Kirchlauter
Interview

Heilige Länder: Diakon Stapf spricht die Sprache der Gläubigen

Diakon Joachim Stapf war in den letzten sechs Jahren eigentlich nur an der Mainlinie tätig und in der Pfarreiengemeinschaft "Main-Steigerwald". Nun wechselt er über den Main nach Ebelsbach und in die "Heiligen Länder". Im Interview erläuterte er auch die Aufgaben des Diakons in der katholischen Kirche.
Artikel drucken Artikel einbetten
: Diakon Joachim StapfGünther Geiling
: Diakon Joachim StapfGünther Geiling
+3 Bilder

Die Pfarrei Kirchlauter wurde 1446 gegründet. Vor zwei Jahren ist mit Martin Wissel 2016 der letzte selbstständige Pfarrer gegangen. Mit der Pfarreizusammenlegung ist die Pfarrei Kirchlauter jetzt mit der Pfarrei Stettfeld, der Kuratie Steinbach und der Pfarrei Ebelsbach in die neue Pfarreiengemeinschaft "Maintal-Heilige Länder, Kirchlauter" mit Pfarrer Mathias Rusin integriert. Seit 1. Oktober hat Diakon Joachim Stapf mit vollem Stellenumfang seinen Dienst hier aufgenommen.

Sie haben nach ihrer Schulzeit nicht gleich einen kirchlichen Beruf gewählt, sondern waren lange als Betonbaumeister und Lehrlingsausbilder in einem Betrieb tätig. Welches Ereignis, welcher Impuls hat den Ausschlag geben oder wann haben sie gespürt, dass sie mitten in ihrem Leben einem kirchlichen Dienst nachgehen wollen?

Diakon Stapf: Es war ohne Zweifel schon Pfarrer Bach, der mich bei der Kommunionvorbereitung begeistert hat, und dann war ich lange Ministrant und auch Pfarrgemeinderatsvorsitzender. Bach fragte mich später, ob ich es mir nicht vorstellen könnte, als Diakon anzufangen. Daraufhin habe ich hineingeschnuppert. Es war aber nicht leicht, zumal das Studium fünf bis sechs Jahre dauert. Dennoch haben mir der Fernkurs Theologie und auch dieser soziale Beruf gefallen.

Gab es noch weitere Menschen oder Priester, die sie auf diesem Weg begleitet haben?

Ja dazu zähle ich besonders auch Pfarrer Pfarr und Pater Pantheleimon vom Kloster Athos in Griechenland. Wir, eine kleine Gruppe aus Wonfurt, Haßfurt und anderen Orten, fuhren zu dieser Zeit jährlich auf den Berg Athos zu den Mönchen. Unter den insgesamt 2600 Mönchen waren auch viele junge. Wir waren auf einer Einsiedelei und die Liturgiefeier um 3 Uhr in der Frühe beeindruckte uns schon sehr. Pater Pantheleimon hielt auch immer wieder zu mir Kontakt.

Eine solche Entscheidung geht ja als Mann und Vater zweier Söhne nicht ohne die Familie. Wie muss man sich diesen Entscheidungsprozess vorstellen?

Wenn die Familie nicht mitmacht und die Frau nicht mitspielt, braucht man es gar nicht erst zu beginnen. Die Ehefrau wird dazu ja sogar vom Bischof befragt, ob sie den Beruf mitgehen kann. Zu meinen Kindern habe ich gesagt, dass sich deswegen an meinem Leben nicht viel ändern wird und es weiter so sein wird wie bisher. Ohne Zweifel müssen aber alle hinter dieser Entscheidung stehen.

Hat es eventuell noch während ihrer Ausbildung Zweifel oder Unsicherheiten gegeben, dass Sie die richtige Entscheidung getroffen haben?

