Sand am Main
Hochwassersicherheit

Hochwassersteg in Sand am Main bleibt ein Traum

Der Sander Gemeinderat diskutierte einen Antrag aus dem Ortsteil Wörth. Hier flutet das Mainhochwasser alle paar Jahre nicht nur Keller, die Bewohner sind auch von der Welt abgeschnitten. Bürger wünschen ein Bauwerk, doch das birgt Risiken.
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Der Sander Wörth ist bei etwas über drei Metern Mainhochwasser (Pegel Trunstadt 4,80; Normalstand 1,80 Meter) von der Außenwelt abgeschnitten. Dann kommt man nur noch mit dem Boot in den Sander Ortsteil. Ältere, die auf Pflege oder den Arzt angewiesen sind, fühlen sich da nicht besonders wohl. Schichtarbeiter haben Probleme, denn der Fährdienst (Bild) ruht mitten in der Nacht natürlich. Die Wörther hätten gerne im Notfall eine verlässliche Möglichkeit, um das Hochwasser zu überqueren. Oder ei...
Der Sander Wörth ist bei etwas über drei Metern Mainhochwasser (Pegel Trunstadt 4,80; Normalstand 1,80 Meter) von der Außenwelt abgeschnitten. Dann kommt man nur noch mit dem Boot in den Sander Ortsteil. Ältere, die auf Pflege oder den Arzt angewiesen sind, fühlen sich da nicht besonders wohl. Schichtarbeiter haben Probleme, denn der Fährdienst (Bild) ruht mitten in der Nacht natürlich. Die Wörther hätten gerne im Notfall eine verlässliche Möglichkeit, um das Hochwasser zu überqueren. Oder eine Lösung dafür, dass die Keller trocken bleiben. Foto: Archiv
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Eine der am stärksten von Hochwasser betroffenen Ortschaften im Landkreis Haßberge ist neben dem Haßfurter Stadtteil Augsfeld die weiter flussaufwärts gelegene Gemeinde Sand. Denn die Bürger sind alle paar Jahre auf ihrer "Maininsel" gar von der Außenwelt abgeschnitten und können nur mit Booten zu ihrer Arbeit oder in die Schule kommen. Regelmäßig ist das Thema im Gemeinderat. Etwa am Dienstagabend, als ein Antrag von Heinrich Schmitt beschließend beraten wurde.

Seit zwei Jahren beschäftigt sich Schmitt mit Möglichkeiten, die Auswirkungen des Hochwassers auf die Bürger abzumildern, vor allem aber mit einer ehrgeizigen Idee, die ihr Vorbild im Itzgrund hat, wo es das gibt: ein Hochwassersteg.

Eine symathische Lösung

Den könnte man doch bei Bedarf zwischen Zeil und Sand aufbauen - so das Gedankenspiel.
Verkaufspersonal Schichtarbeiter, Pflegekräfte, Notärzte und wer sonst noch alles dringlich von und zum Wörth muss, könnten die Fluten passieren auch ohne den Fährdienst, der ja nicht über 24 Stunden läuft. Ein Konzept hat Schmitt dafür erstellt und berechnet.

Das Wasserwirtschaftsamt hat sich diese Überlegungen und Pläne genauer angesehen und im Mai 2012 eine Stellungnahme abgegeben. Tenor: Ein solches Bauwerk dürfe das Hochwasser nicht zurückhalten, verlorener Rückhalteraum müsste ausgeglichen werden. Vor allem aber bezweifelt die Behörde bei einem größeren Hochwasser die Standfestigkeit des Steges, für den das Konzept 210 Bodenbuchsen vorsieht mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern und einer Tiefe von 55 Zentimetern (geschätzt 70 000 Euro Kosten). Es bräuchte den Nachweis, dass eine solche Konstruktion einem 100-jährigen Hochwasser (ein Höchststand wie fiktiv alle 100 Jahre) standhält.

Bis nach Bad Kissingen

Gemeinderat Heinrich Schmitt berichtete von seinem Gang durch die Instanzen und Gesprächen mit Firmen, Statikern sowie mit den Behörden seit Juni 2012. Sogar nach Bad Kissingen zum Wasserwirtschaftsamt hatte er sich aufgemacht.

"Es ist statisch machbar", habe Schmitt bei einem Statiker erfahren. Das Problem sei aber die Höhe, hieß es in Bad Kissingen.

