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Zeil am Main
Gesundheit

"Hell of the Brave"-Lauf in Zeil wegen Corona abgesagt - Haßfurter Schule bleibt geschlossen

Nun also doch die Absage: Der für Samstag in Zeil angesetzte Extremlauf "Hell of the Brave" findet auf Anraten des Gesundheitsamtes nicht statt. An der Haßfurter Waldorfschule legt der Coronavirus derweil den Unterricht lahm.
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Eine Woche vor dem "Hell of the Brave"-Lauf in Zeil müssen die Veranstalter das Sport-Event absagen. Das Haßfurter Gesundheitsamt hatte dringend dazu geraten.  Foto: Archiv/Anand Anders
Eine Woche vor dem "Hell of the Brave"-Lauf in Zeil müssen die Veranstalter das Sport-Event absagen. Das Haßfurter Gesundheitsamt hatte dringend dazu geraten. Foto: Archiv/Anand Anders

Ursula Schemm blutet das Herz. Die Medaillen sind bereits geliefert, die T-Shirts gedruckt, die Hindernisbauer stehen in den Startlöchern. Doch ein Anruf beim Haßfurter Gesundheitsamt ließ die Befürchtung der vergangenen Wochen wahr werden: Der für Samstag in Zeil geplante "Hell of the Brave"-Hindernislauf muss aufgrund des Coronavirus abgesagt werden. Vorerst zumindest.

"Als Veranstalter ist man im Moment völlig verunsichert", klagt Schemm, Pressesprecherin des Münchner Unternehmens "Heldenmomente". Vergangene Woche war sie noch optimistisch, dass der Lauf stattfinden könne. Vor einigen Tagen holte sie zur Sicherheit die Einschätzung des Gesundheitsamtes ein. Die Empfehlung des Haßfurter Amtsarztes änderte jedoch alles: Er habe Schemm dringend dazu geraten, die Veranstaltung auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen. Auch die örtliche Nähe zur Stadt Bamberg, wo sich kürzlich 60 Familien in angeordneter Quarantäne befanden, habe sie schließlich zu diesem Schritt bewogen.

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"Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist aktuell für Teilnehmer, Helfer, Publikum und die beteiligten Unternehmen, Organisationen und Behörden einfach zu hoch", heißt es in der offiziellen Stellungnahme des Veranstalters, mit dem er sich online an Teilnehmer und Fans des Events wendet. "Schon der Verdacht einer Infektion und eine damit verbundene zweiwöchige Quarantäne hätte für jeden von uns gravierende, persönliche und zum Teil auch wirtschaftliche Konsequenzen."

Körperliche Nähe gehört beim Lauf dazu

Das Event lebe zudem vom sportlichen Teamgeist: Körperkontakt zwischen den Teilnehmern sei unvermeidbar, egal ob in den Gemeinschaftsumkleiden, auf dem Siegertreppchen oder wenn sich die Läufer gegenseitig aus den metertiefen Schlammgruben ziehen. "Wenn die Teilnehmer aber Angst haben, sich die Hand zu geben, macht es keinen Sinn", verdeutlicht Schemm.

Zudem seien viele Einsatzkräfte der Polizei, Feuerwehr, des BRK sowie der Wasserwacht involviert und laufen somit Gefahr, sich zu infizieren. "Man stelle sich mal vor, die Feuerwehrleute müssten in Quarantäne und dann bricht irgendwo ein Brand aus!", skizziert Schemm den Extremfall. Schon vor der offiziellen Absage hätten sich einige Teilnehmer verunsichert bei ihr gemeldet. Nach dem Motto: Ich kann es mir nicht leisten, zwei Wochen lang in Quarantäne zu gehen - soll ich überhaupt zum Lauf kommen?

Auf der Facebook-Seite des Veranstalters überwiegt Verständnis: Unter dem Post sind Kommentare nachzulesen wie "Schwere, aber richtige Entscheidung!" oder "Ihr habt mit Verantwortungsbewusstsein reagiert, dafür allergrößten Respekt!". Dazwischen findet sich vereinzelt die Meinung, die abgehärteten, athletischen Läufer würden nicht einmal zur Risikogruppe gehören, die Entscheidung des Veranstalters sei übertrieben. Doch Schemm kontert: "Für mich ist die Absage keine Panikreaktion, sondern eine Vorsichtsmaßnahme!"

