Durch die Diskussionen im Hofheimer Stadtrat geisterte am Donnerstagabend ein Begriff, der auf den ersten Blick so gar nicht zum Thema passen wollte. "Wasserschutzbrot" wurde immer wieder genannt, in erster Linie von Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU). Worum es ihm ging, ist ein Umweltstandard, den er nicht nur mit der Stadt, sondern mit der gesamten Hofheimer Allianz anstrebt. Die Allianz umfasst die Kommunen in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hofheim und die Marktgemeinde Maroldsweisach.

Konkret ging es um einen Antrag der SPD-Stadträtin Judith Geiling. Sie hatte bereits im September die Forderung eingereicht, der Stadtrat möge das krebsverdächtige Pflanzenschutzmittel Glyphosat auf städtischen Flächen verbieten. Vorbild ist die Stadt Haßfurt, die ein solches Verbot erlassen hat. Am Donnerstagabend diskutierte der Hofheimer Stadtrat in der Sitzung im Interkommunalen Bürgerzentrum über das Thema und lehnte bei fünf Gegenstimmen ein Glyphosat-Verbot auf Grundstücken der Stadt ab.

Borst machte deutlich, dass ein Glyphosat-Verbot zwar gut gemeint sei, aber eher das Gegenteil bewirken kann. Er befürchtet, ein Verbot der umstrittenen Substanz könnte dazu führen, dass Landwirte dann auf andere, noch bedenklichere Pflanzenschutzmittel zurückgreifen. "Mit einem Glyphosat-Verbot "erreiche ich gar nichts", machte er deutlich. Er will eine "Lösung, die sinnvoll und nachhaltig ist". Und er unterbreitete einen Vorschlag, von dem er sich vorstellen könnte, dass er auf das gesamte Allianz-Gebiet ausgedehnt wird.

Laut Borst sollten zunächst auf den rund 200 Hektar Wasserschutzgebiet im Allianz-Raum alle Herbizide und damit auch Glyphosat ausgeschlossen werden. Ferner sollte dort die Düngung stark reduziert oder sogar ganz weggelassen werden. Als Basis könnte er sich die Vorgaben nach dem sogenannten Wasserschutzbrot vorstellen.

An der Initiative "Wasserschutzbrot" ist die Regierung von Unterfranken beteiligt. Die Aktion verbindet Wasserversorger, Landwirte, Müller und Bäcker für den Grundwasserschutz in Unterfranken. Landwirte verzichten danach, wie die Behörde in Würzburg erklärt, "auf die letzte Stickstoffdüngung ihres Weizens. Somit verringert sich das Risiko der Nitrat-Auswaschung in das Grundwasser. Das grundwasserschonend angebaute Getreide wird getrennt vermahlen. Anschließend gelangt dieses Mehl ausschließlich zu den an diesem Projekt beteiligten Bäckern, die daraus... ein Wasserschutzbrot backen."

Die Wasserschutzgebiete hält Borst für einen geeigneten Einstieg für einen solchen Herbizid-Verzicht, weil dort die Landwirte schon unter Vertragsnaturschutz-Bedingungen arbeiten. Für den höheren Aufwand entschädigt die Stadt die Bauern. Diese Entschädigungen dürften weiter steigen, wenn weitere Auflagen verlangt werden. Borst sprach von zusätzlich 3000 bis 4000 Euro zu den bereits jetzt gewährten rund 20 000 Euro. Schrittweise könnten diese Bedingungen der schonenden Bewirtschaftung dann auf weitere städtische Flächen ausgedehnt werden, sobald dies die Pachtmodalitäten zulassen, schlug der Bürgermeister vor.

Das Konzept kam an. Es gab keinen Widerspruch im Stadtrat. Sogar Antragstellerin Judith Geiling meinte: "Ich freue mich, wenn die Allianz in die richtige Richtung geht." Ihren Antrag auf ein Glyphosat-Verbot hielt sie dennoch aufrecht und bekam Unterstützung von den beiden Stadträten Ralf Wunderlich (FDP) und Hubert Bergmann (SPD). Sie argumentierten, man könne das Glyphosat auf städtischen Grundstücken verbieten und dann in der Richtung weitermachen, wie es Borst vorgebracht habe. "Das wäre überragend", sagte Bergmann.

Der Stadtrat lehnte bei fünf Gegenstimmen das von Judith Geiling geforderte Glyphosat-Verbot ab. Bei einer Gegenstimme nahm der Rat das von Bürgermeister Borst favorisierte Konzept an.