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Kirchlauter
Monitoring

Immen in Kirchlauter sind nicht immer immun

Der Lehrbienenstand in Kirchlauter macht die Zusammenhänge zwischen Honigernte und Umwelteinflüssen transparent. Krankheiten stellen die Imker vor Probleme. Fachleute berieten sich vor Ort.
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Sichtlich zufrieden von den Daten des Monitorings zeigten sich Fachberater Gerhard Müller-Englert (links) und stellvertretender Ortsvorsitzender Karl Schmitt; rechts die Vorrichtung für die Datenübertragung.
Sichtlich zufrieden von den Daten des Monitorings zeigten sich Fachberater Gerhard Müller-Englert (links) und stellvertretender Ortsvorsitzender Karl Schmitt; rechts die Vorrichtung für die Datenübertragung.
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"In Kirchlauter ist wirklich ein Zentrum für die Bienen, das sich als Vorzeigebeispiel entwickelt hat und auf die Region ausstrahlt. Vergleichbares gibt es eigentlich an anderer Stelle nicht." Dies betonte der staatliche Fachberater für Bienenzucht, Gerhard Müller-Englert, auf dem Lehrbienenstand in Kirchlauter, bei der er vor Fachleuten über das Bienenmonitoring in Kirchlauter, Deutschland und Europa berichtete.

Die "Heiligen Länder" und die Umgebung von Kirchlauter haben sich mit den Bienen in den letzten Jahren einen Namen gemacht und sprechen auch selbst von der größten Imker- und Bienendichte, denn auf 1000 Einwohner kämen 20 Imker und es gebe etwa 5000 Bienen je Einwohner.
Der Imkerverein Kirchlauter hat nun seit einiger Zeit für das "Projekt Bienenmonitoring" am Lehrbienenstand sechs Völker zur Verfügung gestellt und mit einem Trachtnetz werden von dort im Fünf-Minutentakt Daten übertragen, die sehr hilfreich für die Bienenzucht sind.

Zweifaches Monitoring

Fachberater Gerhard Müller-Englert wies darauf hin, dass es eigentlich zwei Monitorings gebe: das Europäische, das mehr auf die Krankheiten und Parasiten abziele und das Deutsche, das sich mehr mit den Witterungsverlusten, den Giften und Krankheiten befasse. Letzteres sei also das umfassendere. Bei diesem Monitoring würden die Temperatur, die Luftfeuchte, das Stockgewicht und die Gewichtsveränderungen gemessen und aus diesen Daten könne man für den jeweiligen Landschaftsraum viele Rückschlüsse ziehen. Kirchlauter sei der eingerichtete Standort für den Landkreis Haßberge.

An Hand seiner Daten von Kirchlauter stellte Fachberater Müller-Englert fest, dass der Krankheitsbefall bei den Völkern in Kirchlauter sehr gering sei. Bei der Kontrolle habe er sehr viele Pollen vorgefunden und auch vielfältige Pollen. Diese Pollenvielfalt sei sehr interessant. Das lasse auf eine abwechslungsreiche und gute Ernährungssituation schließen.

Jede Pflanze wird erkannt

Über die Pollenanalyse wisse man nämlich, bei welcher Pflanze die Biene gewesen sei. Bei einseitigem Pollenangebot komme es bei de Bienen zu Mangelerscheinungen, das einige Abwehrstoffe fehlten. Gesundheitlich sei bei den Bienen in Kirchlauter alles okay, nur dass der derzeitige Waldbienenhonig dazu führe, dass der Brutraum "verhonigt" ist.

Der Vorsitzende des Imkervereins Peter Kirchner bestätigte dies: "Die Bienen tragen den Honig herein, der sofort in den Waben kandiert und nicht mehr herausgeht."

Im Zusammenhang mit der Nahrungssituation stellte Peter Kirchner heraus, dass man im Hinblick auf die Nahrungssituation in den letzten Jahren sehr viel getan habe. Hier sei man auf gutem Wege und erst im letzten Jahr hätten die Obst- und Gartenbauvereine in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Ostunterfranken auf 13 Hektar Fläche im Landkreis eine Blühmischung aufgebracht. Allein der Imkerverein Kirchlauter habe hier auf 16 verschiedenen Flächen mit insgesamt drei Hektar für ein gutes Angebot für die Bienen gesorgt. "Diese Lebensraumverbesserungen sind nicht nur für die Bienen, sondern für alle Insekten gut, aber die Bienen sind ein Seismograph für die ganze Insektenwelt. Hummeln haben schließlich keine Lobby wie die Bienen", betonte Peter Kirchner.