Während der Ausbildung nicht, aber durch die Arbeit neben dem Beruf hat es manchmal schon Schwierigkeiten gegeben, dranzubleiben. Als Bauleiter musste ich ja meinen Mann stehen und dort verdiente ich ja auch mein Geld. Aber diese Zweigleisigkeit und dazu noch die Notfallseelsorge und Hospizarbeit führten schon zu der Frage, ob es so weitergehen kann. Meine Vision war ja, als "Arbeiterpriester" tätig zu werden und dabei bin ich durchaus mit Arbeitskollegen bei vielen Fragen gut ins Gespräch gekommen.

Aber ich habe bald gemerkt, dass mein Beruf in der freien Wirtschaft und das Diakonat nebenbei, das ich über eine Zeit von drei Jahren ausübte, mich auf Dauer überfordern würden. Deswegen habe ich mich bei einer Stellenausschreibung vor sechs Jahren für das ständige Diakonat beworben.

Sie sind nun schon seit Jahren in wechselnden Pfarreien unterwegs und haben sicherlich gespürt, dass die Aufgaben des Diakonats sehr vielseitig sind. Gibt es hier Lieblingsbereiche oder besondere Herausforderungen?

Ich hätte es mir vor einiger Zeit noch nicht vorstellen können. Die Firmvorbereitung mit Jugendlichen über acht bis neun Monate mit Jugendgottesdiensten, besonderen Aktionen und Katechese ist mir zu einer Lieblingsbeschäftigung geworden. Aber auch die Gottesdienste mit "kleinen Leuten und Kindern" bereiten mir viel Freude und bei Taufen unterhalte ich mich gerne mit den jungen Familien. Man muss aber auch offen sein für Dinge und Anfragen, die die Gläubigen bewegen. Eine besondere Herausforderung ist es mir, auch in Krisenzeiten auf Leute zuzugehen.

Sie waren bisher vorwiegend im Maintal eingesetzt und haben sich nun für die Stelle in der Pfarrei "Heilige Länder, Kirchlauter" beworben. Was reizte sie an dieser Stelle?

Ich war seit fast sechs Jahren zu je 50 Prozent in den beiden Pfarreiengemeinschaften "Maintal/Steigerwald" und in "Maintal/Heilige Länder" tätig. Auf Dauer muss man sich aber auch emotional für einen Raum entscheiden und zu 100 Prozent dort seinen Platz haben. Aber auch im Blick auf das Fehlen von Seelsorgern im Gebiet "Maintal/Heilige Länder" erschien und erscheint mir diese Entscheidung sinnvoll. Zudem fühle ich mich von den Menschen in meinem neuen Dienstbereich sehr gut und herzlich aufgenommen.

In den vergangenen Wochen saßen die Bischöfe beisammen und haben viele Themen gewälzt wie den Missbrauch in der Kirche, aber auch den Zölibat im Priestertum.

Natürlich muss man über Strukturen der Kirche sprechen und es gibt Argumente in verschiedene Richtungen. Der Zölibat beginnt ja eigentlich mit der Weihe zum Diakon. Allerdings gilt es nicht für einen Diakon mit einer bestehenden Ehe. Im Fall des Todes der Frau tritt dann aber der Zölibat in Kraft.

Bischof a.D. Friedhelm Hofmann hat vor einer Woche in den "Heiligen Ländern" in seiner Festpredigt davon gesprochen, dass sich die Kirche in einer für sie schwierigen Situation befinde. Wie sehen Sie die Zukunft des Christentums?

Die Zukunft des Christentums sehe ich positiv, denn bei den Menschen ist eine Sehnsucht nach Glauben und Perspektiven vorhanden. Aber die Zukunft der Kirche hat die Kirche selbst in der Hand und sie muss dabei über viele Strukturen nachdenken. Der Seelsorger muss für Fragen der Menschen offen sein und er muss einen Weg finden, um die Menschen zu erreichen. Die Sprache der Leute zu sprechen und damit ihr Herz zu erreichen, ist mir ein besonderes Anliegen. Hohe Theologie ist nicht mein Ding, sondern eher die einfache Botschaft, die ein Handwerker spricht und selbstverständlich auch die zupackende Hand eines Bauarbeiters auf der sogenannten "Baustelle Kirche".

Die Fragen stellte Günther Geiling



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren