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"Hoffnungsvolles Signal" für die Klinik in Haßfurt

Der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken hat den Beschluss zur Schließung der Geburtshilfe-Station aufgehoben.
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Das Krankenhaus in Haßfurt:
Das Krankenhaus in Haßfurt:
Der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken hat sich am Donnerstagnachmittag auf Antrag von Kreisrat Steffen Vogel (CSU) mit der Geburtshilfe im Krankenhaus Haßfurt befasst. Das Gremium tagte nichtöffentlich bis in die Abendstunden. Das Landratsamt Haßberge in Haßfurt gab am Freitagmorgen das Ergebnis bekannt, wonach die Geburtshilfe am Krankenhaus in Haßfurt doch nicht, wie ursprünglich geplant, Ende 2018 geschlossen werden soll. Eine Einschränkung machte der Verwaltungsrat allerdings.

Anlass für die Beratungen war, dass der Ministerrat des Freistaats Bayern ein "Zukunftsprogramm Geburtshilfe" auf den Weg gebracht hat. Die Verwaltungsratsmitglieder sehen in dem Förderprogramm den Angaben zufolge ein positives Signal für eine zusätzliche Finanzierung. Für diesen Fall hatte der Verwaltungsrat bereits bei seinem Beschluss am 15. Mai 2017 vorgesehen, den Schließungsbeschluss zurückzunehmen. Genau das hat der Verwaltungsrat nun getan.

Sein Beschluss lautet, wie die Behörde in Haßfurt weiter mitteilte: "Der Verwaltungsrat der Haßberg-Kliniken hebt den Beschluss zur Schließung der Geburtshilfestation im Haus Haßfurt zum 31. Dezember 2018 auf und beschließt die Fortführung des Betriebs der Geburtshilfe-Station, sofern eine Förderung in 2018 erreicht wird."

2018 wird es den Angaben zufolge insbesondere darum gehen, die Vorgabe des "Zukunftsprogramms Geburtshilfe" zu erfüllen, dass mindestens die Hälfte der Anzahl der Neugeborenen im Landkreis Haßberge in den Haßberg-Kliniken zur Welt kommt. Haßfurt hat die einzige Geburtshilfe-Station im Kreis Haßberge. Zuletzt wurde die geforderte Quote, dass 50 Prozent der Neugeborenen in der Haßfurter Geburtshilfe auf die Welt kommen, knapp nicht erreicht.

Landrat Wilhelm Schneider (CSU) freut sich, dass dem geburtshilflichen Team nun "eine gute Prognose für den Fortbestand der Abteilung gegeben ist. Ohne das Engagement und die gute Arbeit unserer Hebammen, Ärzte und dem Pflegepersonal hätten wir nicht erreicht, dass die Staatsregierung über eine Sonderfinanzierung zur Strukturerhaltung nachgedacht hat. Die Staatsministerin Melanie Huml war hier vor Ort und war beeindruckt", sagte der Landrat nach der Sitzung. Insgesamt wertet der Verwaltungsrat die neue Lage als "hoffnungsvolles Signal".

Froh sind die Hebammen am Haßfurter Krankenhaus, dass der Beschluss zur Schließung vom Tisch ist. "Wir freuen uns sehr" und "sind erleichtert", sagte Carola Lutsch, die seit 32 Jahren als Hebamme in der Haßfurter Klinik tätig und damit die dienstälteste Hebamme dort ist. Sie und ihre Kolleginnen wollen daran arbeiten, dass die Bedingungen für die Förderung erfüllt werden. Dazu gelte es, die Situation zu analysieren und herauszufinden, wo noch Potenzial ist, konkret, wo die werdenden Mütter sind, die nach Haßfurt kommen könnten - und nicht in andere Kliniken außerhalb des Landkreises. Carola Lutsch sieht den Verwaltungsratsbeschluss als Chance für sich und ihre Kolleginnen.

Wie unsere Redaktion aus zuverlässiger Quelle erfahren hat, fasste der Verwaltungsrat den Beschluss am Donnerstag einstimmig. Um die 50-Prozent-Forderung zu erfüllen, wollen sich die Verantwortlichen vor allem an die Frauenärzte und anderen Mediziner wenden, die den werdenden Müttern Kliniken für die Entbindung empfehlen. Auch solle Werbung für die Geburtshilfe in Haßfurt betrieben werden, hieß es.

Kritik an der Förderung, konkret an der Voraussetzung für die Förderung, kam derweil von SPD-Kreisrat Paul Hümmer aus Sand. In einer Mitteilung an die Medien beschreibt er diese Bedingung (50-Prozent-Quote) als "absurd". Diese Bedingung "muss weg", verlangt er. Es stelle sich die Frage: Will man den ländlichen Kliniken helfen, das Überleben zu sichern, oder präsentiert man eine Scheinlösung, um die Verantwortung, den schwarzen Peter, anderen zuzuschieben? Das Leben sei nämlich anders, meint Hümmer und betont: "Was soll eine Frau, werdende Mutter, machen, wenn ihr der Arzt rät, zur Geburt in ein Krankenhaus mit Kinderabteilung ihr Kind zur Welt zu bringen? Sollen diese Frauen nun schuld sein, wenn die Geburtsabteilung in Haßfurt die 50 Prozent nicht erreicht?"
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