Ebern
Gleichgültigkeit

"Keine Zeit": 80-jähriger Rentner stürzt - Passanten verweigern Hilfe

An einer abschüssigen Strecke im Kreis Haßberge stürzt ein 80-Jähriger mit seinem Rollator. Viele ignorieren den hilflosen Mann einfach.
Artikel drucken Artikel einbetten
Markus Oppelt aus Pfarrweisach ist fassungslos: Als er einem 80-Jährigen, der mit seinem Rollator gestürzt ist, beisteht, versagen ihm Radfahrer ihre Hilfe. Foto: Helmut Will
Markus Oppelt aus Pfarrweisach ist fassungslos: Als er einem 80-Jährigen, der mit seinem Rollator gestürzt ist, beisteht, versagen ihm Radfahrer ihre Hilfe. Foto: Helmut Will
Am 17. April, gegen 9.30 Uhr, als Markus Oppelt auf der Fahrt von Pfarrweisach nach Ebern war, bemerkte er, dass ein älterer Herr mit seinem Rollator gestürzt war. Der Senior lag zwischen der Zufahrt von der B 279 zur Staatsstraße 2278, unmittelbar neben einem Rad- und Fußweg, mit dem Kopf bergabwärts.

"Auf die Situation wurde ich nur deshalb aufmerksam, weil schon vier Fahrzeugführer vor mir angehalten hatten, nach rechts schauten und einer mit der Hand in Richtung des gestürzten Herren zeigte", sagt Markus Oppelt. Der Senior versuchte, aufzustehen, was ihm aber nicht gelang.

"Die Gaffer vor mir fuhren dann einfach weiter", ärgert sich Oppelt. Er stellte sein Auto ab und eilte dem alten Mann zu Hilfe. Sein Versuch, diesen wieder auf die Beine zu stellen, gelang nicht sogleich. Hilfe erhoffte er sich von zwei Radfahrern, die an der Sturzstelle vorbeikamen. "Diese bat ich, mir zu helfen, und traute meinen Ohren nicht: Mit der lapidaren Antwort, sie hätten keine Zeit, fuhren sie einfach weiter", sagt Markus Oppelt sichtlich enttäuscht. Er ist sich sicher, dass auch noch andere Autofahrer durch sein Winken auf die Situation aufmerksam wurden, aber niemand hielt an und half ihm, den Mann aus seiner misslichen Lage zu holen.


Erst ein Ausländer hält an

"Ein Radfahrer, der ankam, es war einer mit Migrationshintergrund, hielt an, stieg von seinem Fahrrad und kam meiner Bitte, zu helfen, nach." Gemeinsam gelang es Oppelt und seinem Helfer, den älteren, erschöpften und offensichtlich hilflosen Mann, wieder auf die Beine zu stellen, beziehungsweise auf seinen Rollator zu setzen, damit er sich erholen konnte.

Der Senior war froh und beteuerte, dass er nun schon alleine zurechtkomme. Der Mann, der Markus geholfen hatte, war zwischenzeitlich mit seinem Fahrrad weitergefahren. Markus Oppelt begab sich nun ebenfalls auf den Weg zu seinem Auto.

Als er sich noch einmal umsah, lag der Mann jedoch schon wieder rücklings im Graben. "Ich versuchte nun wieder, jemanden durch Winken zum Helfen zu bewegen, aber vergebens. Neugierige Blicke ja, aber Hilfe nein", schimpft der Pfarrweisacher. Er entschloss sich nun dazu, mit seinem Mobiltelefon die Polizei zu rufen. Sein Originalton: "Es kamen Menschen, auf die man sich verlassen kann. Eine freundliche Polizeibeamtin und ihr ebenso freundlicher Kollege waren binnen weniger Minuten am Ort des Geschehens, halfen, und brachten den glücklicherweise unverletzt gebliebenen Mann, der ein paar hundert Meter weiter entfernt wohnte, nach Hause."


"Notruf wäre doch das Mindeste"

"Das Ganze beschäftigt mich heute noch", sagt Markus Oppelt. Er kann und will nicht begreifen, was in Köpfen von Menschen vorgeht, die guckten, die Notsituation des Mannes erkannten, aber einfach weiterfuhren. "Einen Notruf abzusetzen, wäre doch das Mindeste, was man erwarten kann", sinniert Oppelt. Ihm fallen Meldungen der Medien ein, wo Gaffer an Unfallstellen filmen und Rettungskräfte behindern. Der Pfarrweisacher ist immer noch fassungslos: "Es sollte selbstverständlich sein, Menschen in Notsituationen zu helfen. Jeder sollte daran denken, dass auch er schon morgen auf Hilfe angewiesen sein könnte."

Grund des Sturzes war ein Defekt am Rollator, sagt Markus Oppelt. "Der ältere Herr konnte wohl wegen defekter Bremsen des Rollators bergab nicht mehr anhalten und fiel so unglücklich, dass er nicht mehr von alleine auf die Beine kam."

Der Senior, es handelt sich um eine 80-jährigen Mann, wohnt nur etwa 150 Meter vom Ort des Geschehens entfernt. Wie hat er das alles empfunden? "Ich habe nicht viel mitbekommen", sagt er und möchte nicht namentlich genannt werden. Er wisse nur, dass die Polizei plötzlich da war und ihn nach Hause brachte.

Von dem Vorfall habe ihr Mann nichts erzählt, sagt seine Frau. Nach dem Hinweis, dass einige Personen ihm nicht geholfen hätten, nachdem er gestürzt war, zeigt sie sich betroffen und schüttelt nur wortlos den Kopf.

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren