Kirchlauter
Kommunalpolitik

Hohe Lebensqualität und mächtige Herausforderungen

In Kirchlauter berichtete Landrat Wilhelm Schneider über die großen Themen der Kreispolitik und warb für die Vorzüge des Lebens im Landkreis.
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Das älteste CSU-Mitglied, das gleichzeitig vor 60 Jahren den Ortsverband Neubrunn gründete, ist Elmar Rennert (links), der so manche Begebenheit aus der früheren Zeit ansprach, mit CSU-Vorsitzender Lilo Stubenrauch und Landrat Wilhelm Schneider (rechts).Foto: Günther Geiling
Das älteste CSU-Mitglied, das gleichzeitig vor 60 Jahren den Ortsverband Neubrunn gründete, ist Elmar Rennert (links), der so manche Begebenheit aus der früheren Zeit ansprach, mit CSU-Vorsitzender Lilo Stubenrauch und Landrat Wilhelm Schneider (rechts).Foto: Günther Geiling
"Die 26 Gemeinden sitzen mit dem Landkreis gleichsam in einem Boot, zumal sich der Landkreis zu rund 50 Prozent über die Kreisumlage der Gemeinden finanziert." Dies betonte Landrat Wilhelm Schneider am Freitagabend beim "Fischessen" des CSU-Ortsverbandes Neubrunn-Kirchlauter im "Oskar-Kandler-Zentrum". Der Landkreis greife mit ein, wenn die Kommunen selbst nicht in der Lage sind, Pflichtaufgaben zu bewältigen, wie jetzt beim Tierheim oder der Klärschlammentsorgung. "Er hat aber auch selbst große Herausforderungen wie die Zukunft der Haßbergkliniken oder die Schwerpunkte in Richtung Schulen mit der Sanierung der Heinrich-Thein-Berufsschule in Haßfurt oder dem Neubau des Friedrich-Rückert-Gymnasiums in Ebern."

CSU-Ortsvorsitzende Lilo Stubenrauch freute sich über das große Interesse von Mitgliedern und Bürgern und gab einen kurzen Bericht über die Veranstaltungen des Vorjahres mit dem Grillfest zusammen mit dem CSU-Ortsverband Breitbrunn oder der Informationsveranstaltung über den "ländlichen Raum" mit MdL Steffen Vogel. In der Planung seien nun ein erstes Stammtischgespräch am 26. April, ein Grillfest am 29. Juni, eine Veranstaltung zur Landtagswahl sowie die Beteiligung am großen Erntedankzug am 30. September in Neubrunn.


Das Vertrauen schwindet

Lilo Stubenrauch stellte die Ehrung von Elmar Rennert heraus, der seit 60 Jahren der CSU angehöre und den CSU-Ortsverband Neubrunn gegründet habe. Rennert, seit 1957 bei der CSU, stellte rückblickend fest, dass die Bürger früher viel mehr Vertrauen in die Politik und auch die Politiker gesetzt hätten. "Ein politisches Wort hat da noch etwas gegolten. Heute wird oft Stunden und Stunden geredet und hinterher weiß man eigentlich nicht, was jetzt Sache ist."

Man habe viele Veranstaltungen wie politische Frühschoppen abgehalten, zu denen die Bürger sehr rege gekommen seien. Dabei erinnerte er auch an seine Zeit im Kreistag von Ebern noch unter Landrat Reuther und dann im neuen Landkreis Haßberge mit Landrat Walter Keller.


Hoffnung durch Bayerns Sonderweg

Eine besondere Qualität, so der heutige landrat Wilhelm Schneider, habe die Diskussion um die Haßberg-Kliniken und die stationäre Versorgung im Landkreis, für die der Landkreis zuständig sei. Viele Häuser der Grundversorgung hätten finanzielle Schwierigkeiten. Dies sei aber ein strukturelles Problem, weil das jetzige Erstattungssystem nicht für Häuser der Grundversorgung passe, diese weniger Einnahmen bekämen, aber oft die gleichen Kosten wie größere Häuser hätten.

So habe man auch das Haus in Hofheim schließen müssen. "Und wer schließt schon gerne eine Geburtsabteilung, die doch eigentlich das Positivste im Krankenhaus ist, weil dort Kinder geboren werden?", fragte Schneider. Der Verwaltungsrat habe den intelligenten Beschluss getroffen, die Abteilung nicht zu schließen, wenn sich Rahmenrichtlinien änderten. Dies sei aber nun erfolgt und Bayern habe als einziges Bundesland einen eigenen Weg eingeschlagen, "der allerdings für uns noch nicht die Garantie ist, dass wir die Kriterien erfüllen. Wir kämpfen deswegen aktuell dafür, dass diese 50 Prozent an einheimischen Geburten nicht als absolute Grenze angesehen werden."


