Haßfurt
Popmusik

Hit "Christmas Time" ist von Felix Weber

Der Ohrwurm "Christmas Time" läuft auf allen Radiokanälen. Das Lied, das nie ein Schlager werden wollte, wird von einer Band gespielt, die es gar nicht gibt. Die Geburtsstunde des modernen Klassikers schlug in Unterfranken.
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Die Hitfabrik: Felix Weber in seinem Studio in Columbus. Foto: privat
Die Hitfabrik: Felix Weber in seinem Studio in Columbus. Foto: privat
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White Christmas, Driving home for christmas, Last Christmas und Christmas Time ... Schon immer hat die Popmusik das wohl populärste Fest der Welt für sich entdeckt, vertont und ein Stück weit auch vermarktet. Die Hits der Weltstars wie Frank Sinatra, Chris Rea und Wham gehören zum Fest. Schon deshalb, weil man ihnen im Autoradio und im Kaufhaus nicht entkommen kann. Zu diesen Klassikern gehört Christmas Time. Geschrieben von Felix Weber. Gesungen von Gingerbread.

Gingerbread klingt erst einmal ziemlich Englisch - erst in der deutschen Übersetzung "Lebkuchen" (wörtlich Ingwerbrot) kommt man Franken ein wenig näher. Nürnberg gilt ja als Welthauptstadt des würzigen Weihnachtsgebäcks, das von der einst teuren Luxusspeise (wegen der exotischen Gewürze) zum Exportschlager avanciert ist.

Die Suche nach Gingerbread und Christmas Time beginnt allerdings nicht in Franken, sondern in Columbus, Ohio. In der Stadt, in der der Rap zuhause ist, vermutet man nicht unbedingt die Quelle für ein Weihnachtslied am Himmel der Popsternchen. Tatsächlich trifft man in einem der angesagten Musikstudios der Stadt auf Namen wie Chaka Khan, Tony Braxton, Randy Crawford, Jennifer Rush, Mandy Winter, La Toya Jackson, Leo Sayer und Paul Anka. Sie alle sind Kunden bei Felix Weber und seiner Firma Felixweberproductions in den USA. Natürlich hat er nicht jeden Nummer-1-Hit dieser Starts geschrieben und produziert. "Wenn Du mich fragst, wie viele Lieder ich schon komponiert habe, muss ich passen", sagt der 52-jährige Haßfurter, der sich vor knapp 20 Jahren entschlossen hat, seiner Heimat den Rücken zu kehren.


In Clubs begann die Karriere


Die Erfolgsgeschichte begann mit einem "weißen Bladdl Papier". Weil zuhause ein Klavier rumstand, nahm der kleine Felix Musikunterricht bei der legendären "Frau Kudella" in Haßfurt. Mit 15 tingelte Felix mit einigen Kumpels durch die Clubs der amerikanischen Kasernen. Ein Schlüsselerlebnis: "Wir konnten mit der Musik tatsächlich Geld verdienen", erinnert sich Weber an die ersten Gehversuche der "Skin Pin Appendix Band", die es anders als "Frau Kudella" nie zur Legende gebracht hat. Ebensowenig wie Webers erstes kommerzielles Lied, eine Auftragsarbeit mit Irmgard Klarmann aus Haßfurt, bis heute seine Musik-Partnerin. ",Samstag Abend' war ein grandioser Flop, aber eine wertvolle Erfahrung."

Felix wechselte zu der Coverband "The Rockets", aus der Anfang der 80er Jahre im Fahrtwind der Neuen Deutschen Welle "Relax" wurde. Der Name dürfte viele aufhorchen lassen, die mit Felix Weber auf Anhieb nichts anfangen können. Intelligente Schlager in Mundart: "Relax" machte etwas vor, was bis heute auf niedrigstem Niveau immer noch die Kassen klingeln lässt. Der Ohrwurm "Weil i di mog" war der erste Hit der Band, "A weißes Bladdl Papier" der größte.

Weber spielte sechs Jahre lang die Keyboards bei "Relax", schrieb Lieder für Künstler wie Mandy Winter, Veronika Fischer, Hans Harz, Wolfgang Fiereck, Bernie Paul und Jennifer Rush. 1988 stieg Felix Weber bei "Relax" aus, weil er sich, wie er sagt, mehr mit der eigenen Laufbahn als Produzent befassen wollte.


Erste US-Hit "Symptoms of true love"


Im selben Jahr schrieben Weber und Klarmann ihren ersten US-Hit: "Symptoms of true love" für Tracy Spencer erreichte die Top 40 der Billboard-Charts. 1992 landete Weber seinen ersten Nummer-1-Hit in den amerikanischen Hitparaden mit Chaka Khan: "Love you all my Lifetime". Chaka Khans Album "The woman I am" wurde mit einem Grammy, dem Musik-"Oscar", ausgezeichnet. Der Haßfurter folgte dem Lockruf des Erfolgs und zog erst nach Atlanta, Georgia, später mit der eigenen Produktionsfirma nach Columbus, Ohio. Jenseits des Ozeans schwimmt der Musikprofi aus Unterfranken in einem großen Teich. Sein Erfolgsrezept in einer Branche, die sich dank Internet mit atemberaubendem Tempo wandelt? "Du musst gut sein. Das heißt erst mal kreativ, aber vor allem fleißig, fleißig und noch einmal fleißig."

Ein bisschen Glück gehört natürlich ebenfalls dazu. Dafür steht Felix Webers größter Hit, wenn man die Langlebigkeit zum Maßstab für Größe nimmt: Dabei war "Christmas Time" nie als Hit geplant. "1983 oder 84", erinnert sich Weber, "hat mich mein langjähriger Freund Thomas Schmitt (heute Chef des ,Soundhouse' in Haßfurt) ermutigt, ein modernes Weihnachtslied zu schreiben. Das Leitmotiv hatte ich sofort im Kopf. Dudeldu, dudelduu", erzählt Weber. Obwohl das Stück nicht auf eine Platte gepresst wurde und Gingerbread zu Beginn nur ein Projekt war und keine Band aus Fleisch und Blut, avancierte das Lied in deutschen Radiostationen zum Dauerbrenner in der Vorweihnachtszeit.


Idee für Gingerbread-CD


In den letzten Jahren haben Weber und das "Soundhouse" in Haßfurt "Christmas Time" immer wieder überarbeitet und aus dem Projekt die Band Gingerbread gemacht. Die hat sogar eine eigene Homepage, "läuft aber immer noch auf Standby", wie Weber sagt. Gingerbread besteht aus den Kindern von Irmgard Klarmann, David (heute 16) und Philipp (12), sowie Thomas Schmitt, Jonas (29) und Johanna (24). Die Kleinen gehen noch in die Schule, die Großen sind als Banker und Tiermediziner weit außerhalb des Musikbusiness unterwegs.

Was für Felix Weber, den Glücklichen, aber nicht das Ende der Geschichte ist. So wie ein fachmännisch gebackener Lebkuchen fast unbegrenzt haltbar ist und so sicher, wie jedes Jahr Weihnachten kommt und das unverwüstliche "Christmas Time" neben den andern Dudeldei-Hits im Radio läuft, so sicher ist sich der Haßfurter in den USA, "dass aus Gingerbread noch was werden kann."

Erste Ideen für die Gingerbread-CD hat Weber schon im Kopf, die ersten Melodienbögen, etwa so: Dudeldim, dudeldei ... Die Erfolgsstory, die am Klavier von Frau Kudella in Haßfurt begann, hat das Zeug zu einem Welthit.
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