Haßfurt
Verhandlung

"Idiotische" Taten führen in den Knast

Das Amtsgericht Haßfurt verurteilte einen 41-jährigen Familienvater wegen Betrugs und Diebstahls zu Freiheitsstrafe.
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Die moderne Informationstechnik wurde einem 41-jährigen Familienvater aus dem Maintal, der am Dienstag auf der Anklagebank des Amtsgerichts in Haßfurt saß, zum Verhängnis. Der Angeklagte hatte laut Staatsanwaltschaft 1142,35 Euro zu Unrecht vom Arbeitsamt kassiert, weil er sich erst zum 2. April 2018 als Leistungsempfänger abmeldete, obwohl er bereits seit 1. März 2018 einen Job hatte.

Der 41-Jährige versicherte vor Gericht, dass er sich rückwirkend zum 1. März 2018 per Internet abgemeldet habe. Dies entspreche nicht den Tatsachen, sagte eine Mitarbeiterin des Arbeitsamts im Zeugenstand. Der Angeklagte habe auf einem Online-Formular den 2. April 2018 als Abmeldedatum angegeben. "Wir können das Formular nicht ändern", sagte die Mitarbeiterin und legte dem Gericht einen Computerausdruck des Formulars vor, das den 41-Jährigen des Betrugs überführte.

Es war nicht der einzige Fehltritt, für den er sich verantworten musste. Seine Vertrauensposition in dem Unternehmen nutzte er im August vergangenen Jahres schamlos aus. Am 9. August 2018 gegen 18.50 Uhr entwendete er aus dem Tresor, für den er einen Schlüssel besaß, 320 Euro. Sein Pech: Der 41-Jährige wurde dabei von einer Videokamera gefilmt, die die Firma installiert hatte, nachdem es immer wieder zu Differenzen im Bargeldbestand gekommen war.

Die Konsequenzen für seine beiden Missetaten sind für den Familienvater drastisch: Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten - ohne Bewährung. Denn zum Tatzeitpunkt stand der vierfach Vorbestrafte bereits unter zweifacher offener Bewährung für einschlägige Taten. Sollte die Bewährung für diese Taten widerrufen werden, muss der Verurteilte für mehr als zwei Jahre hinter schwedische Gardinen einrücken.

Der Staatsanwalt hatte zuvor für den "klassischen Betrüger" eine Freiheitsstrafe von einem Jahr gefordert, womit er bei Verteidiger Peter Auffermann auf "ungeteilte Zustimmung" stieß. Die Familie seines Mandanten sei über die Taten "entsetzt". Der Anwalt bezeichnete den Antrag des Staatsanwalts als "moderat" und verzichtete darauf, selbst einen Antrag zu stellen.

Der Angeklagte bezeichnete den Diebstahl als "größte Dummheit". Er versuchte seine Taten damit zu erklären, dass er im vergangenen Jahr Vater wurde, was ihm den "Kopf von links nach rechts gedreht" habe.

Richterin Ilona Conver verurteilte die Taten als "idiotisch". "Man langt sich ans Hirn, es rollt einem die Fußnägel hoch. Wie kann ein Familienvater so etwas Schwachsinniges machen?", redete sie dem Verurteilten ins Gewissen. Erst am 7. März vergangenen Jahres sei er wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Eine Woche später habe er die nächste Straftat begangen. "Sie haben eine Rückfallgeschwindigkeit wie Speedy Gonzales", bemühte sie den Vergleich mit der "schnellsten Maus von Mexiko". Die Sozialprognose sei "düster", eine Haftstrafe daher unvermeidbar. 1092,35 Euro werden als "Wertersatz" eingezogen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



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