Landrat rechtfertigt Sparkassen-Fusion

Zur Fusion der Sparkasse sagte er, müsse man sich natürlich fragen lassen, warum man diese betreibe, wenn es der Sparkasse Ostunterfranken doch eigentlich ganz gut ging. "In zwei bis drei Jahren sieht das aber vielleicht ganz anders aus, denn den Sparkassen ist durch die Niedrigzinsphase das Geschäftsmodell der Zinsen entzogen worden. Sie müssen mehr Sicherheiten erbringen und können dies nur über Reduzierung der Kosten oder auch der Filialen erreichen." Jetzt sei man jedoch bei den Verhandlungen noch gleichberechtigter Partner gewesen und nach seiner Meinung werde die Sparkasse Schweinfurt-Haßberge nach kleinen Anfangsschwierigkeiten auch laufen.


Aufschwung imNnahverkehr

An großen aktuellen Themen nannte der Landrat den Beitritt zum Verkehrsgroßraum Nürnberg (VGN), durch den man große Vorteile habe, der aber auch erst einmal viel Geld koste. In der Summe bedeute er für alle Bürger Vorteile, wobei man auch kleine Nachteile nicht verschweigen könne. Auf jeden Fall brauche man jetzt Richtung Bamberg oder Nürnberg nur noch eine Fahrkarte und dies sei wichtig für Pendler, von denen es sowohl Richtung Bamberg-Nürnberg als auch Richtung Schweinfurt-Würzburg jeweils 7000 bis 8000 gebe.


Große Bauprojekte

Bei den aktuellen Maßnahmen nannte er den Abschluss der Arbeiten an der Wallburg-Realschule und der Sporthalle in Eltmann, die Fertigstellung des Hallenbades in Ebern und richtete den Blick auf die Sanierung der "Heinrich-Thein-Berufsschule" in Haßfurt mit 26 Millionen Euro, den Neubau des "Friedrich-Rückert-Gymnasiums" in Ebern mit 25 Millionen Euro oder auch die Beteiligung an der Schreinermeisterschule in Ebern mit drei Millionen Euro. Zum Glück bekomme der Landkreis derzeit Bedarfszuweisungen und eine bessere Förderung mit 70 Prozent durch den Freistaat Bayern.

Man wolle natürlich die Verschuldung nicht zu sehr nach oben treiben, habe nach Abschluss der nächsten Maßnahmen aber eine sehr gute Ausstattung der Schulen und Kindertageseinrichtungen. Auch wolle man Projekte wie "Abi und Auto" oder den Bereich "duales Studium" im Landkreis noch mehr in den Fokus stellen.


Verdienste und Gefahren der Demokratie

Schneider meinte, dass man froh und dankbar sein müsse, in dieser Demokratie zu leben, zu der auch Bürgerinitiativen gehörten. Dies sagte er mit Blick auf die Initiative gegen die Windräder auf dem Tonberg, von der einige Vertreter zu der Versammlung gekommen waren. Darüber freute er sich und meinte, "man muss auch nicht immer einer Meinung sein, und verschiedene Meinungen führen dann oft zu einem besseren Ergebnis." Für bedenklich hielt er es aber, wenn vielleicht 460 000 SPD-Mitglieder über die Zukunft von Deutschland und damit über 85 Millionen Einwohner entscheiden sollen. Ob man so etwas dann noch Basisdemokratie nennen könne?

Schließlich forderte Landrat Schneider seine Zuhörer dazu auf, die Vorzüge des Lebens im ländlichen Raum mehr in den Fokus zu rücken. So gebe es die niedrigste Kriminalstatistik, die Kinder hätten guten Einrichtungen, das Vereinsleben funktioniere noch und auch die Nachbarschaftshilfe werde großgeschrieben. Im städtischen Raum seien solche Dinge nicht so vorhanden oder seien Wohnungen oder die Betreuung von Kindern mit enormen Kosten verbunden. "Bei uns herrscht aber eine gute Lebensqualität vor".


Rege Diskussion

Die Zuhörer beteiligten sich mit vielen Beiträgen an einer regen Diskussion. Dabei war es für manchen nur schwer verständlich, dass man in Ebern eine Schule nach so kurzer Zeit abreiße, während in den Dörfern noch heute Schulen stünden, die über 200 Jahr alt seien. Die Frage nach einem Konzept für die Haßbergkliniken wurden ebenso angesprochen, wie Gespräche mit Frauenärzten, um die Geburten im Haus Haßfurt zu steigern.


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