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Hitze im Kreis Haßberge: Niedrigwasser? Nicht Main-Problem!

Der trockene Sommer macht den Gewässern zu schaffen, die Wasserstände sinken aber bislang moderat. Für den Main gibt es einen Alarmplan.
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Der Main führt trotz anhaltender Trockenheit ausreichend Wasser, Schiffe und Boote können problemlos verkehren, heißt es von Seiten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt. Diese Jungs nutzen das gerne aus und lassen sich von einem Motorboot über das Wasser ziehen. Gesehen bei Eltmann, kurz vor der großen Mainbrücke.
Der Main führt trotz anhaltender Trockenheit ausreichend Wasser, Schiffe und Boote können problemlos verkehren, heißt es von Seiten des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Schweinfurt. Diese Jungs nutzen das gerne aus und lassen sich von einem Motorboot über das Wasser ziehen. Gesehen bei Eltmann, kurz vor der großen Mainbrücke.
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Es herrscht Trockenheit in Bayern. Auch der Kreis Haßberge darrt. Und das nicht erst seit gestern: Schon seit Februar fällt sehr wenig Regen, wie die Daten der Wetterstation in Köslau (Stadt Königsberg) zeigen. Im Juni gab es eine Niederschlagsmenge von nur 28,1 Litern pro Quadratmeter, das vieljährige Mittel für den Juni liegt bei 80,8 Liter pro Quadratmeter. Der Juli brachte lediglich 24,1 Liter pro Quadratmeter (vieljähriges Mittel: 66,3 Liter). Nur der März lag unter den Monaten im Zeitraum Februar bis Juli mit 60,6 Litern über dem vieljährigen Mittel von 50 Litern.
Das hat Auswirkungen auf die Natur. Pflanzen und Tiere leiden unter Hitze und Trockenheit. Die Wasserstände in Flüssen und Seen sinken, die Temperaturen steigen, der Sauerstoffgehalt sinkt, mitunter wird es eng für Fische und andere Wasserlebewesen. Noch aber ist die Situation im Lot, sagt Dagmar Mußhoff vom Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, das auch für den Landkreis Haßberge zuständig ist. Zumindest, was Bäche und Flüsse betrifft: "In Fließgewässern ist es nicht ganz so kritisch", sagt sie. Denn durch die Wasserbewegung wird immer wieder Sauerstoff eingebracht.


Wenn Sauerstoff fehlt

Problematischer ist es bei Seen und Fischteichen, bei denen der Zu- und Abfluss wegen der langen Trockenheit zurückgeht oder schlimmstenfalls ganz ausbleibt. Dann kann der See kippen und ein Fischsterben setzt ein. Hinzu kommt bei vielen Baggerlöchern und kleineren Teichen, dass sich meist über viele Jahre Algen und Laub darin ansammeln - diese Biomasse verfault auf dem Grund und bildet eine stetig dicker werdende Schlammschicht - der Sauerstoffanteil sinkt dadurch.
Um diese Prozesse aufzuhalten, finden Säuberungen statt (was aber meist nicht ausreicht) und das Wasser wird verwirbelt, also bewegt. So hat etwa der Sportanglerverein Haßfurt an seiner Heimstätte mitten auf dem Baggersee Mooswäldchen eine hundehüttengroße Anlage installiert, die ständig Wasser vom Seegrund an die Oberfläche pumpt. So findet ein Austausch zwischen sauerstoffarmen und sauerstoffreichen Schichten statt.
Zurück zu den Fließgewässern. Kleinere Mainzuflüsse wie der Ebelsbach oder die Altach führen derzeit zwar weniger Wasser, aber bis sie ganz austrocknen, dauert es. Zudem sind laut Dagmar Mußhoff noch ausreichend Grundwasservorräte durch den regenreichen Winter vorhanden, so dass trotz momentaner Regenflaute Wasser nachkommt. Richtig problematisch wäre es erst, wenn dem jetzigen Sommer ein trockener Winter folgen würde und dann erneut ein trockener Sommer. Mitunter fallen dann Flussbetten völlig trocken.
Bei den derzeitigen Niedrigständen ist für die Wasserlebewesen in der Altach oder dem Ebelsbach aber noch nichts verloren: "Das Wasser ist jetzt nicht schlagartig weg, insofern haben die Fische eine Chance. Sie finden noch Rückzugsräume." So schwimmen sie in tieferliegende Bereiche und suchen auch Schatten. Zu unterschätzen ist die Situation aber nicht: "Bis September bleibt es ja trocken", sagt Mußhoff.


Wo bekommt der Main Wasser her?

Auch der Main hat derzeit weniger Wasserzufluss als sonst, die Schifffahrt muss aber deswegen laut Helko Fröhner vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Schweinfurt nicht eingeschränkt werden: Durch seine Staufstufen ist der Main künstlich reguliert und hält die nötige Wassertiefe problemlos. Über die mittelfränkischen Stauseen Brombachsee und Rothsee, die über die Donau-Main-Überleitung gespeist werden, bekommt der Main laut Fröhner derzeit "15 Kubikmeter Wasser pro Sekunde", normalerweise sind es 30 bis 35 Kubikmeter. 24 Kubikmeter Wasser pro Sekunde kommen zudem über den Weißen und den Roten Main dazu. Der Zufluss aus kleinen Nebenflüssen wie Altach oder Ebelsbach dagegen ist laut Fröhner marginal, also zu vernachlässigen.


Alarmplan greift

Wegen der niedrigen Fließgeschwindigkeit des Mains ist zwar die Gefahr größer, dass der Sauerstoffanteil im Wasser schneller sinkt als bei anderen Strömen, aber Fröhner verweist auf die "relativ konstante Tiefe von drei bis vier Metern", so dass sich das Mainwasser nicht zu schnell aufheizt.
Dennoch habe man einen Alarmplan, für den Fall, dass Fischen und anderen Wasserlebewesen wegen Sauerstoffmangels Gefahr droht: Durch Messungen werden die Wasserwerte überwacht - sollte etwa der Pegel weiter sinken, würde der Abfluss über die Wasserkraftwerke verringert. Zudem könnte bei Wehren das Wasser gleichmäßig übergeleitet werden (wasserfallartig), so dass ein Sauerstoffeintrag entsteht.
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