Breitbrunn
Energiewald

Heizen? Kost' nix! Breitbrunner ist fein raus

Matthias Hoch hat vor Jahren eine Kurzumtriebs-Plantage angelegt. Die rechnet sich für seine Eigenversorgung im Drei-Familien-Haus.
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Matthias Hoch vor seinem Energiewald bei Breitbrunn. Ein Teilstück hat er im letzten Jahr geerntet, die Pappeln haben schon wieder aus dem Wurzelstock ausgetrieben; der Rest der Pappeln ist siebenjähriger Bestand.Brigitte Krause
Matthias Hoch vor seinem Energiewald bei Breitbrunn. Ein Teilstück hat er im letzten Jahr geerntet, die Pappeln haben schon wieder aus dem Wurzelstock ausgetrieben; der Rest der Pappeln ist siebenjähriger Bestand.Brigitte Krause
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Da grinst er schon. Wenn er sieht, wie sich die anderen wegen dem Scheitholz im Wald abmühen. Matthias Hoch (50) hat sich 2005 für eine Hackschnitzelheizung entschieden und findet, "im Nachhinein war es zu 200 Prozent die richtige Entscheidung - Ich heiz' umsonst."


Zehn Hektar Wald

Hoch ist der Spross einer alten Bauern-Familie in Breitbrunn und besitzt heute als Nebenerwerbslandwirt etwa zehn Hektar Wald und dazu Ackerflächen, die er bewirtschaftet. Im Brotberuf arbeitet er in einem Eberer Industriebetrieb, und er erinnert sich gut an die schicksalsträchtigen Stunden im Elternhaus, als er vor Jahrzehnten mit den Eltern die Zukunft besprach. Sollte er den elterlichen Hof mit den 30 Milchkühen übernehmen?

"Ich hab keine Perspektive gesehen", sagt Hoch, es waren die Jahre des Wandels in der Landwirtschaft, damals standen gerade die Milchbauern vor der Frage, entweder den Betrieb zu vergrößern oder aufzuhören und den Hof vielleicht noch im Nebenerwerb zu bewirtschaften. Die Eltern hatten Verständnis für ihren Sohn, der erst einen Beruf erlernen sollte. Den Landwirt hätte er ja in der Abendschule noch machen können. So wurden die Weichen gestellt.

Wenn Matthias Hoch heute auf die Landwirtschaft schaut, dann weiß er eines, "mit einer 35-Stunden-Woche ist da nichts getan, überhaupt mit Vieh." Für Landwirte wird es immer schwieriger. Die Eltern "hatten zwei Ordner, einen für die Versicherungen und einen für die Ein- und Ausgaben". Hoch deutet auf die Regale, für seine Nebenerwerbslandwirtschaft füllen zig Ordner den Platz. Weil die Landwirte heute zum Teil europäische Zuschüsse bekommen, muss alles akribisch dokumentiert werden, sogar Luftaufnahmen werden aufgenommen, um zu zeigen, dass die Flächen richtig deklariert wurden. Jetzt kommt für den Ackerbauer auch noch die "Düngemittel-Bedarfsermittlung" dazu. Alles Faktoren, die Matthias Hoch schon in Richtung "Bio" denken lassen.


Die Wärme aus dem Wald

In anderer Hinsicht ist er beim Bio quasi schon vor Jahrzehnten gelandet, denn damals, als die "Jungen" der Familie in den Neubau in der Breitbrunner Siedlung zogen und ausbauten, stellte sich die Frage nach einer vernünftigen Heizung für das Drei-Familien-Haus. Und um diese Frage zu beantworten nahm sich Hoch tatsächlich ein Jahr Zeit. Gas oder Öl, das schied für ihn aus, für die 3000 oder 4000 Euro im Jahr muss man drei Monate arbeiten, und warum überhaupt denen das Geld in den Rachen werfen, "das sind keine demokratischen Länder"?!

Also: Scheitholzofen, Hackschnitzel oder Getreide? Getreide schied schnell aus. Wegen des hohen Schwefelanteils fällt viel Schlacke an, die obendrein quasi als Sondermüll zu entsorgen wäre. Auch greift der aggressive Rauch die Kesselwandung an.

Scheitholz? "Für die 35 bis 50 Ster Holz hätt' ich mich geplagt", meint Hoch. Und was ist im Urlaub? Keine Automatik befüllt den Ofen. Also Hackschnitzel.

Hoch fand einen fränkischen Ofenbauer in Gunzenhausen, der ihm gefiel. Als er dessen Ofen kaufte und aufstellte, hörte er sich manchen Spruch im Dorf an. "Ihr werd' sehn. In zehn Jahr' steht kei Steckn Holz mehr im Wald!"

Stimmte nicht. Die Hackschnitzel für seinen Heizomat gewinnt Matthias Hoch schon alleine durch das Käferholz, Windbruch und schlechtes Holz aus seinem Wald. Nach dem Verkauf des elterlichen Hofes 2012 hat er sich eine neue Halle im Außenbereich gebaut, wo er sein Arbeitsgerät aufbewahrt. Hier hat er Platz und muss nicht fürchten, jemanden mit Lärm, Schmutz und Geruch zu belästigen - auch das war eine gute Entscheidung.

Sein jüngster Coup stammt aus dem Jahr 2010. Da legte Hoch seinen "Energiewald" an, eine wie es richtig heißt, Kurzumtriebs-Plantage, in der Hybrid-Pappeln stehen, die er damals als Stecklingshölzer setzte. Im Urlaub in Österreich und vor allem in Italien waren ihm solche Pappelplantagen aufgefallen, "die sind da weiter als wir". Hoch war neugierig und wollte so eine Plantage auch auf einem schlechten Acker ausprobieren.


Kaum Pflegeaufwand

2000 Stöckchen pflanzte er auf etwa einem Hektar. Was ihn wieder grinsen lässt, ist die Freude über die Pflegeleichtigkeit: Diesen Wald muss er nicht einzäumen, die Pappeln brauchen keinen Schutz vor Verbiss oder Verfegen. Und dazu kann er insgesamt dreimal ernten. Im Grunde erntereif nach fünf Jahren, ließ er seine Pappeln etwas länger wachsen und erntete 2017 stärkere Stämme, die er jetzt trocknen und dann häckseln lässt.

Für den Waldbauern geht die Rechnung auf. Da er alle Unterlagen akribisch aufbewahrt, genügt zum Beweis ein Griff zu den Ordnern. Die 20 000 Euro Anschaffungskosten für die Heizung (inklusive Spänebunker) amortisierten sich schon nach sechs Jahren. Auch der Energiewald rechnet sich aus Sicht des Landwirts, denn die Fläche gilt offiziell als Greeningfläche, ökologische Vorrangfläche, die alle Ackerbauern nachweisen müssen. Dafür gibt's jährlich 300 Euro Ausgleichszahlung: "Das ist das Geld für den Häcksler."

Wenn der Lohnunternehmer mit seinem Häcksler kommt, braucht er für Hochs Jahresmenge zwei Stunden. Wenn Hoch für seinen Kachelofen oben in der guten Stube Scheitholz macht im Wald, "da bin ich länger drüber, als beim Holz für das ganze Haus."
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