Zeil am Main
Zeiler Abend 2018

Ihr Gemeinsinn trägt die Zeiler über das 1000. Jahr hinaus

1000 Jahre ist die Stadt im Maintal alt. Das eine Jahr 2018 zeigte mit vielen Lichtern die Kraft der Menschen hier.
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Die "Waschweiber", Renate Berchtold, Roswitha Hofmann, Katharina Jung und Michaela Pottler (von links), riefen Lachsalven beim Zeiler Abend 2018 hervor. Ihre Szene aus dem Historischen Stadtrundgang erheiterte die über 250 Besucher.Brigitte Krause
Die "Waschweiber", Renate Berchtold, Roswitha Hofmann, Katharina Jung und Michaela Pottler (von links), riefen Lachsalven beim Zeiler Abend 2018 hervor. Ihre Szene aus dem Historischen Stadtrundgang erheiterte die über 250 Besucher.Brigitte Krause
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Mit viel Musik und Unterhaltung bedeutete der Zeiler Abend 2018 in diesem Jahr eine Bilanz zu einem Jubiläumsjahr, das der Fotoclub Zeil am Freitag überdies mit hunderten Bilden in Erinnerung brachte.

Sogar Neues entdeckt

"Da sieht man Sachen, die man noch gar nicht gesehen hat", kommentierte das eine Zeilerin bewundernd. Die Fülle der Aktionen das Jahr über war immens, Bürgermeister Thomas Stadelmann würdigte die Arbeit des Fotoclubs: "Sie waren wirklich überall dabei."

Über 250 Besucher belegten das hohe Interesse der Zeiler an dem Abend, an dem der Bürgermeister ein inneres Fazit zog: Von den Anfängen 2015 aus hatte sich keiner denken können, wie das Jubiläumsjahr in Fahrt kam. "Das Schöne ist", resümierte Stadelmann, "Die, die sich Gedanken machten, sagten nicht: ,Ihr müsst's mach‘, sondern sie haben alles selbst in die Hand genommen."

Es gab kein "Nein"

Und: "Keiner, wirklich keiner,sagte bei einem Ansinnen um Hilfe ,Nein‘". Die Zeiler brauchten keine professionelle Hilfe holen, sie schafften alles aus eigener Kraft. Stadelmann meinte aber auch, es sei ein Glück gewesen, über Historiker in den eigenen Reihen zu verfügen. Geschichte wurde erlebbar und spürbar: "Es ist wichtig, dass wir zu unserer Geschichte stehen", erklärte der Vertreter der Stadt, in der von 1616 bis 1631 über 400 Menschen wegen des Hexenwahns starben. Stadelmann lobte die Heimatgeschichtler Ludwig Leisentritt, Alois Umlauf, Martin Schlegelmilch und Christoph Winkler.

Der Bürgermeister erinnerte an viele Höhepunkte, sprach dem Komponisten des Zeiler Jubiläumsliedes, Oliver Kunkel, noch einmal Dank aus ("Ich wusste gar nicht, was man alles braucht, um singen zu können."), und würdigte die Intensität, mit der sich Klaus Diedering hinter das Unterfangen stellte,einen 1000-Stimmen-Chor zu organisieren. Herzlich lachen mussten alle über die Anekdote, wie das Orga-Komitee losdüste nach Waischenfeld, um sich Ratschläge für das Zusammenstellen eines solch großen Chors zu holen - und sich nach Navi-Leitung kläglich verfuhr.

Am Ende stand "Gänsehaut-Feeling", sagte Bürgermeister Stadelmann zu dem Tag, als sich tatsächlich mehr als 1000 Menschen auf dem Marktplatz versammelt hatten, um das neue Zeiler Lied anzustimmen.

Es war ein tolles Jubiläumsjahr, meinte der Bürgermeister: "Auf die Zeiler kann man sich verlassen!"

Eindrucksvolle Szenen - wenn auch nicht an den Originalschauplätzen des Historischen Stadtrundgangs im September - fesselten denn auch beim Zeiler Abend die Besucher. So spielten Oliver und Leo Dellert Vater und Sohn Degen. Von dem späteren 43. Abt des Ebracher Klosters hatte es immerhin einst geheißen, er sei der Sohn einer Hexe gewesen. Tatsächlich war die Mutter auf dem Scheiterhaufen gestorben. Ähnlich auch die Szene mit dem einstigen Bürgermeister Johann Langhans (dargestellt von Christoph Winkler), der den Zeilern ein Tagebuch hinterließ, in dem er die Hexenverfolgung in Zeil akribisch notiert hatte. Am Ende wurde er selbst Opfer dieses Wahns, den in der Szene des Historischen Stadtrundgangs, geschrieben von dem Stettfelder Theaterautor Christian Ziegler, ein Chor verbildlichte, der durch die Menge ging (Michael Minnich, Dietmar Herrnleben, Christian Kann, Reinhard Zehnder, Edgar Popp und Harald Gogger).

Ein Quartett mit frechem Mundwerk

Viel zum Schmunzeln hatten die Besucher schließlich auch bei den Waschweibern, die historische Anekdoten humorvoll vortrugen - bis hin zu der Anekdote des Bürgermeisters, des "Bolandis", der in den 1960er-Jahren einmal einem Mädchen das Handarbeitszeug in die Schule brachte - zusammengesucht von Ludwig Leisentritt. Dem Zeiler "Bürgermeister-Bolandi" überreichten sie vier weiße Rosen und knuddelten ihn für sein Engagement.

Weitere Akteure des Abends waren die Abt-Degen-Bläser und das Ölschnabel-Trio sowie am Ende Norbert Dürrbeck als Drehorgelmann aus Ziegelanger, der mit Vertretern aus den Zeiler Stadtteilen (aus Bischofsheim hatte sich keiner gefunden), der Stadt Zeil launig zum Geburtstag gratulierte. Mit dabei waren Walter Keicher aus Sechsthal, Edgar Popp aus Krum und Manfred Schneidawind aus Schmachtenberg.

Wie der Zeiler Schnabel gewachsen ist...

Moderatorin des Abends war einmal mehr Julia Melchior (in der historischen Kleidung der Richhild), die gelungene und geschliffene Sentenzen nach mittelalterlicher Manier zum Besten gab, ebenso wie köstliche Bonmots: "Wenn zwei Frauen miteinander reden, sitzt der Teufel in der Ecke."

Für Licht und Klang verantwortliche zeichnete das Technik-Team mit Christian Hömer, Josch Naumann und Werner Bauer.

Die Verköstigung und Bewirtung der Besucher übernahmen der Obst- und Gartenbauverein Zeil sowie das Team der "Zeiler Jugendzünder".

Die drei Fotosessions des Zeiler Fotoclubs mit wunderschönen Bildern von den Jubiläums-Veranstaltungen, der Zeiler Landschaft und Natur, der Zeiler Persönlichkeiten und Eigenheiten hatten Martin Schlegelmilch, Markus Stadler sowie Hans-Werner Kranz zusammengestellt; die Bilder stammen von Norbert Biener, Helmut Förster, Volker Bergmann sowie Schlegelmilch und Stadler.

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