LKR Haßberge
Betreuung

Kein Tierheim im Landkreis - wohin mit den Tieren?

Im Landkreis gibt es kein Tierheim. Gemeinden und Städte sind mit der Betreuung der Fundtiere überfordert. Auch die Tierschutzinitiative ist übervoll. Ein neues Tierheim für den Landkreis ist nicht in Sicht.
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Das Tierheim in Haßfurt in früheren Tagen. Das Gelände kann nicht mehr genutzt werden. Im Landkreis Haßberge werden Örtlichkeiten für ein neues Tierheim dringend gesucht. Foto: Archiv
Das Tierheim in Haßfurt in früheren Tagen. Das Gelände kann nicht mehr genutzt werden. Im Landkreis Haßberge werden Örtlichkeiten für ein neues Tierheim dringend gesucht. Foto: Archiv
"Es ist traurig, dass es hier kein Tierheim gibt", sagt Simone Schöpplein. Sie arbeitet bei der Stadt Eltmann und hat oft mit Tieren zu tun, die herrenlos irgendwo auftauchen. Erst vor einer Woche musste sich die Stadt um einen Dackel kümmern, den ein Bauhofarbeiter gefunden hatte, erzählt sie. "Mit Hunden, Katzen oder Meerschweinchen kommen wir ja noch klar, aber was passiert, wenn da mal eine spezielle Gattung oder ein Exot dabei ist?"

Bisher hat das Tierheim in Bamberg den Eltmannern bei Fundtieren ausgeholfen. "Für jedes Tier, das dort abgegeben wird, gibt es eine Rechnung. Die muss die Gemeinde zahlen, aus der das Tier kommt." Gerade jetzt zur Urlaubszeit ist aber auch da viel los. "Wir haben hier die größten Probleme, weil wir kein Tierheim haben." Andere Gemeinden seien noch schlimmer dran: "Bei uns hält es sich ja noch in Grenzen. Aber ein Tierheim fehlt.
Es brennt auf den Nägeln." Eine Auffangstation würde sogar schon reichen, meint Simone Schöpplein. "Zumindest für die pflegerische Versorgung auf die Schnelle. Es kann ja nicht jede Gemeinde einen Pfleger einstellen." Die Tierschutzinitiative oder Privatleute, die auch einspringen und sich um Tiere kümmern haben auch "nur begrenzte Kapazitäten".

Und die sind bei der Tierschutzinitiative Haßberge in Oberschwappach längst erreicht. Allein zwölf Katzenwelpen, 13 Katzen, die nicht mehr vermittelbar sind, und zwei Aufzuchtskatzenwelpen leben bei Britta Merkel in Oberschwappach. Sie engagiert sich seit 20 Jahren für den Tierschutz. Ihr Privathaus hat sie unfunktioniert, um dort Tiere aufzunehmen. "Wir wollen nicht mehr betreuen, als wir können", sagt sie. "Wir können keine 50 Katzen aufnehmen."


Niemand weiß, wohin
Dass es kein Tierheim gibt, findet sie nicht zumutbar. "Niemand weiß, wohin mit den Fundtieren. Es ist nicht spaßig, was hier los ist, und es ist nicht fair den Tieren gegenüber." Sie sei geschockt, wenn sie hört: "Warum schläfert ihr die Tiere nicht einfach ein?"

"Wenn das so weiter geht endet das in einer Katastrophe", sagt Britta Merkel ernst. Ein Tierheim werde dringend gebraucht. Dafür seien die Gemeinden zuständig. "Die sagen, wir brauchen ein Tierheim, aber bitte nicht bei uns." Die Leute fürchten Lärm. "Die Bürgermeister müssen mitziehen."

Dass das nicht immer funktioniert, spürt Stefanie Trum: "Die Bürgermeister sehen die Problematik nicht. Das Problem wird im Landkreis Haßberge unter den Tisch gekehrt." Die 29-Jährige aus Wülflingen kümmert sich eigentlich um Tierbestattungen. "Die Leute sind schon sehr verzweifelt mit den Fundtieren, sie fragen sogar bei mir, bei der Tierbestattung nach, ob sie die Tiere hier abgeben können."

"Der Landkreis denkt, das erledigt sich von selbst." Stefanie Trum glaubt das nicht. "Daraus könnte sogar eine Plage werden. Katzen werfen zwei Mal im Jahr." Den Leuten fehle eine Anlaufstelle, um sich zu informieren oder für eine Urlaubsbetreuung der Tiere. "Ich kann nicht verstehen, warum nichts vorwärts geht. Ich kann nicht nachvollziehen, warum es so lange dauert und warum nicht geregelt ist, wo die Fundtiere hin sollen."

Das Landratsamt Haßberge teilt mit, dass man sich weiterhin bemüht, etwas Passendes zu finden. "Die Gespräche laufen. Momentan werden mehrere Objekte geprüft, ob sie für ein Tierheim geeignet sind", sagt Pressesprecherin Monika Göhr auf unsere Anfrage.
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