Sand am Main
Reise

Im Reich der wilden Tiere

Ein Franke hat seine zweite Heimat in Kenia gefunden. Ein Gespräch über ein Land, in dem "karibu" Willkommen heißt und "mamba" Krokodil.
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Eine Elefantenherde vor dem Kilimanjaro. Günther Schneider
Eine Elefantenherde vor dem Kilimanjaro. Günther Schneider
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Schon nach wenigen Wochen in Deutschland vermisst Günther Schneider die "Pole-Pole!"-Rufe. Und besonders die Elefanten, die Geparden und die Übernachtungen mitten in der Wildnis. Der Franke ist ein riesengroßer Kenia-Fan. Etwa 40 Mal hat er das ostafrikanische Land im vergangenen Jahrzehnt bereist. Seine Faszination für Land und Leute hat schließlich dazu geführt, dass er selbst Safari-Reisen anbietet. Er ist davon überzeugt, dass der Tourismus dem armen Land guttut. Und dass ein Ausflug der "Märzenbrüder" insofern ein Wink des Schicksals war.

Herr Schneider, wer sind die "Märzenbrüder"?
Günther Schneider: Das ist unser Stammtisch in Sand am Main. Wir machen immer wieder zusammen Ausflüge und Urlaub. Eines Tages sind wir nach Kenia geflogen und haben dort eine Safari gebucht. Aber die war schrecklich, eine echte Katastrophe!

Weshalb?
Wir wurden in ein Auto gepfercht, irgendwohin gefahren, wo wir nichts gesehen haben, und dann ging es wieder zurück. Das nannten sie Safari... Wir waren alle total enttäuscht.

Klingt, als müsste man da nie wieder hin.
Genau. Aber mein Freund Heinz Ellmann, ein Kenia-Kenner, der das Debakel miterlebte, überzeugte mich, mal mit ihm auf eine richtige Safari zu gehen. Und die war der Hammer! Die Eindrücke waren phantastisch. Wir haben Elefanten, Geparden, Zebras, Giraffen, exotische Vögel und viele, viele andere Tiere hautnah erlebt. Ich war sowas von begeistert, dass ich das immer wieder erleben wollte!

So begeistert, dass Sie selbst Safaris veranstalten wollten?
Das kam so: Mein Vater hatte nach der Grenzöffnung 1989 damit begonnen, Kurreisen in slowakische Thermalbäder zu veranstalten. Ich habe ihm geholfen und Reisegruppen geführt. Als die Leute mich gefragt haben, was ich denn im Urlaub so mache, habe ich ihnen von Kenia erzählt. Und als dann die Ersten mit mir dorthin reisen wollten, habe ich angefangen, Reisen zusammenzustellen und Safaris anzubieten. Ich kannte ja inzwischen viele Leute und viele komfortable Lodges mitten in der Natur. Abwechselnd mit meinem Freund Heinz habe ich den Leuten Kenia gezeigt. Das hat mir großen Spaß gemacht - und macht es immer noch!

Kenia grenzt unter anderem an Somalia und den Südsudan - Länder, in denen Bürgerkriege blutige Spuren hinterlassen. Generell gilt Ostafrika als arme und unruhige Region. Sollte einen das nicht abschrecken?
Nein. Im Gegensatz zu den Nachbarländern ist Kenia nicht gefährlich; es ist nicht gefährlicher als Berlin. Es gibt Viertel, in denen man aufpassen muss - aber die gibt es in Berlin auch. Der Tourismus bringt den Kenianern wichtige Einnahmen. Wir haben inzwischen viele Freunde unter den Einheimischen, so dass ich sagen kann: Die Menschen sind es wert, dass man gegen ihr schlechtes Image ankämpft.

Wie sind die Menschen denn?
Freundlich, hilfsbereit und überhaupt nicht faul - auch wenn die "Pole-Pole!"-Rufe - das heißt "langsam! langsam!" - einen als quirligen Europäer manchmal verrückt machen können! Wenn man in Mombasa aus dem Flugzeug steigt, ist man in einer anderen Welt, weit weg von der Hektik in Europa. Die Kenianer haben eine Mentalität der Ruhe und sie sind interessiert an ihren Gästen. Bei einem Durchschnittseinkommen von 150 Euro pro Monat sind sie für jeden Touristen dankbar.

Gemeinsam mit den "Märzenbrüdern" haben Sie auch Hilfsaktionen gestartet.
Bei unserer ersten Hilfsaktion konnten wir 100 bedürftigen Familien für einen Monat lang Lebensmittel zur Verfügung stellen. Wir unterstützen zum Beispiel seit langem mit dem FC Sand einen Jugendfußballverein in Mombasa, auch über den Spielfeldrand hinaus. Mit der Zeit sind hier viele Freundschaften entstanden.

Sie waren jetzt gut 40 Mal in Kenia, oft mehrere Wochen lang. Kriegen Sie nicht irgendwann mal genug?
Ich glaube nicht (lacht). Das Land ist einfach faszinierend. Wer einmal eine traumhaft-schöne Ebbwanderung am weißen Sandstrand mitgemacht oder die große Tierwanderung im August gesehen hat - fast zwei Millionen Tiere sind da unterwegs -, der will das immer wieder erleben.

Anfangs haben Sie von Ihrer allerersten, "schrecklichen" Safari erzählt. Wie laufen die Safaris bei Ihnen ab?
Um 6 Uhr fahren wir zur ersten Pirschfahrt, dann gibt es Vormittagspirschfahrt und Nachmittagspirschfahrt bis zum Einbruch der Dunkelheit individuell - nicht im Konvoi. Mit Jeeps und speziellen Safariautos à sechs Personen kann man durchs Hubdach die Tiere beobachten, mitten in der Natur. Wir fahren bis hoch auf 1800 Meter - mancherorts kann man bis zu 200 Kilometer weit schauen. Die Tiere haben immer Vorfahrt. Einmal hat sich ein Löwe in den Schatten unseres parkenden Jeeps gelegt; also haben wir gewartet, bis er wieder gegangen ist. Erst danach sind wir weitergefahren. Wir stören die Tiere nicht. In Kenia dürfen keine Tiere geschossen werden. Wenn wir wieder wegfahren, darf niemand sehen, dass wir da waren. Es herrscht absolutes Plastik- und Vermüllungsverbot. Außer den Reifenspuren darf man nichts von uns sehen - und die verweht der Wind...

Zur Person: Günther Schneider, 64 Jahre, war früher Betriebsleiter bei der Post. Seit zwölf Jahren bietet er Reisen nach Kenia an. Zahlreichen Kunden der Mediengruppe Oberfranken hat er das ostafrikanische Land bereits gezeigt, als Partner von frk-Reisen. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Sand am Main im unterfränkischen Landkreis Haßberge.

Leserreisen: "Auf nach Kenia!" heißt es heuer vom 31. Mai bis 15. Juni, vom 14. Juni bis 29. Juni und vom 24. November bis 9. Dezember 2018. Weitere Informationen gibt es unter www.safari-urlaub-kenia.de


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