Pfaffendorf
Jugendamts-Statistik

Immer mehr Komasäufer im Kreis Haßberge landen im Krankenhaus

Es geht nicht immer lustig zu bei den Festen im Haßbergkreis. Zumindest das Ende einiger Teilnehmer schreckt auf. Sie landen im Vollsuff im Krankenhaus. Komasaufen gilt auch auf dem Lande längst als "Trendsportart". Das Rauschtrinken besorgt Jugendamt und Kreisräte. Eine neues Projekt soll Hilfestellungen geben.
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Wenn Alkohol zum Problem wird: Im mehr volltrunkene Jugendliche aus dem Landkreis landen in den Krankenhäusern  Foto: Jens Büttner dpa/lsw
Wenn Alkohol zum Problem wird: Im mehr volltrunkene Jugendliche aus dem Landkreis landen in den Krankenhäusern Foto: Jens Büttner dpa/lsw
"Tendenz steigend, besonders bei Mädchen", hat Eva Pfeil in Sachen Komasaufen erkannt, wie sie bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Spiegelsaal des Pfaffendorfer Schloss analysierte. Zahlen über auffällige Jahres- oder Uhrzeiten hatte sie nicht parat.

Eva Pfeil betreut in der Präventionsstelle am Landratsamt das Projekt "HaLT" . Die Abkürzung steht für "hart am Limit", aber es geht um Jugendliche, die ihre Grenzen nicht mehr erkannt und überzogen haben. "Sie landen wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus."

Nachricht aus Krankenhaus

Pfeil hat die offiziellen Zahlen abgefragt, Dunkelziffern erfasst die Statistik nicht. Zwischen sieben und 17 Jugendliche aus dem Landkreis landeten in den Jahren 2011 und 2013 stationär in den Haßbergkliniken oder dem Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt. 2014 waren es schon zwei Fälle. Ambulante Behandlungen sind dabei gar nicht erfasst .

Das "HaLT"-Projekt setzt mit einem didaktischen Standbein im Krankenhaus an. "Wir erhalten nach der Einlieferung in der Klinik von der Notrufzentrale in Würzburg eine Nachricht über die Uhrzeit und den Alkoholpegel, keine Namen."

Über die Klinik wird dann, wenn der Patient wieder ansprechbar ist, ein "Brückengespräch" vereinbart. Das findet noch im Krankenzimmer statt, wozu auch die Eltern geladen werden. "Dabei wollen wir wissen, wie's zu diesem Suff kam, ob dies schon öfter passiert ist?", erläuterte Eva Pfeil.

Bei entsprechender Einsicht werde der Jugendliche zu einem Seminar namens "Risiko-Check" eingeladen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.

Die Präventionsstelle setzt ihrem Namen getreu aber auch auf Vorbeugung. Dazu dienen Besuche mit Mitmachkoffer und Mitmach-Parcours oder Saftbar in Kommunen, Gespräche mit Veranstaltern und Vereinsvertretern. In Schulen komme das "Chapeau Claque"-Theater aus Bamberg mit einem "HaLT"- Interaktivprogramm.

Gerhard Zösch (CSU) fragte, ob die Rauschtrinker nach ihrer Einlieferung nicht an den Behandlungskosten beteiligt werden sollten? Den Vorhalt, dass sich dann keiner mehr einliefern lässt, konterte Zösch mit Sander Erfahrungen: "Ich kenn' das. Wenn einer im Gras liegt und der Sanka kommt, ist der nicht mehr ansprechbar und wehrt sich auch nicht mehr."

Prävention statt Abschreckung

Weniger auf Abschreckung denn auf Prävention setzt Jürgen Hennemann (SPD): "Wir müssen mehr Bewusstsein schaffen und die gesamte Gesellschaft daran arbeiten." Und dazu gab's Erfahrungsberichte aus Hennemanns Zuständigkeitsbereich.

Als (Noch-)Jugendamtsleiterin Adelinde Friedrich gefragt wurde, wo im letzten Jahren Jugendkontrollen stattgefunden hatten, lautete die Antwort prompt: "Nur beim Eberner Altstadtfest." Dort waren Vertreter von Polizei, Jugendamt sowie die Jugendreferenten im Stadtrat, Sebastian Stastny (Junge Liste) und Ulrike Zettelmeier (SPD), an allen drei Veranstaltungstagen "auf Streife". Lob gab's dafür von Landrat Rudolf Handwerker (CSU): "Das passiert seit einigen Jahren und man hat sofort gemerkt, dass alle vorsichtiger werden."
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