Buch
Restaurierung

Holzkreuz bei Buch steht wieder

Dieter Pischel und Peter Bohnengel haben ein Wahrzeichen des Thereser Gemeindeteils saniert und neu aufgestellt.
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Dieter Pischel hängt das letzte Schild auf. Das restaurierte Kreuz bei Buch steht wieder.  Christian Licha
Dieter Pischel hängt das letzte Schild auf. Das restaurierte Kreuz bei Buch steht wieder. Christian Licha
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In neuem Glanz erstrahlt im Thereser Gemeindeteil Buch das Marterl am Ortseingang. Etwas versteckt zwischen Büschen und Bäumen steht das vier Meter hohe Kreuz bereits seit über 20 Jahren am Straßenrand. Jetzt wurde es renoviert. Seinerzeit hatte es der Bucher Winfried Lenhardt eigenhändig hergestellt. Mit Lederhose, kariertem Hemd und Bart war Lenhardt ein Original und auch unter dem Namen "Herrgottsschnitzer" bekannt. Sein Leben war das Schnitzen und er ging diesem Hobby bis zu seinem Tod nach.

Im Laufe der Jahre verwitterte und vermorschte der Bildstock zusehends. Die Jesusfigur hatte viele Risse und fehlende Teile. Am Eichenstamm nagte der Zahn der Zeit. Die beiden Bucher Dieter Pischel und Peter Bohnengel wollten das Kleindenkmal auf jeden Fall bewahren und steckten in den vergangenen Monaten viel Zeit in dessen Restaurierung.

Bohnengel, der auch einer von mehreren Mesnern ist, schnitt aus dem Holzbalken die kaputten Segmente heraus und ersetzte sie durch eine 1,5 Meter lange Holzbohle, die die Gemeinde Theres zur Verfügung stellte. Der passionierte Hobbybastler Pischel widmete sich den Feinheiten. Mit einem kleinen Schnitzermesser schabte er die Oberfläche des Korpus' komplett ab, Zentimeter für Zentimeter. Mit einer speziellen Tinktur, dessen Zusammensetzung der gelernte Maurer nicht verrät, wurde das alte Lindenholz dabei geschmeidiger. "Ein Arm war schon weggebrochen", beschrieb der 60-Jährige den Zustand der 80 Zentimeter großen Figur beim Beginn seiner Arbeiten.

Der obere Körperteil wurde, genauso wie ein fehlender Fußzeh, neu angezapft und angeleimt. Auch am Handgelenk und im Brustbereich wurde das Holz ersetzt. Über 100 Stunden saß Dieter Pischel insgesamt in seiner Werkstatt, ehe der Jesus gebeizt und neu lackiert wurde. Vor kurzem war es dann endlich soweit, dass das Holzkreuz wieder in der Flur aufgestellt werden konnte.

Zusammen mit den weiteren Helfern Ewald Röthlein und Manfred Klüpfel transportierten Pischel und Bohnengel den hölzernen Bildstock zu seinem angestammten Platz. Fest verankert in einer Bodenhalterung hat er einen sicheren Halt. Über dem Korpus sieht man die Buchstaben I. N. R. I., welche die Initialen des lateinischen Satzes "Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum" sind, zu Deutsch: Jesus von Nazaret, König der Juden. Darunter hängt noch ein Schild mit einem Spruch, den damals Winfried Lenhardt geschrieben hatte: "Es wird Jahr um Jahr vergehn und die Welt sich weiterdrehn, doch das Kreuz bleibt ewig stehn."

Bereits im Jahre 1956 war ein Wegkreuz aufgestellt worden. "Zum Dank für die neue Straße Obertheres-Buch wurde am Samstagnachmittag in Buch am Ortsausgang in Richtung Obertheres ein neues Marterl eingeweiht, das der Arbeiter Leo Streit stiftete", stand damals in der Zeitung zu lesen. Dieter Pischel erinnert sich noch genau an den Tag, als 1973 die Amerikaner ein Manöver nahe seinem Heimatdorf hatten: "Da war ich gerade in der Lehre." Mit ihren schweren Autos hatten die Streitkräfte damals das Kreuz versehentlich umgefahren und ließen es zerstört liegen. Auch sonst kümmerte sich damals niemand darum. Dem jungen Dieter Pischel tat das im Herzen weh, so dass er den Korpus rettete, der in rund 20 Einzelteilen im Matsch lag. Er leimte die Jesusfigur wieder zusammen, ehe sie das Haus seines Bruders jahrelang verzierte. Später wurde der Jesus nach Ebern verschenkt, wo ihn Pischel vor zwei Jahren ausfindig machen konnte und wieder zurück nach Buch holte. Der mit 40 Zentimetern etwa halb so großen wie der jetzt aufgestellten Figur wird sich Dieter Pischel in der nächsten Zeit widmen und sie ebenfalls restaurieren. In seinem Garten hat der Bucher eine Grotte, wo der Korpus dann hängen soll.

Und ein anderes Projekt haben Dieter Pischel und Peter Bohnengel schon im Auge. Die kleine Kapelle in der Oberthereser Straße hat nach einem Sturmschaden gelitten. Ein Loch in der Wand, einen kaputten Türstock und ein auseinandergerissenes Kreuz wollen die beiden im Laufe des Jahres wieder richten. Über den Thereser Bürgermeister hat das Amt für Denkmalschutz bereits grünes Licht gegeben. Mit ihrer fachgerechten Arbeit, die sie ja schon mehrfach unter Beweis gestellt haben, und dem Material, das dem Bestand ähnelt, werden die Ehrenamtlichen auch dieses Kleinod wieder zum Leuchten bringen.



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