Reutersbrunn
Gemeinschaft

Junge Leute bändigen das Monster

Der Kreisjugendring Haßberge veranstaltete in Reutersbrunn sein inklusives Zeltlager. Es ging in den Weltraum.
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Der Betreuer Lukas Vogel (rechts) bittet, als Glücksbärchen verkleidet, die Jungengruppe um Mithilfe bei der Rettung der Gummibären.  Frank Kupfer-Mauder/Kreisjugendring Haßberge
Der Betreuer Lukas Vogel (rechts) bittet, als Glücksbärchen verkleidet, die Jungengruppe um Mithilfe bei der Rettung der Gummibären. Frank Kupfer-Mauder/Kreisjugendring Haßberge
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Bereits bei der Anfahrt zum Jugendzeltplatz in Reutersbrunn (Stadt Ebern) wurde es für die Teilnehmer spannend. Auf der Reise zum weit entfernten Waldplaneten "Abak" erhielten die jungen Leute eine Audio-Nachricht mit der Bitte um Hilfe gegen die Raubzüge des Kaba-Monsters. Dieses Ungeheuer hatte sich immer wieder durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum auf den Waldplaneten begeben und die dortigen Bewohner ausgeraubt. Ganz klar, dass die 45 Mädchen und Jungen, die am Zeltlager teilnahmen, sofort zur Rettungsmission auf den Waldplaneten "Abak" eilten. Das klappte, und das Zeltlager konnte am Mittwoch erfolgreich zu Ende gehen.

Das ehrenamtliche Team um die Zeltlagerleiterinnen Nina Brech und Caroline Petersen vom Kreisjugendring Haßberge und Dorothee Weißenseel von der Lebenshilfe Haßberge hatte sich für das inklusive Zeltlager viel einfallen lassen. Bereits vor Monaten wurde, wie aus einer Mitteilung des Kreisjugendrings hervorgeht, das Motto festgelegt und kreativ ausgestaltet. Durch verschiedene Aktionen, wie zum Beispiel ein großes Lagerspiel als Ausbildung für die Neuankömmlinge auf dem Waldplaneten, thematisch organisierte Workshops oder ein Bergfest als Weltraumparty, wurde das Motto in aufregende Erlebnisse für die teilnehmenden Mädchen und Jungen umgesetzt.

Unter neuem Namen ging das gemeinsame Zeltlager von Kreisjugendring Haßberge und Lebenshilfe Haßberge in die 28. Auflage. Aus dem integrativen Zeltlager wurde dieses Jahr ein inklusives Zeltlager. "Der alte Titel stammte noch aus dem Jahr 1992. Mittlerweile ist Inklusion in aller Munde und der schon lange gelebten Realität auf dem Zeltlager folgte nun auch die entsprechende Umbenennung in ein inklusives Zeltlager", schildert Frank Kupfer-Mauder (KJR-Geschäftsführer und Kreisjugendpfleger). Als ehemalige Lagerleitung unterstützte er das über 20-köpfige Team im Hintergrund, vor allem bei der Vorbereitung. Weitere Unterstützung erhielt das Team von Petra Erickson aus der Kreisjugendring-Vorstandschaft. Als Ressortverantwortliche für Freizeiten und Ferienprogramme packte sie mit an, wenn Hilfe vor Ort gebraucht wurde.

Alle Aktionen wurden mit viel Humor und Spaß umgesetzt. Das entspricht dem Leitgedanken der inklusiven Freizeit: "Jeder Mensch ist anders und hat seine eigenen Stärken und Schwächen." Die Aktivitäten wurden alle so aufgebaut, dass sie nur gemeinschaftlich in der Gruppe gelöst werden können. "Inklusion wird hier von Beginn an gelebt. Ein Miteinander von Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung ist selbstverständlich - auch über das Sommerzeltlager hinaus", berichten Nina Brech und Caroline Petersen. Bei der Umsetzung konnten sie sich voll und ganz auf ihr Betreuerteam verlassen. Ganz nach dem Motto "Geht nicht - gibt's nicht" arbeitete das ehrenamtliche Team mit vollem Engagement für die Sache des inklusiven Zeltlagers. Dies sah man auch an den selbst geschriebenen Theatereinlagen, an fantasievollen Kostümen oder größeren Bühnenaufbauten, welche manchmal bis in die frühen Morgenstunden gebastelt wurden. Das Team arbeitete Hand in Hand zusammen. "Wir wollen den Kindern Gemeinschaft vorleben, damit diese sich an uns als Vorbild orientieren können", erklärt Dorothee Weißenseel.

Spannung durfte beim inklusiven Zeltlager nicht fehlen. Die Kinder und Jugendlichen haben beim finalen Nachtstationslauf das Kaba-Monster bekämpft und die Aufgabe gelöst, den Riss im Raum-Zeit-Kontinuum zu schließen, damit die Bewohner des Waldplaneten wieder in Frieden und Freude leben können. Daneben sorgten natürlich viele weitere jugendgerechte Aktivitäten für Unterhaltung. Zwei Schwimmbadbesuche, mehrere Picknicks, Workshops, ein bunter Abend und zum Abschluss eine Lagerdisco sorgten für eine abwechslungsreiche Ferienzeit.

Zusätzlich zum inklusiven Charakter der Ferienfreizeit bemühte sich das Zeltlagerteam um Nachhaltigkeit und Regionalität. So wurden zum Beispiel ausschließlich Mehrwegflaschen (die meisten aus Glas) benutzt und regionale Betriebe bei den Einkäufen bevorzugt.

Das Inklusive Zeltlager 2019 wurde durch den Bayerischen Jugendring aus Mitteln des Bezirks Unterfranken gefördert. Zusätzlich gewährte der Bayerische Jugendring aus Mitteln des Projekts "Selbstverständlich Inklusion" eine Förderung der "Aktion Mensch". Ab Januar 2020 werden Anmeldungen für das inklusive Zeltlager 2020 angenommen (3. bis 12. August 2020).

Beim inklusiven Zeltlager 2019 wirkten mit: Die Lagerleitung bildeten Nina Brech (München), Caroline Petersen (Haßfurt), Dorothee Weißenseel (Haßfurt). Küche: Johanna Reinhard (Eisenheim), Sabine Schlegelmilch (Bamberg), Stefanie Kraus (Stralsbach), Petra Erickson (Gädheim). Zeltbetreuer: Philipp Steinert (Hilpoltstein), Sebastian Kraus (Stralsbach), Shawn Erickson (Gädheim), Lukas Vogel (Bamberg), Julius Kraus (Zeil), Ulrich Schnös (Knetzgau), Matthias Holzinger (Haßfurt), Sarah Kennedy (Lendershausen), Franziska Helmert (Erlangen), Anna Gebhardt (Knetzgau), Kerstin Viering (Limbach), Sarah Stretz (Oberhaid). Springer und Helfer: Ursula Eckert (Ebern), Hannah Vogel (Idstein), Paul Gläser (Untertheres), Jonas Erickson (Gädheim), Finn Licha (Knetzgau).

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