Ebern
Ausstellung

Heimatmuseum Ebern: "Für König und Vaterland"

Im Eberner Heimatmuseum ist bis zum 28. März eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg zu sehen. Die Exponate stellen eine direkte Verbindung zu Ebern her.
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Viele Besucher sind zur Ausstellungseröffnung am Sonntag gekommen, um sich die vielen Exponate und Einzelschicksale anzusehen. Foto: Janina Reuter
Viele Besucher sind zur Ausstellungseröffnung am Sonntag gekommen, um sich die vielen Exponate und Einzelschicksale anzusehen. Foto: Janina Reuter
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Im Eberner Heimatmuseum war am Sonntag gegen 11.15 Uhr viel los: An die 50 Besucher sind zur Eröffnung der Ausstellung "Für König und Vaterland - Ebern im Ersten Weltkrieg" gekommen. Der Erste Weltkrieg dauerte von 1914 bis 1918 und jährt sich somit gerade zum 100. Mal. Dies haben die Mitglieder vom Eberner Bürgerverein zum Anlass genommen, um mit dieser Ausstellung insbesondere auch auf Einzelschicksale in der Eberner Gegend einzugehen.
Die Ausstellung ist noch bis zum 28. März an Sonn- und Feiertagen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sie bietet den Interessierten allerlei Gegenstände und Geschichten aus und rund um den Ersten Weltkrieg mit besonderem Bezug zu Ebern. "Ein Exponat einer Privatperson ist kürzlich noch bei uns eingegangen: Ein Feldpostpäckchen. In dem kleinen Karton war wohl eine Konservendose in der man vermutlich Presssack oder andere Nahrungsmittel zu Verwandten an die Front geschickt hat.
Ich bin beeindruckt, das dieses Paket auch nach 100 Jahren noch erhalten ist", freut sich Ingo Hafenecker.
Doch die Ausstellung bietet noch mehr Sehenswertes: So beispielsweise einen Sanitätskoffer aus den Zeiten des Ersten Weltkriegs, den Herbert Stang beisteuerte, alte Waffen, Helme, Abzeichen aber auch Zeitungsausgaben aus der Kriegszeit, Fotografien von Soldaten an der Front, originale Feldpostkarten und Einzelschicksale von Bürgen aus der Eberner Umgebung.
Ingo Hafenecker hat die 30. Ausstellung im Eberner Heimatmuseum am Sonntag eröffnet. "Diese Ausstellung ist bisher mit Sicherheit die arbeitsintensivste. Wir hatten noch nie eine Ausstellung, die uns so gefordert hat und so viel Vorplanung brauchte", erzählt Ingo Hafenecker. Das Konzept für die Ausstellung wurde im Team aus Stefan Andritschke, Karl-Heinz Krebs, Kreisheimatpfleger Günter Lipp und Ingo Hafenecker erarbeitet. Vor allem die Arbeit von Stefan Andritschke wurde in den Vordergrund gestellt, der wohl die meiste Zeit in die Vorbereitungen gesteckt hatte. Insgesamt traf sich das Team zu zehn Besprechungen. Dazu kam noch die praktische Arbeit. Auch Wolfgang Köhler und Andreas Remshard haben tatkräftig mitgeholfen.
Im Laufe der Organisation sind dann auch etliche Exponate, Geschichten und Einzelschicksale von Privatpersonen im Eberner Heimatmuseum eingetroffen, die in die Ausstellung mit eingearbeitet werden konnten.
Im Anschluss stellte Kreisheimatpfleger Günter Lipp die Ausstellung vor. "Auch wenn man sich vor diesem runden Jahrestag gerne drücken würde, darf man das nicht. Man muss auch an die negativen runden Jahrestage, wie den Ersten Weltkrieg, zurückdenken", erklärt der Kreisheimatpfleger. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und beginnt mit der Darstellung des Zeitgeistes, der vor dem Krieg geherrscht hat: Die Leute im Kaiserreich verspürten ein Gefühl der Überlegenheit, Stolz auf die Nation, die vom Militär geschützt wird. Doch auch andere Völker verspürten diesen Nationalismus. "Das waren Fässer voller Schießpulver. Das Attentat von Sarajevo war schließlich der Zündfunke", versinnbildlicht Günter Lipp. Dann folgen in der Ausstellung die Mobilmachung, der Einsatz an der Front und schließlich die Nachwirkungen wie beispielsweise Kriegerdenkmäler.
Am 1. August 1914, als alle Bauern mitten in der Ernte waren, ging in Ebern die Nachricht von der Mobilmachung ein. Zu dieser Zeit waren die Soldaten noch voller Mut und Stolz, für das Vaterland zu kämpfen. Man dachte, der Krieg sei in wenigen Wochen vorbei. Doch als er sich über Jahre hinzog, kippte die Stimmung der Soldaten. Sie wollten zurück in die Heimat, wollten Frieden und hatten Angst, im Krieg zu fallen. So zitiert Günter Lipp einige Feldpostkarten, die dies verdeutlichen: "Ich hoffe auf baldiges Wiedersehen", "Wir frieren nun schon den vierten Kriegswinter", "Ich bin zum Glück noch gesund".
"Wir sehen die Ausstellung hier ordentlich aufgebaut, es schießt nichts, es ist nicht kalt, wir müssen keine Angst haben. Wir können die Situation, wie sie an der Front war, hier nicht eins zu eins nachempfinden. 41 Eberner sind im Ersten Weltkrieg geblieben. Hier sind jedoch die nicht eingerechnet, die als Krüppel oder psychisch Kranke wieder in die Heimat kamen", erklärt Günter Lipp.
Die Besucher sahen sich interessiert um und kamen auch untereinander ins Gespräch. So kam mit Sicherheit auch die eine oder andere Erinnerung an alte Erzählungen in der Familie wieder zur Sprache. Für die Gäste bot der Zeitpunkt der Eröffnung zwischen Sonntagsmesse und Mittagessen die perfekte Gelegenheit, im Heimatmuseum vorbeizuschauen.
Begleitet wird die Ausstellung zum Ersten Weltkrieg von verschiedenen Sonderveranstaltungen. Am Dienstag, 19. Januar, findet um 19 Uhr im "Gasthof Post" eine Gesprächsrunde über den Ersten Weltkrieg statt. Hier kommen Einzelschicksale und Familiengeschichten auf den Tisch. Jeder, der mitreden möchte oder sonst am Thema interessiert ist, ist eingeladen.
Des Weiteren hält am 18. Februar Ludwig Leisentritt einen "Vortrag in Wort und Bild" zum Ersten Weltkrieg und am 25. Februar ist der Film "Im Westen nichts Neues" von 1930 zu sehen. Veranstaltungsort ist jeweils die Rathaushalle in Ebern. Beginn ist jeweils um 19 Uhr.
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