Eltmann
Soziales

Jugendhilfeausschuss besichtigt Kinder- und Jugendhilfe St. Josef in Eltmann

Der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Haßberge besichtigte bei seiner Sitzung die Kinder- und Jugendhilfe St. Josef in Eltmann. Was wurde besprochen?
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Die Jugendhilfeausschusssitzung fand in der Jugendhilfe St. Josef in Eltmann statt, so dass sich die Mitglieder direkt selbst ein Bild von der Einrichtung machen konnten. Jutta Rudel
Die Jugendhilfeausschusssitzung fand in der Jugendhilfe St. Josef in Eltmann statt, so dass sich die Mitglieder direkt selbst ein Bild von der Einrichtung machen konnten. Jutta Rudel

Für 160 Kinder und Jugendliche ab dem Grundschulalter bis über die Volljährigkeit hinaus ist die "Jugendhilfe St. Josef" in Eltmann ein vernetztes Jugendhilfeangebot, das ihnen ein sozial und beruflich integriertes Leben ermöglichen und erleichtern soll. Der Jugendhilfeausschuss des Kreistags Haßberge besichtigte anlässlich seiner Sitzung diese Einrichtung und Landrat Wilhelm Schneider zollte den Mitarbeitern besondere Anerkennung. "Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihre engagierte Arbeit. Auch der Landkreis wird von der Einrichtung immer sehr unterstützt, was in den letzten Jahren bei den unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen der Fall war und uns auch sonst zur Verfügung steht, wenn wir plötzlich ein Hilfeangebot benötigen."

Der Leiter der Jugendhilfe St. Josef, Martin Gehring, warf zu Beginn des Jugendhilfeausschusses des Landkreises Haßberge in Eltmann einen kurzen Blick auf die Geschichte der Einrichtung, die schon ins vorletzte Jahrhundert zurückreicht. Im Jahre 1889 sei für 12 000 RM ein Gebäude in Eltmann erworben worden, "um in Eltmann ein Asyl für verwaiste, verwahrloste oder der Gefahr der Verwahrlosung ausgesetzte Kinder zu errichten". Schwestern des Erlösers aus Würzburg übernahmen über Jahre die Leitung des Hauses und die Betreuung der Kinder. Die Schwestern wurden aber 1998 nach Würzburg zurückberufen.

Man musste sich deswegen einen "weltlichen Leiter" suchen und seit dem Jahr 1995 leite er nun die Einrichtung, betonte Gehring, die seitdem immer wieder umstrukturiert und auch mit Umbaumaßnahmen fast jährlich den Anforderungen angepasst wurde.

Er stellte dann das Ornigramm, die Aufgaben und Hilfeangebote dieser Jugendhilfe-Einrichtung mit den heilpädagogischen und sozialpädagogischen Wohngruppen und ihrem innenbetreuten Wohnen oder Wohngruppen vor, die auch in angemieteten Häusern zu finden seien.

Hier nehme man Kinder in Obhut, wenn in Familien Krisen aufträten und das sei manchmal auch sofort der Fall, wenn Jugendamt oder Polizei anklopfen würden. Manchmal seien die Kinder dann hier, um eine kurze Krise zu überwinden, bis sie wieder nach Hause kämen. Viele seien aber auch für länger hier mit Folgemaßnahmen. Dabei müsse man natürlich schauen, ob die Kinder integrierbar seien. Ganzaktuell nehme derzeit auch eine "Inobhutnahme-Stelle" ihren Betrieb auf, die sich in einem abgeschlossenen Bereich befinde.

Wie Leiter Martin Gehring betonte, gelte es in der Erziehung immer wieder, einen Schritt nach vorne zu machen, wie zum Beispiel mit einer therapeutischen Wohngruppe für kleine Kinder. Hier habe man zwei Projektgruppen mit auffälligen Kindern.

