Haßfurt
Youth Camp

Junge Gäste sind "Botschafter des Friedens und der Verständigung"

Der Lions-Club Haßberge betreut 24 junge Menschen aus zehn Ländern. Sie lernen den Landkreis kennen.
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Anna aus Armenien, Natalia aus Makedonien und Doshi aus Indien (von links) sprachen zum Auftakt des Youth Camps über ihre Erfahrungen und ersten Einschätzungen von Franken und dem Kreis Haßberge. sw
Anna aus Armenien, Natalia aus Makedonien und Doshi aus Indien (von links) sprachen zum Auftakt des Youth Camps über ihre Erfahrungen und ersten Einschätzungen von Franken und dem Kreis Haßberge. sw
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Nur wer sich kennenlernt, kann Verständnis für den anderen entwickeln und friedlich zusammenarbeiten - davon sind nicht nur die Mitglieder der Lions-Clubs weltweit überzeugt. Deshalb finden überall auf der Welt regelmäßig Lions-Youth-Camps statt. Alle zwei Jahre organisiert Harry Riegel vom Club Haßberge das "International Youth Camp Franconia", an dem in diesem Jahr 24 junge Menschen aus zehn Ländern von Armenien bis Indien teilnehmen. Dieser Tage kamen sie erstmals alle in Königsberg zusammen.

Die vergangene Woche verbrachten die 22 jungen Frauen und zwei junge Männer in Gastfamilien in Coburg, Würzburg, Bamberg und Haßfurt. Harry Riegel hat in den dortigen Lions-Clubs zahlreiche Familien gefunden, die gerne Gäste aus aller Welt beherbergen und sie mit den Schönheiten Frankens vertraut machen. So schwärmte die 24-jährige Anna Simonian aus Armenien von Würzburg, wo sie praktisch jede Sehenswürdigkeit besuchte. Anna war im vergangenen Jahr schon einmal Gast am Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt und freut sich nun auf einen längeren Aufenthalt. Sie hat an der französischen Universität in Yerewan Marketing studiert und ist für die zehnköpfige Teilnehmergruppe aus Armenien so etwas wie "Head of Delegation", wie Harry Riegel erklärte.

Für den Gymnasiallehrer ist die Organisation dieser Youth Camps immer wieder eine Herausforderung, aber auch große Bereicherung. Er hat vielfältige internationale Kontakte. Bei wie vielen Hochzeiten ehemaliger Camp-Teilnehmer er und seine Frau schon eingeladen waren, können sie kaum noch zählen. Heike Mohler-Riegel und ihr Mann haben regelmäßig internationale Gäste im Haus, auch jetzt wohnen wieder einige der Teilnehmerinnen in ihrer Einliegerwohnung, einige in anderen Gastfamilien und weitere Besucher im Hotel in Haßfurt. Nachdem die Jugendherberge Königsberg diesmal nicht zur Verfügung steht, finden die Workshops am Regiomontanus-Gymnasium in Haßfurt statt, wo am Freitag auch der "Internationale Abend" ist, bei dem die jungen Leute zeigen, was sie während der Woche einstudiert haben.

Musik und Tanz stehen auf dem Programm, auch die Workshopleiter rekrutiert Harry Riegel - meist aus den Reihen ehemaliger Schüler, aber auch Lehrerkollegen unterstützen ihn. Unterstützung hat er auch aus der Gruppe in Doshi Resham. Die Anwältin ist mit 32 Jahren eigentlich schon zu alt für das Youth Camp. Aber für junge Inderinnen ist es nicht so einfach, alleine eine Auslandsreise zu machen, und Doshi Resham ist als Begleiterin der drei jüngeren Teilnehmerinnen dabei.

Im Gespräch über Indien und die Rolle der Frauen dort erzählte Doshi Resham, dass sich da viel verändere. Die neue Regierung, die vor sechs Jahren die alte ablöste und im vergangenen Jahr wiedergewählt wurde, stehe für Veränderung sowohl in Infrastruktur als auch in der Gleichberechtigung. Zudem verringere sich der Abstand zwischen arm und reich, der in Indien besonders ausgeprägt sei. Die junge Juristin ist 32 Jahre alt, unverheiratet, sehr selbstbewusst und im Nebenberuf Moderatorin von Events und Hochzeiten. Für das Youth Camp hat sie sich Urlaub genommen; per Internet bearbeitet sie dennoch ihre Fälle weiter. Während ihrer ersten Woche in Coburg erlebte sie auch Rothenburg und Weimar. Die Coburger Bratwurst hat sie nicht probiert, denn sie ist Vegetarierin.

Auch mit Natalja Gagacheva aus Makedonien lief das Interview in Englisch, obwohl sie "fast alles in Deutsch" versteht. Allerdings werde in Makedonien Sprachunterricht nicht in der Fremdsprache gegeben wie in Deutschland. "Wir lernen Vokabeln und Grammatik, aber wir sprechen eigentlich gar nicht im Unterricht", erklärte sie. Ihre Schwester, studierte Linguistin und Deutschlehrerin, hat der 17-Jährigen daher aufgetragen, während ihres Aufenthalts ausschließlich Deutsch zu sprechen. In der Gastfamilie blieb ihr auch nichts anderes übrig, denn die Gastmutter spricht kein Englisch.

Nächstes Jahr macht Natalja Abitur im mathematisch-naturwissenschaftlichen Zweig, dann will sie IT studieren. Am kommenden Freitag spielt sie vielleicht Klavier, auch wenn sie seit zwei Jahren kaum mehr geübt hat.

Das freundschaftliche Miteinander war schon beim Treffen in Königsberg zu spüren. Auch die einzigen beiden jungen Männer, Hakobyan Vahan aus Armenien und Zeynep Nar Yasemin aus der Türkei, fühlten sich nicht ausgegrenzt unter 22 Frauen. Dass die beiden jungen Männer diese Woche in einem Doppelzimmer verbringen, ist nicht wirklich selbstverständlich, für Harry Riegel aber ein Zeichen dafür, dass seine Arbeit Früchte trägt.

Der aktuelle Präsident des Lions-Clubs Haßberge, Wolfgang Rottmann, empfing die muntere Gruppe und dankte allen Organisatoren und Unterstützern. Im direkten Miteinander könnten Grenzen oder Vorurteile überwunden werden. "Und wer diese Erfahrung in jungen Jahren macht, geht gestärkt in ein Leben voller Offenheit", erklärte er. So werde jeder Teilnehmer des Youth Camps zum "Botschafter des Friedens und der Verständigung in unserer Welt".

Das Youth Camp mündet immer in einen internationalen Abend, zu dem Gäste willkommen sind. Er findet statt am Freitag, 2. August, ab 18.30 Uhr am Regiomontanus-Gymnasium. Die Teilnehmer gestalten ein Programm mit Chorgesang, Musik und Tanz.

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