Burgpreppach
Schule

In den Haßbergen sind Grundschullehrer Mangelware

Würde Alois Brandl in der freien Marktwirtschaft arbeiten, könnte er sein Gehalt ganz schön in die Höhe treiben. Der Haßfurter ist eine begehrte Kraft. Allein sein Geschlecht zeichnet ihn aus: Er ist einer von 18 Grundschullehrern im Landkreis Haßberge.
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Warum sich so wenig Männer zum Unterrichten an Grundschulen berufen fühlen? Alois Brandl weiß es nicht. "Ich finde den Beruf wunderbar und würde es jederzeit wieder so machen", sagt er.

Aber auch er hat sich nicht ganz freiwillig für die Grundschule entschieden. Als er 1974 das Staatsexamen ablegte, war er für das Unterrichten an Volksschulen qualifiziert. Vier Jahre später, 1978, gingen die Volksschulen in den Grundschulen und Hauptschulen (den heutigen Mittelschulen) auf. Brandl begann an einer Hauptschule in der Nähe von Würzburg zu arbeiten. 1987 ließ er sich an die Grundschule Burgpreppach versetzen. Den geborenen Haßfurter zog es zurück in die Heimat.
"In Burgpreppach war ich aber vorher auch noch nie", erzählt der 58-Jährige mit einem Lächeln.

Weniger Geld, mehr Arbeit

Mit einem Männeranteil von zehn Prozent an Grundschulen liegt der Kreis Haßberge noch unter dem bayernweiten Durchschnitt von 10,9 Prozenten. In allen anderen Schularten sind Männer mit mindestens 25 Prozent vertreten. Spitzenreiter ist die Berufsschule mit einem Anteil von 71 Prozent.

Auch wenn Alois Brandl seinen Beruf liebt: Ihm fallen schon ein paar Aspekte ein, die potenzielle Bewerber abschrecken könnten. Da wäre zum einen das Image: "Der Beruf Grundschullehrer ist nicht sonderlich hoch angesehen. Wer im Schulwesen Karriere machen will, klammert die Grundschule von vornherein aus." Außerdem stiegen Lehrer in den Beruf des Grundschullehrers eine Gehaltsstufe niedriger ein als ein Gymnasiallehrer.
Auch an der Grundschule Zeil-Sand sind Männer Mangelware. Die Führungspositionen sind von zwei Frauen besetzt. Seit 2003 leitet Anna Elisabeth Brecht die Schule und wird dabei von Konrektorin Cornelia Genslein unterstützt. Zwei der insgesamt zwölf Klassleiter sind Männer. "Die Fachlehrerinnen sind sowieso Frauen", sagt Brecht.

Sie erklärt sich den schrumpfenden Männeranteil dadurch, dass der Beruf in der Gesellschaft nicht mehr hoch angesehen sei. "Zum anderen hängt das, glaube ich, damit zusammen, dass Männer keinen so guten Zugang zu kleinen Kindern haben", sagt sie.

Nicht nur Frauensache

Das sieht Alois Brandl anders. Seiner Meinung nach ist eine ausgewogene Kombination aus weiblichen und männlichen Lehrkräften ideal. So wird sie auch in Burgpreppach praktiziert. Brandl und Schulleiter Johannes Häfner arbeiten mit zwei Kolleginnen zusammen. Aber die 15 Grundschulen und eine Waldorfschule im Landkreis können sich nicht aussuchen, wieviele Männer bei ihnen unterrichten.

Warum ist ein Mann im Klassenzimmer so wichtig? "Die Kinder kennen aus dem Kindergarten nur Erzieherinnen. Wenn sie hier auch nur die weibliche Seite des Lebens kennenlernen, fehlt ein Stück", sagt Brandl.
Er glaubt, dass Männer und Frauen unterschiedlich mit den Schulkindern umgehen. " Männer unterrichten konservativer. Damit meine ich, dass sie nicht jeder Änderung hinterher evaluieren oder viel Neues austesten. Frauen sind da kreativer - und mütterlicher. Sie sind vielleicht ein bisschen nachsichtiger."

Gerade Jungen bräuchten seiner Erfahrung nach aber manchmal klare Ansagen. "Wenn es körperliche Auseinandersetzungen gibt, muss ich da auch mal dazwischen gehen. Bei Mädchen hatte ich diesen Fall noch nie." Schülerinnen trügen Streitigkeiten verbal aus. "Da fließen schon mal Tränen, wenn die Freundin sagt, dass sie nix mehr die Freundin ist", erzählt der Burgpreppacher Lehrer.

Wann ist ein Mann ein Mann?

Der Grundschullehrer hat außerdem beobachtet, dass "die Alphatiere unter den Jungen immer eine Freundin haben". Er sagt das mit einem breiten Lächeln. Denn: "Die Buben haben noch gar kein Interesse am anderen Geschlecht und die Mädchen wissen meistens gar nicht, dass sie die Freundin sind. Aber aus irgendeinem Grund gehört es dazu, dass ein Anführer eine Freundin hat."

Vorbilder aus dem Fernsehen

Ob das ein Bild ist, das die Medien den jungen Zuschauern vermitteln? Die Schulamtsdirektorin des Landkreises Haßberge, Uli Brech, glaubt schon. "Man muss sich die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht erarbeiten", sagt sie. Vor allem Vorbilder für eine gewaltfreie Konfliktlösung seien wichtig. "Natürlich können Frauen das auch, sehr gut sogar. Aber Jungen könnten dann das Gefühl haben, dass dieses Verhalten zwar für Mädchen richtig sei, aber nicht für sie selbst."

Viele Buben würden sich einen Lehrer wünschen. Aber auch Mädchen profitierten. "Für diese ist es auch wichtig, männliches Verhalten zu erleben und zu erkennen, dass ein Lehrer, der mit tiefer Stimme etwas brummt, nicht gleich sauer oder böse sein muss."

Exot Grundschullehrer

Johannes Häfner ist selten schlecht aufgelegt. Der 62-Jährige leitet seit 1991 die Grundschule Burgpreppach und ist bei den Schülern beliebt. Er findet, "dass der ganze Schulkörper mehr Männer vertragen könnte". Den Rückgang männlicher Kollegen beobachtet er seit etwa 15 Jahren. "Aber auch, wenn uns Männer fehlen. Bei den Schülern muss man klar sagen, dass Mädels leichter zu handeln sind", sagt er.

Alois Brandl fürchtet, dass Grundschullehrer bald zu solchen Exoten werden, wie es Erzieher in Kindergärten schon sind. Auch Schulamtsdirektorin Uli Brech findet den Männeranteil "dramatisch". Die Schulrätin hofft, dass die junge Generation bald erkennt, "dass der Beruf Grundschullehrer nicht uncool ist, sondern sehr schön".













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