Rückläufige Zahl der Flüchtlinge

Er erinnerte aber auch an die Aufnahme vieler minderjähriger Flüchtlinge, wo unter der Leitung von Peter Rödelmaier bis zu 70 Jugendliche hier gewesen seien. Diese Zahl sei aber sehr rückläufig und gegenwärtig habe man noch 25 Personen. Bis zum Jahresende soll die letzte dieser Wohngruppen geschlossen werden. Man habe natürlich auch eine Gruppe in der Kindertagesstätte und zwei Hortgruppen und betreibe eine "offene Ganztagesschule" mit der Realschule. Bereiche wie Psycho- und Ergotherapie oder Logopädie seien Bereiche, die ständig ausgebaut würden, ebenso wie die Krisenintervention. Hier gebe es die Standard-Krise, wo Kinder schon viel erlebt hätten. Diese Kinder reagierten natürlich und dies reiche durchaus bis hin zu Selbstverletzungen. Man sei aber organisiert, dass man jederzeit eingreifen könne, vor Ort stabilisiere und weitere Schritte angehe.

In der pädagogischen Arbeit stellte Martin Gehring heraus, dass nach der Aufnahme der Jugendlichen natürlich eine Anamnese und Diagnose vorgenommen werde, was das Kind erlebt habe oder welche Störungsbilder vorgefunden wurden. Dann werde für jedes Kind ein individuelles Konzept entwickelt mit Partizipationsmöglichkeiten des Jugendlichen, den man ja auch zur Mitarbeit motivieren möchte. "Die Kinder wollen ja wissen, wann sie wieder nach Hause dürften." Die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, dem Vormund und dem Elternhaus oder den Schulen sei selbstverständlich.

Auch die Freizeitpädagogik sei ein besonderes Anliegen. Hier habe man ein ausgefeiltes System von Freizeitgruppen von Kegeln, Fußball, Spiel und Spaß, Kickboxen oder Fitness-Studio. Hauptevent sei alljährlich das große Zeltlager mit 100 Personen über die Zeit von 14 Tagen.

Die Kreisrätinnen und Kreisräte konnten dann auch einen Blick in die Wohngruppen werfen und ins Gespräch mit Jugendlichen und ihren Betreuern kommen. Wie genau die Besichtigung verlief, können Sie hierim Premium Bereich infrankenPLUS lesen.

Haushaltsplan wird vorberaten

Im Mittelpunkt der Tagung des Jugendhilfeausschusses stand auch die Vorberatung des Haushaltsplanes der Jugendhilfe, der natürlich auch den Gesamthaushalt des Landkreises stark beeinflusst. Der Aufwand beläuft sich in diesem Jahr auf ca, 7,8 Mio Euro. Der Zuschussbedarf steigt dabei gegenüber dem Vorjahr um 3,5% an.

Kreiskämmerer Marcus Fröhlich stellte das 54-seitige Haushaltswerk vor, das natürlich immer wieder in Bewegung sei und man von Krisensituationen nie gefeit sei. So habe man gerade in den letzten Tagen eine Säule noch einmal um 300 000 € erhöhen müsse, weil plötzlich aus einer Familie drei Kinder untergebracht werden mussten. Dann stellte er die verschiedenen Produkthaushalte vor.

Bei der Förderung von Kindern in Tageseinrichtungen von Einkommensschwachen habe man derzeit 500 laufende Fälle, Künftig sei aber wegen des "Gute-Kita-Gesetzes" mit einer Steigerung der Anspruchsberechtigten zu rechnen. Bei der Förderung von Kindern in Tagespflege unter drei Jahren gehe man von 35 Fällen aus.

Der größte Umsatz zeige sich allerdings bei den "Hilfen zur Erziehung", wo auch höhere Entgeltleistungen und auch höhere Fallzahlen zu Buche schlagen. Bei den Erziehungs-Beistandschaften fielen hier 270 000 € an, für Erziehungs-Beistandschaften für minderjährige Ausländer 140 000 €, für die Vollzeitpflege 1,3 Mio € (für ca. 100 laufende Fälle), für Heimerziehung/betreutes Wohnen 1,3 Mio € an. In der Sozialpädagogischen Familienhilfe seien 90 und in der Erziehung in einer Tagesgruppe 15 Fälle. Das Gremium empfahl dann dem Kreistag die Annahme dieses Jugendhilfehaushalts.

Trau Dich! - Angebot zur Prävention sexualisierter Gewalt

Kunzelmann vom Jugendamt stellte in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags Haßberge das Angebot zur Prävention sexualisierter Gewalt an Grundschulen vor. Es heißt "Trau Dich!" und ist eine bundesweite Initiative zur Prävention sexuellen Kindesmissbrauchs. Kernstück war laut Kunzelmann das interaktive Theaterstück "Trau Dich!", das im September/Oktober im Landkreis aufgeführt wurde. Zielgruppe waren Dritt- und Viertklässler.

