Gleusdorf
Pflegeskandal

Seniorenresidenz Gleusdorf: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Die Staatsanwaltschaft Bamberg erhebt Anklage gegen zwei Verantwortliche der Seniorenresidenz Gleusdorf und einen Arzt. Die Vorwürfe sind gravierend.
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Die umstrittene Seniorenresidenz in Gleusdorf  Eckehard Kiesewetter
Die umstrittene Seniorenresidenz in Gleusdorf Eckehard Kiesewetter

Die Staatsanwaltschaft Bamberg hat gegen die Heimleiterin, den Pflegedienstleiter sowie einen für die Seniorenresidenz Gleusdorf tätigen Arzt Anklage zur Großen Strafkammer des Landgerichts Bamberg als Schwurgericht erhoben. Das Verfahren gegen einen weiteren Heimleiter und Mitgesellschafter sei eingestellt worden. Die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Seniorenheimes in Gleusdorf seien zwischenzeitlich abgeschlossen worden, erklärte die Staatsanwaltschaft Bamberg am Freitag in einer umfangreichen Mitteilung.

Nach Sichtung und Auswertung einer Vielzahl von Patientenakten und Pflegeunterlagen, sichergestellter Mobiltelefone und anderer Speichermedien, der Einholung zahlreicher rechtsmedizinischer Sachverständigengutachten sowie der Einvernahme von über 50 Zeugen durch die Staatsanwaltschaft und eine zeitweise zehnköpfige Ermittlungskommission der Kriminalpolizei Schweinfurt sieht die Staatsanwaltschaft Bamberg nach eigenen Angaben "gegen die drei Angeschuldigten einen dringenden Tatverdacht des mittäterschaftlich begangenen Totschlags durch Unterlassen in einem Fall, des mittäterschaftlich begangenen versuchten Totschlags durch Unterlassen in zwei Fällen, jeweils zugleich mit Misshandlung von Schutzbefohlenen, sowie einer weiteren Misshandlung von Schutzbefohlenen".

Dem ehemaligen Pflegedienstleiter legt die Anklagebehörde darüber hinaus eine vorsätzliche Körperverletzung zum Nachteil eines psychisch kranken Heimbewohners zur Last und dem angeklagten Arzt mittelbare Falschbeurkundung in drei Fällen durch die Ausstellung unrichtiger Todesbescheinigungen. Die Angeschuldigten sollen sich in drei Fällen im gemeinschaftlichen Zusammenwirken aus Sorglosigkeit gegenüber dem Wohl der alten, kranken und hilflosen Heimbewohner als "Herren über Leben und Tod" verhalten haben und den Bewohnern die erforderliche medizinische Versorgung nicht gewährt oder die dringend gebotene Verlegung in ein Krankenhaus nicht veranlasst haben, was in einem Fall den Tod eines Heimbewohners und in zwei weiteren Fällen jedenfalls erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen zur Folge gehabt haben soll. In einem vierten Fall sollen sie einem Bewohner trotz dessen ausdrücklich in einer Patientenverfügung geäußerten Wunsches die gebotenen schmerzlindernden Maßnahmen vorenthalten und diesem dadurch erhebliche, vermeidbare Schmerzen zugefügt haben.

Zudem soll, so die Staatsanwaltschaft weiter, der Pflegedienstleiter einem psychisch kranken Heimbewohner, der die Nachtruhe nicht eingehalten hat, einen Faustschlag ins Gesicht versetzt und dazu geäußert haben: "Halt die Fresse und schlaf!" Der im Rahmen eines Kooperationsvertrages für das Pflegeheim zuständige praktische Arzt soll den Angaben zufolge in drei Fällen unrichtige Todesbescheinigungen ausgestellt haben, indem er beispielsweise nach einem Sturzereignis "einen natürlichen Tod bescheinigt oder unzutreffende Todesursachen angegeben haben soll, um die tatsächlichen Todesumstände zu verschleiern".

Die des Totschlags und des versuchten Totschlags verdächtige Heimleiterin und der Pflegedienstleiter befanden sich Ende 2016/Anfang 2017 mehrere Monate in Untersuchungshaft, bevor die Haftbefehle auf ihre Beschwerden hin außer Vollzug gesetzt und später nach dem Wegfall von Verdunkelungsgefahr auf Antrag der Staatsanwaltschaft aufgehoben wurden. Im Zusammenhang "mit den extrem aufwendigen Ermittlungen" haben Polizei und Staatsanwaltschaft mehr als 50 Tatvorwürfe geprüft, die zu einem Großteil mangels ausreichend konkreter Zeugenaussagen oder wegen bereits eingetretener Verjährung eingestellt werden mussten.

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Ebenso wurde laut Anklagebehörde das Verfahren gegen einen weiteren Heimleiter und Mitgesellschafter eingestellt, weil ihm eine Tatbeteiligung nicht nachzuweisen war und er zudem bereits durch das Landgericht Hof wegen Untreue zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sei, neben der eine weitere Bestrafung wegen etwaiger verbleibender Straftaten nicht mehr beträchtlich ins Gewicht fallen würde. Ein Ermittlungsverfahren gegen eine als Zeugin vernommene Mitarbeiterin des Pflegeheimes wegen uneidlicher Falschaussage sei zwischenzeitlich wieder eingestellt worden, weil sich der Tatvorwurf nicht bestätigt habe.

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