende Grundmelodik, die übrigen drei Posaunen legten, mitten unter den Zuhörern, immer wieder die Melodie darüber. Dem folgte dann das "Gloria Deo" von Lightfoot, das die Künstler in einer jazzigen Fassung zum Besten gaben; so traten sie auch zum ersten Male als Sänger in Erscheinung.
Bei "Otra Batalla de Sexto Tono" von Ximenes kann es zu tollen "Zwiegesprächen" zwischen Orgel und Posaunen. Die Orgel ließ den Posaunen ihren Platz als Melodieinstrumente und blieb angenehm weich und zurückhaltend dahinter. Tjeu Zeijen, Organist an der Kirche in Gelen (Holland), gab einen guten Einblick in die spieltechnischen Eigenschaften, wobei ein Helfer sogar Register ziehen musste. So kam es zu Klangvariationen, und in einem Nachspiel oder wie in einem Echo spielten dann auch die Posaunen die Melodie nach. Die Bläser nutzten für ihre Posaunen auch Schalldämpfer.
Vielen ins Ohr ging sofort die Melodie "o Welt, ich muss dich lassen", bekannt aus dem evangelischen Gesangbuch. Harry Ries lenkte den Blick auf die Flüchtlinge, von denen zahlreiche dem Konzert beiwohnten. Sicherlich könne man verstehen, was es bedeute, wenn man die Heimat verlassen müsse und dabei tiefen Schmerz empfinde. Orgel, Posaune und Sänger zeigten sich in einem schönen Wechselspiel.
In eine völlig andere Welt entführten die Musiker mit dem Stück "Tokyo Triptyck" - nach Japan. Jeder der drei Sätze beschreibt einen Stadtteil der Metropole Tokio: Bahnhofsviertel, Tempelbezirk, Einkaufsviertel mit buntem Nachtleben.
Das "Ave Maria" der Posaunen unterschied sich doch etwas von anderen bekannten Arrangements, zumal es von dem flämischen Komponisten Arcadelt vom Anfang des 16. Jahrhunderts stammte. Mit ihm wurde er bekannt, er galt als Meister des italienischen Madrigals und wurde schließlich Kapellmeister der Sixtinischen Kapelle. Dem schlossen sich "Adoremus to Domine" und ein Weihnachtsmedley mit "stille Nacht" und "in dulci jubilo" an.
Richtig Farbe in die Klangwelt brachten die Künstler mit "Tshotsholoza", einem populären südafrikanischen Lied, das von den Ndebele-Bergarbeitern aus dem damaligen Rhodesiern gesungen wurde. Auch bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika 2010 war es zu Gehör gekommen. Übersetzt heißt das Lied so viel wie "mutig nach vorne schauen", und das wollten die holländischen Künstler ihrem Publikum zum neuen Jahr wünschen. Mit Gesang, Posaunen und Trommel versetzten sie die Zuhörer quasi in den afrikanischen Busch. Spontan brandete großer Applaus auf.
Harry Ries gestand ein, dass man heuer zum ersten Mal vereinzelt auf den Gesang übergegangen sei. Früher sei dies durchaus bei Instrumentalisten üblich gewesen. "Wir haben es versucht, und ich glaube es ist ganz gut gelungen."
Die Vielfalt des Klanges spürten die Zuhörer im "Semper Fidelis" von John Philip Sousa, einem Komponisten und Marschmusiker der neueren Zeit. "Semper fidelis" (für immer treu) sei auch das Motto der Schweizer Grenadiere gewesen, und das Stück gehört heute zum Standardrepertoire von Blaskapellen. Die Marschmusik von Posaune und Orgel setzte einen kompakten Schlusspunkt. Das Ensemble bekam lang anhaltenden Beifall und große Anerkennung.

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