Wie Heike Kunzelmann sagte, soll dies keine einmalige Angelegenheit sein. Das Thema soll dauerhaft verfolgt werden. Deswegen haben Fachkräfte für den Landkreis ein Konzept erarbeitet und fünf Module entwickelt. Das erste Modul richtet sich zum Beispiel an Lehrer und beschäftigt sich mit dem Grundlagenwissen und dem Umgang mit Verdachtsfällen. Es gibt auch ein Modul für Schüler und eines für Eltern. Diese Module sind für Grundschulen kostenfrei buchbar und individuell verknüpfbar. Für jedes Modul gibt es einen festen Ansprechpartner.

Kunzelmann unterstrich die Notwendigkeit, Kindesmissbrauch selbst in der Grundschule anzusprechen. Manche Eltern oder Lehrer sehen das ihr zufolge jedoch kritisch. Sie haben Bedenken, dass die Kinder zu früh mit solchen schwerwiegenden Themen konfrontiert werden. Die Fallzahlen aus dem Jugendamt bestätigten aber das Gegenteil; der Alltag spreche Bände. Schon ab der Geburt sind Kinder betroffen und Verantwortliche damit konfrontiert. Kunzelmann hofft, dass die "Trau Dich!"-Maßnahmen Kinder darin bestärken, sich Hilfe zu suchen und sich auch jemandem anzuvertrauen. Anke Schäflein dankte Heike Kunzelmann dafür, dass sie an diesem Thema daran bleibt, obwohl es Eltern gibt, die solche frühe Aufklärung nicht wollen. Das könne durchaus anstrengend und demotivierend sein.

Martin Gehring, Leiter der Jugendhilfe St. Josef in Eltmann, unterstrich, dass es hier generell darum gehe, Kinder stark und selbstbewusst zu machen. Denn wenn Kinder schwach oder zu schüchtern seien, sei die Gefahr größer.

Gerhard Lutz von der Erziehungsberatungsstelle hob hervor, dass es erst einmal um die Kinder geht. Als weitere Zielgruppe müssten die Lehrer sensibilisiert werden. Denn auch Lehrer müssen sich trauen, sich im Verdachtsfall an Stellen zu wenden. Kunzelmann bestätigte, welche wichtige Rolle Lehrer beim Aufdecken von Kindesmissbrauch haben; es sei wichtig, sich an Experten zu wenden.

Landrat Wilhelm Schneider sprach von einem Angebot, das leider erforderlich sei. Aber das Angebot sollte man nutzen. Deswegen werden bald auch Flyer über das Schulamt und die Grundschulen verteilt. Weitere Informationen gibt es zudem auf den Internetseite www.trau-dich.de und auf der Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung www.bzga.de.

Antrag auf Förderung der Ehe-, Familien - und Lebensberatung

Einen Antrag auf Förderung der Ehe-, Familien- und Lebensberatung hatte wiederum die Diözese Würzburg für das Jahr 2019 gestellt. 220 Frauen und Männer aus dem Landkreis Haßberge hätten nämlich 2017 das Angebot der Beratung in Anspruch genommen. Die Personal- und Sachkosten der EFL-Beratung in Haßfurt habe sich auf 57 908 Euro belaufen (ohne Miet- und Raumkosten). Die Diözese Würzburg trage aus Mitteln der katholischen Kirchensteuer mit über 80% der Kosten weiterhin den Löwenanteil. Etwa 50% der Beratungen seien "Paar-Beratungen", wovon wiederum die Hälfte der beratenen Paare Kinder unter 18 Jahren hätten. Der Jugendhilfeausschuss gewährte eine Förderung von 2 500 Euro.

Jugendamtsleiter Christoph Schramm informierte über die pädagogische Qualitätsbegleitung in Kindertagesstätten, einem Modellversuch, der noch bis Ende dieses Jahres laufe. Allerdings bestehe die Absicht der Bayerischen Staatsregierung, diese weiterzuführen. Deswegen sei eine Zwischenfinanzierung mit 90% angekündigt, die dann im nächsten Jahr verstetigt werden solle. Deswegen werde der Landkreis diese Möglichkeit zur Weiterführung annehmen.



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