LKR Haßberge
Heirat

Hürden bei konfessionsverschiedenen Ehen

Im weißen Kleid zum Altar zu schreiten, davon träumen viele Frauen. Bis 1970 war es für Katholiken aber nahezu unmöglich, einen Protestanten zu heiraten - und umgekehrt. Heute stolpert man nur noch über formale Hindernisse.
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Die Hauptpersonen der kirchlichen Trauung von Silke und Gerald Rohé in Wonfurt 2008: Pfarrer Hans Körner, Pfarrer Wolfgang Stettler, Braut und Bräutigam (von links).  Foto: privat
Die Hauptpersonen der kirchlichen Trauung von Silke und Gerald Rohé in Wonfurt 2008: Pfarrer Hans Körner, Pfarrer Wolfgang Stettler, Braut und Bräutigam (von links). Foto: privat
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Bei der Bezeichnung geht es schon los: Gehen ein katholischer und ein evangelischer Partner eine konfessionsverbindende oder eine konfessionsverschiedene Bindung ein? Der frühere Begriff "Mischehe", so viel steht fest, ist bei Katholiken und Protestanten gleichermaßen verpönt.

Bis 1970 waren Pfarrer nach katholischem Kirchenrecht angehalten, ihre Schäflein von den sogenannten Mischehen möglichst abzuhalten. War es dafür schon zu spät, galt eine Bekehrung des nichtkatholischen Partners als wünschenswert. Wer dagegen als Katholik seine Kinder nichtkatholisch taufen oder erziehen ließ, zog sich automatisch die Exkommunikation zu.

Kirchenrecht erst 1970 gelockert

Erst das Papst-Dokument "Matrimonia mixta" schuf die kirchenrechtliche Grundlage für Ehen über Konfessions- und Glaubensgrenzen hinweg. Ein Sorgenkind blieben die gemischten Ehen aber trotzdem.

Als sich Silke und Gerald Rohé in Wonfurt 2008 das Ja-Wort gaben, war die Ehe zwischen Katholiken und Protestanten schon lange nichts Besonderes mehr. Die Katholikin und der Protestant haben 2008 in der katholischen Kirche in Wonfurt geheiratet - aus ganz praktischen Gründen. "Wir wollten unbedingt in Wonfurt heiraten und eine evangelische Kirche gibt es hier ja nicht", sagt Silke Rohé.

Bei Bei der Wahl des Ortes für die kirchliche Trauung stoßen viele Katholiken erstmals an die Grenzen ihrer Glaubenskirche. "Nach katholischem Kirchenrecht müssen die Paare in einer katholischen Kirche oder einer offiziellen Kapelle heiraten", erklärt Pfarrvikar Thomas Drexler. Entscheide sich das Paar dagegen dazu, evangelisch zu heiraten, benötige der katholische Partner eine "Formdispens" (also die Erlaubnis) des Bischofs von Würzburg, damit die Hochzeit im evangelischen Ritus auch für ihn gültig ist.

Gutachten beeinflusst das Gericht

Der Geistliche aus der Pfarrei Oberschleichach ist Spezialist für Kirchenrecht. Er arbeitet nicht nur in der Gemeinde, sondern auch im bischöflichen Offizialat (Kirchengericht) des Bistums Würzburg. Dort überprüft er als "Ehebandverteidiger" laufende Ehe-Annullierungen daraufhin, welche Gründe für eine gültige Ehe sprechen. Hegt der 43-Jährige schwere Bedenken daran, ob eine Ehe aufgelöst werden sollte, kann sein Gutachten die Entscheidung des Gerichts beeinflussen.

Aber wer will schon an Annullierung denken - zurück zur Eheschließung! Thomas Drexler empfiehlt allen konfessionsverschiedenen Heiratswilligen, auf jeden Fall das Gespräch mit einem katholischen Pfarrer zu suchen - selbst wenn man in einer evangelischen Kirche nach evangelischem Ritus heiraten will.

Warum? Ein Beispiel. Viele Paare wünschen sich eine kirchliche Trauung in der Kapelle von Burg Mainberg, einer beliebten Traukulisse in der Nähe von Schweinfurt. Aus katholischer Sicht ist das aber kein würdiger Ort, weil die Kapelle nicht geweiht ist. "Es sieht zwar aus wie eine Kapelle, ist aber eigentlich nur ein Wohnzimmer", sagt Drexler. Würzburg erteilt keine Dispens. Auch nicht für eine "ökumenische" Eheschließung.

"Hausrecht" der Kirche

Für eine solche hatten sich Silke und Gerald Rohé entschieden. Pfarrer Hans Körner (evangelische Gemeinde Rentweinsdorf und Salmsdorf) hielt die Predigt, der katholische Pfarrer Wolfgang Stettler (Schweinfurt) gab dem Brautpaar seinen Segen. Eine ökumenische Eheschließung erfolgt nach dem Ritus der Kirche, in der geheiratet wird - in diesem Fall katholisch mit evangelischer Assistenz.

Die Glaubensfrage spielt im Alltag des Paares keine große Rolle mehr. Silke Rohé engagiert sich im katholischen Pfarrgemeinderat. Ihr Mann Gerald besuchte jahrelang den evangelischen Männerkreis und kann auf eine beeindruckende Zahl evangelischer Pfarrer in seiner Familiengeschichte zurückblicken.

Seine beiden Kinder Friedrich (ein Jahr) und Katharina (drei) erzieht das Paar christlich. "Wir überlegen nicht, was katholisch oder evangelisch ist", sagt Gerald Rohé.

Strittige Kindererziehung

Dabei steht im katholischen Ehevorbereitungsprotokoll (der Leitfaden des Geistlichen beim Traugespräch) auch die Frage, ob sich der katholische Ehepartner dazu verpflichtet, seine Kinder in der katholischen Kirche taufen zu lassen und im katholischen Glauben zu erziehen. Pfarrvikar Drexler relativiert: "Wir erwarten vom katholischen Partner, dass er sich um die katholische Taufe und Erziehung bemüht. Wir wollen aber nicht, dass er ständig darum streiten muss und dadurch seine Ehe gefährdet."

In einem anderen Fall kennt der Gottesmann dagegen kein Pardon: "War ein Partner bereits vorher kirchlich oder zivil verheiratet, muss geprüft werden, ob diese Ehe nach Kirchenrecht annulliert werden kann. Aus katholischer Sicht gibt es keine Scheidung. Derjenige ist also noch verheiratet", erklärt Thomas Drexler. War die Trauung eines Katholiken dagegen nur standesamtlich, könnte die Ehe aus katholischer Sicht wegen Formmangel nichtig gewesen sei und eventuell auf dem Verwaltungsweg schneller aufgelöst werden. Etwa eineinhalb Jahre lang dauert etwa ein Annullierungsprozess, der über mindestens zwei Instanzen geht.

Und was muss man aus evangelischer Sicht bei einer kirchlichen Heirat beachten? Recht wenig, darum kommt sie erst jetzt zu Wort. Der Zeiler Pfarrer Hans-Christian Neiber verweist bei Heiratsfragen gelassen auf einen kurzen Text auf der Homepage der Zeiler Kirchengemeinde und sagt: "Im christlichen Spektrum sind sich die Kirchen einig. Nur erkennt die evangelische auch standesamtlich geschlossene Ehen an."

Kurzes Schweigen. "Der katholischen Annullierung der Ehe stimmen wir nicht zu", ergänzt Pfarrer Neiber. Und schweigt.





























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