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Tierischer Nachwuchs

Süßes Kamelbaby in Unterfranken geboren: Doch die Einnahmen für Futter bleiben wegen der Corona-Krise aus

Durch die Coronakrise bleiben Buchungen aus und so auch die notwendigen Einnahmen für das Futter. Auf dem Hof der Familie Lettner in Goßmannsdorf gibt es trotzdem einen Grund zum Schmunzeln.
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Kamelfohlen Antonio mit Mutter Makani zwei Tage nach der Geburt Foto: Stefan Lettner
Kamelfohlen Antonio mit Mutter Makani zwei Tage nach der Geburt Foto: Stefan Lettner

Als Stefan Lettner in der Früh bei frostigen minus fünf Grad in den Stall ging, lag er plötzlich im Stroh: der kleine Antonio. Das Kamelfohlen war noch ganz schwach und nass. Schnell eilte Stefan Lettner ins Haus, sagte seiner Familie Bescheid und holte Handtücher, um das Kamelbaby abzutrocknen.

"Das war ganz spannend", sagt Lettner rückblickend. Eine Woche ist es nun her, dass Antonio die Welt erblickte. Lange hat die Familie aus Goßmannsdorf auf diesen Augenblick gewartet. "Bei Kamelstuten ist das so, dass sie zwölf bis 14 Monate trächtig sind. Man weiß auch nicht genau, wann der Hengst die Stute gedeckt hat. Und dann wartet man und wartet ... Jeder fragt, wann ist es so weit? Wann kommt das Fohlen?"

Geburt von Kamelbaby Antonio: Auf einmal ging's schnell

Noch zwei Stunden zuvor hatte Kamelmutter Makani keine Anzeichen einer anstehenden Geburt gezeigt. "Der Freund meiner Tochter war um fünf Uhr früh im Stall, da war noch alles ruhig und entspannt", so Lettner. Und dann ging es ganz schnell.

"Kamele brauchen relativ lang, bis sie trinken und laufen lernen. Am nächsten Tag haben wir das Fohlen alle zwei Stunden aufgestellt. Und jetzt fetzt es im Stall herum", sagt der Kamelbesitzer und lacht. Der pelzige Nachwuchs gibt der Familie nicht nur einen Grund zum Schmunzeln, sondern auch Hoffnung. Hoffnung, dass es in der aktuellen Krisenzeit "irgendwie weitergeht".

"Mit Antonio haben wir jetzt sieben Kamele im Stall", sagt Lettner. Neben den Kamelen macht es sich auch eine 18-köpfige Lamaherde im Stall bequem. Die Haltung von Kamelen und Lamas ist in Deutschland grundsätzlich kein Problem, da die Tiere anpassungsfähig sind und Temperaturschwankungen von teils mehr als 50 Grad Celsius ertragen.

Wegen Corona-Krise: Geld für Futter wird knapp

Die beiden Herden besitzt Lettner nicht nur zum Vergnügen, sondern er bietet ganzjährig Erlebnistouren wie Lama-Trekking und Kamelreiten an. Die exotischen Wanderpartner werden gerne auch für Junggesellinnenabschiede, Firmenevents sowie Fotoshootings gebucht.

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"Bei uns geht die Hauptsaison eigentlich jetzt los. Das Geld, das normalerweise jetzt eingenommen wird, wird im Sommer dafür verwendet, Futter zu kaufen", erklärt Lettner. Die Folgen der Coronakrise machen auch vor dem Herdenbesitzer in Goßmannsdorf nicht Halt.

"Wir mussten einiges absagen. Es wird mit Sicherheit irgendwie eine Lösung geben, aber einen Plan B, wie es weitergehen soll, gibt es aktuell nicht", sagt der Kamel- und Lamabesitzer. "Selbst wenn ich sagen würde, ich höre auf. Ich kann nicht aufhören." Denn zur Not müsste er die Herde verkleinern oder schlimmstenfalls auflösen. Doch in der aktuellen Situation sei die Nachfrage nach Kamelen oder Lamas äußerst gering. "Das ist jetzt ein Luxusartikel, das braucht keiner zum Überleben." 

Trotz Corona-Sorgen: Kamelbaby bereitet Freude

Bis jetzt können er und seine Familie, so wie viele andere Selbstständige, nur hoffen, dass sich die Lage bald wieder normalisiert. "Man macht sich schon Sorgen, wie es weitergehen soll. Da kann so ein Kamelbaby jetzt Mut machen, das baut einen wieder auf", sagt Lettner.

Ein warmes Gefühl ums Herz bereite anderen zum Beispiel die Geschichte, wie das Kamelfohlen zu seinem italienischen Namen kam: "Antonio - das ist unser Tierarzt", erklärt Lettner. "Er hat einmal ein Kamel, und zwar den Vater von Antonio, gerettet. Hätte der Tierarzt das nicht gemacht, dann hätte es das Fohlen nie gegeben."

Die Corona-Krise macht auch vor einem Tierschutzhof im unterfränkischen Großeibstadt nicht Halt. Durch die Schließung der Einrichtung für Besucher und den Rückgang von Spendengeldern stehen der Verein und seine ehrenamtlichen Helfer vor einer ungewissen Zukunft.