Die Wasserwirtschaftler bleiben dabei (Stellungnahme vom Oktober 2012): "Die Errichtung eines Hochwasser steges ist aus unserer Sicht sehr bedenklich, da der Steg ein Hindernis für den Hochwasserabfluss ist, der auch Eisschollen, Wurzelstöcke, Baumstümpfe mit sich bringen kann. Dabei wäre auch die Standsicherheit des Steges gefährdet. Ein rechtzeitiger Aufbau des Steges bei Anlauf einer Hochwasserwelle wäre mit logistischen Problemen behaftet. Die richtige Höheneinstellung des Steges wäre schwierig. Ein hoch angelegter Steg stellt ein Sicherheitsrisiko dar."

Heinrich Schmitt ließ nicht locker. Dann wenigstens Abflussrohre unter der Straße Zeil-Sand, um nach dem Hochwasser das Volllaufen der Keller im Wörth zu mildern. Da würden zwar die landwirtschaftlichen Flächen oberhalb der Straße (mainaufwärts) schneller abtrocknen, doch auf die Hochwassersituation in der Siedlung und im Wörth hätte dies nur marginale Bedeutung, urteilten die Fachleute.

Und - dritter Bestandteil des Antrags von Schmitt - ein weiterer Durchlass vom Altmain her unter der Seestraße hindurch?

Zum einen gäbe es da Schwierigkeiten mit Telekommunika tions-, Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen, wie es hieß, vor allem aber funktioniere das nur, wenn es einen Höhenunterschied gebe. Der existiert bei der in den 80er Jahren tiefer gelegten Seestraße nicht. Also müsste mit Druck gearbeitet werden.

Die Gemeinderäte verstanden Heinrich Schmitt und die Wörther ("Ich geb's noch nicht auf"), doch Klaus Ulrich sprach auch einen Gedanken aus, den wohl etliche hatten: "Die Frage ist die Wirtschaftlichkeit. Technisch kannst du viel machen."

Strömung reißt sogar den Mutterboden weg

Rudi Krug beschrieb, dass die Strömung des Mains beim letzten Hochwasser an manchen Stellen 25 bis 30 Zentimeter dick Mutterboden abgetragen habe. Ein Steg, der einer solchen Strömung standhalten solle, müsse ein "Bollwerk" sein, müsse verankert und verstrebt werden, ganz zu schweigen von einer Versicherung. "Das ist ja unmöglich", bilanzierte er.

Gerhard Zösch fand es gut, dass sich jemand mit dem Problem beschäftigte, doch zu viele Fragen seien offen. "Ich könnte mich heute nicht entscheiden." Wer baut auf und wer ab, wer übernimmt die Haftung?

Bürgermeister Bernhard Ruß würdigte Heinrich Schmitt ("dass er das durchgeackert hat"). Er meinte aber, im Itzgrund sei die Lage anders. Der größte Unterschied sei die reißende Strömung. Würden Ältere und Kinder den Steg benutzen, so müsste der eingehaust werden, damit keiner ins Wasser fällt. Insgesamt gesehen erschien Ruß das Vorhaben, ordentlich ausgeführt, finanziell nicht machbar. Die Gemeinde könnte angesichts dessen die Leute eher ins Hotel schicken. Bernhard Ruß spitzte das zu: "Wir bezahlen Euch den Goger."

Lieber doch nicht...

Der Gemeinderat einigte sich mehrheitlich darauf, die Steg-Idee nicht weiter zu verfolgen; auch gegen weitere Abflussrohre sprach man sich aus. Hingegen will man, wie Ruß anbot, die frei gelegten Hochwassergräben an der Straße Zeil-Sand im Auge behalten und einen "Feldversuch" starten. Die Feuerwehr soll mit starken Pumpen ran; vielleicht erreicht man so mehr, als die Hausbesitzer im Wörth mit ihren kleinen Pumpen.

Die Bürgerschaft im Sander Wörth scheint es gelassen zu nehmen: Bei einigen Anrufen unserer Zeitung am Mittwoch machten die Bürger deutlich, Steg hin oder her, dass die Wörther immer mit dem Hochwasser klar gekommen sind, "und da gab's noch keinen Einkaufsmarkt", wie eine Frau sagte. Eine andere meinte zum Thema recht trocken: "Da wär' ich eh nicht rübergegangen."

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