Aktuell 35 Imker auf Probe

Ganz besonders stellte er das Projekt "Probeimkern" heraus. "Wir haben heuer wieder 35 Probeimker und die Zahl pendelt sich auf hohem Niveau ein. 16 davon sind bei uns im Verein. Mehr als die Hälfte von ihnen machen es nicht um des Honig willens, sondern um der Natur zu helfen. Das ist eine ganz andere Motivation", betonte er mit Stolz.

Bienenfachmann Müller-Englert ergänzte "an den Bienen kann man wirklich die Landschaftsqualität ablesen. Eine abwechslungsreiche Landwirtschaft hat ihre Auswirkungen auf die Bienen. Blühflächen sind auch ein Beispiel, um das Bewusstsein in den Köpfen der Menschen zu verändern." Man müsse sich manchmal erst an das Blütenchaos gewöhnen. Eine Blühfläche sei aber ein schönes Fleckchen Erde, das zeige, dass es auch noch etwas anderes in der Natur geben muss. "Diese Blühflächen sind eindeutig für das gute Pollenangebot in Kirchlauter verantwortlich."

Kreisfachberater Guntram Ulsamer sprach die Probleme in der Landwirtschaft und mit der Energiewirtschaft an und alle waren sich einig, dass der wirtschaftliche Nutzen und die Belange der Natur parallel gesehen werden müssten. Natürlich wolle man die regenerativen Stoffe, aber dazu wolle man auch andere Lösungsansätze. Ulsamer: "Inzwischen gibt es sogar Blühmischungen, die für Bioanlagen geeignet sind. Die Silphie ist eine Blühpflanze, die lange blüht und als Intensivpflanze eingesetzt werden kann." Auch die Landwirtschaft könne mithelfen mit Ackerrandstreifen, um die Biodiversität zu erhöhen. Aber man sollte auch an die Hausgärten und Balkonpflanzen denken, hieß es. Ja sogar Gewürzkräuter könnten auf Balkone gelangen. Langfristig wäre es jedoch gut, wenn die Bienen nicht auf den Menschen angewiesen seien.

Milbe fördert andere Parasiten

Natürlich wurde neben diesen positiven Erkenntnis aus der Region Kirchlauter auch über Krankheiten diskutiert, wozu der Kreisvorsitzende Dr. Werner Hornung zugegen war. Fachberater Englert-Müller erinnerte daran, dass die Varroa im östlichen Asien beheimatet gewesen sei und über Transporte nach Europa gekommen sei. Die besondere Problematik sei, dass sie eine Schlüsselfunktion habe und anderen Parasiten Einfall gewähre.

Peter Kirchner vernahm mit Genugtuung, dass das Bienenmonitoring in Kirchlauter den Beweis erbracht habe, dass die Varroa nicht an allem schuld sei. Dies treffe hier nicht zu und man habe ganz geringen Befall mit Varroamilben festgestellt.

Verklebte Waben

Eine ganz andere Geschichte sei der "Melezitose-Honig", zu dessen Abwehr Peter Kirchner einen Ratschlag suchte. "Zum ersten Mal seit 52 Jahren ist dieser bei mir aufgetreten und ich habe derzeit 160 Waben, aus denen er nicht mehr herausgeht. Nur ein Drittel geht beim Schleudern heraus und zwei Drittel bleiben drin."
Bei diesem Kandieren des Zuckers in der Wabe, der eigentlich in dreifacher Menge vorhanden sei, gebe es nach den Aussagen von Müller-Englert zwar Gegenmaßnahmen, die aber alle ihre besonderen Probleme hätten.
/> Die "Faulbrut" wurde als inzwischen bekannte Krankheit genannt. Sie trete vorwiegend lokal auf, sei aber hoch infektiös. Bei ihr stelle man ein Auf und Ab fest und das Vorkommen sei auch zeitlich begrenzt. Eine konsequente Behandlung sei aber ganz wichtig.

Bürgermeister Jochen Steppert (CSU) verwies darauf, dass man mit dem Imkerverein und dem Obst- und Gartenbauverein zwei sehr rührige Vereine in der Gemeinde habe. Die Mitglieder würden auch auf vieles in der Natur aufmerksam machen. In der Gemeinde Kirchlauter habe gerade der dritte Ortsteil mit Goldstatus abgeschnitten. Zur Bewertung gehöre auch der Aspekt "Das Dorf in der Landschaft". Er stellte die Frage, ob die Biene aussterben würde, wenn es die Imker nicht mehr gäbe.

Müller-Englert meinte dazu: "Das würde zu drastischen Zusammenbrüchen führen, aber einzelne Bienen würden überleben. Die Natur findet auch daraus Wege, aber das kann sehr lange dauern und diesen Anpassungsprozess würden wir sicher nicht mehr erleben."

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