Auf Rat der Experten hören

Thomas Stadelmann kann diese Entscheidung durchaus nachvollziehen. "Wenn die Empfehlung dazu vom Gesundheitsamt kommt, müssen wir es ernst nehmen und umsetzen", betont der Zeiler Bürgermeister. Dem Rat der Gesundheitsexperten wolle er sich nicht widersetzen. "Das Risiko kann und will ich nicht eingehen." Derzeit sei es jedoch schwierig, beim Thema Corona die richtige Balance zwischen Vernunft und Hysterie zu halten. Die Absage des Laufs halte er dennoch nicht für übertrieben. "Wir müssen alle vorsichtig sein", bringt es Stadelmann auf den Punkt. Der Stadt Zeil entstehe durch die Absage keinerlei finanzieller Schaden.

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Stadelmann stellt aber auch klar, dass die Veranstaltung nicht ersatzlos gestrichen wurde. Noch in dieser Woche wolle er gemeinsam mit dem Veranstalter einen Nachholtermin finden. "Im Sommer macht es aber keinen Sinn, da sind die Rettungskräfte schon überall im Einsatz", schränkt Stadelmann die Optionen ein. Optimal sei ein Termin, der nicht mit anderen Läufen dieser Art kollidiere, meint auch Schemm. Sie erachte eine Verlegung in den Herbst als sinnvoll. "Ab September, Oktober sind deutlich weniger Veranstaltungen und außerdem soll es ja auch ein bisschen kalt sein. Der Sommer würde den Charakter der Veranstaltung zerstören."

Für Läufer gilt: abwarten und fit halten

Über die warmen Sommermonate bestehe zudem eine gute Chance, das Virus in den Griff zu bekommen, gibt Schemm die Prognose des Haßfurter Gesundheitsamtes wieder. Den bereits angemeldeten Läufern bleibt vorerst nichts anderes übrig, als abzuwarten. "Eure Startplätze verfallen nicht, sondern bleiben natürlich gültig", versichert der Veranstalter auf seiner Homepage.

Ortswechsel: Auch an der Haßfurter Waldorfschule herrscht aktuell Ausnahmezustand. Wegen eines Corona-Verdachtsfalls bleibt die Einrichtung die gesamte Woche geschlossen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Schwester einer Schülerin erkrankt sei. Die Familie hatte sich kurz zuvor in Norditalien aufgehalten. Die Schulleitung habe daraufhin beschlossen, die Waldorfschule bis einschließlich 13. März zu schließen. Die Schülerin selbst zeigte keine Krankheitssymptome, war aber vorsorglich zuhause geblieben. "Am Freitagnachmittag hat sich der Verdacht als negativ herausgestellt", sagt Lehrer Joachim Brohm. "Wir sind dann aber dabei geblieben, dass die Schule diese Woche zu bleibt."

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Die Entscheidung habe auch damit zu tun, dass das Kollegium aufgrund mehrerer krankheitsbedingter Ausfälle personell ausgedünnt sei. Per Mail informierte die Schulleitung die Eltern über die kurzzeitige Schließung, zusätzlich wurde den Schülern ein Infoschreiben mitgegeben. Bei einigen Eltern herrsche nun etwas Missmut über die spontane schulfreie Zeit ihrer Kinder. Als Schulferien könne man die Woche dennoch nicht sehen, meint Brohm. "Die meisten sind ganz gut mit Arbeit eingedeckt."

600 Teilnehmer und ihre Begleiter haben sich bereits zum Extremlauf in Zeil angemeldet. Sie kommen aus ganz Deutschland, aber auch anderen europäischen Ländern wie dem aktuellen Risikogebiet Italien.

14 Tage "Hausarrest" hat die Staatsregierung seit Samstag für diejenigen Schüler und Kindergartenkinder angeordnet, die kürzlich aus Südtirol oder aus einem anderen Risikogebiet zurückgekehrt sind.