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Hebammen-Sprechstunde der Haßberg-Kliniken bleibt bestehen - aber mit wichtiger Änderung

Eine gute Nachricht für alle Eltern: Die Gesundheitsregion Plus plant, die Hebammen-Sprechstunde der Haßberg-Kliniken nicht nur beizubehalten, sondern zu erweitern. Andere Themen lieferten im Kreistag derweil mehr Diskussionsbedarf.
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Um Schwangere und junge Eltern im Landkreis Haßberge besser betreuen zu können, richten die Haßberg-Kliniken eine feste Hebammen-Sprechstunde ein. Foto: Archiv/Hendrik Steffens
Um Schwangere und junge Eltern im Landkreis Haßberge besser betreuen zu können, richten die Haßberg-Kliniken eine feste Hebammen-Sprechstunde ein. Foto: Archiv/Hendrik Steffens

Das Baby hört einfach nicht auf zu schreien und will partout nicht trinken. Und das auch noch an einem Sonntag! Egal ob Stillprobleme oder Gewichtskontrollen: Damit junge Eltern in solchen Fällen auch an Wochenenden und Feiertagen eine Anlaufstelle haben, hat die Gesundheitsregion Plus gemeinsam mit Hebammen der Haßberg-Kliniken eine Notfall-Sprechstunde initiiert. Die kam bisher so gut an, dass das Konzept nun eine kleine, aber bedeutsame Änderung erhält.

Bisher stand eine Hebamme an Wochenenden und Feiertagen jeweils für vier Stunden bei Fragen zur Verfügung. "Aber da sich gezeigt hat, dass es für junge Familien einen grundlegenden Bedarf gibt, haben wir das Wort ,Notfall‘ aus dem Konzept gestrichen", erläuterte Benjamin Herrmann, Geschäftsstellenleiter der Gesundheitsregion Plus, bei der vergangenen Kreistagssitzung.

Ab sofort bietet die Klinik daher eine generelle Hebammen-Sprechstunde an. "Der Zuwendungsbescheid ist eingegangen, es kann alles losgehen", informierte Herrmann. "Die Hebammen haben die Sprechstunden selbst organisiert und eine sehr enge Bindung zu dem ganzen Projekt."

Engpässe an Klinik vermeiden

Ein guter Kontakt zu den Hebammen ist auch Landrat Wilhelm Schneider (CSU) wichtig, um einen Engpass wie kürzlich am Schweinfurter Sankt Josef-Krankenhaus zu vermeiden. Dort musste die Geburtsabteilung zwischen Weihnachten und Silvester wegen Personalmangels kurzzeitig schließen. Generell gebe es zu wenige Hebammen, die auch für die Geburtshilfe zuständig sind, erklärte Schneider.

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Die erste Defizitfinanzierung der Geburtshilfe betrug bereits über eine Million Euro und auch für die kommenden drei Jahre würden die Haßberg-Kliniken die Förderungskriterien erfüllen, da die Geburtenrate des Landkreises angestiegen sei. "Wir haben da eine gute Sicherheit und zudem eine Nachbesetzung der Abteilung. Das ist ein Zeichen nach außen, dass die Geburtshilfe Bestand hat", versicherte Schneider.

Mit der vierten Auflage des "Main Sommers" will die Gesundheitsregion Plus zudem 14 Medizinstudenten die Möglichkeit geben, praktische Erfahrungen zu sammeln. "Damit möchten wir wichtige Bestandteile des Studiums vor Ort abbilden und gewährleisten, dass Medizinstudenten aus dem Landkreis wieder zurückkommen können." Dieses Jahr werden zehn Plätze in Hausarzt-Praxen sowie vier Klinikplätze angeboten.

Landärzte: Auf Ruhestand vorbereiten

Zum Start in ihre zweite Förderperiode will die Gesundheitsregion mit einer Umfrage unter den niedergelassenen Ärzten des Landkreises herausfinden, wie es um ihre Ruhestandsplanungen und Nachfolgeregelungen steht. Zudem solle dadurch das Interesse der Mediziner abgefragt werden, sich in die Nachwuchsakquise einzubringen.

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Aktuelle Zahlen hatte Herrmann zur neuen Landarztquote: Diese regelt seit dem 1. Januar 2020, dass 5,8 Prozent aller bayerischen Plätze für ein Medizinstudium für diejenigen Studenten bereitgehalten werden, die sich verpflichten, nach dem Studium als Hausarzt in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Derzeit gebe es 680 Bewerber für nur 110 verfügbare Plätze.

Sichere Zukunft für Haßfurter Geburtshilfe

Wichtig für die Zukunft der ambulanten Versorgung des Landkreises sei auch die vor Kurzem erfolgte Akkreditierung der Haßfurter Akutgeriatrie als Lehreinrichtung der Würzburger Uni. "Eigentlich war geplant, die kompletten Haßberg-Kliniken als akademisches Lehrkrankenhaus akkreditieren zu lassen", sagte Herrmann. "Leider hat es dafür formell an ein paar Bettenzahlen gefehlt."

9 akademische Lehrpraxen gibt es im Kreis Haßberge; sieben davon wurden von der Würzburger Universität akkreditiert, zwei von der Uni Erlangen.

31 Frauen/Familien haben 2019 das Angebot der Notfall-Sprechstunde genutzt. An der Erarbeitung des Konzepts waren 17 Hebammen beteiligt.

Das war sonst noch Thema im Haßfurter Kreistag

TTZ Das Würzburger Kunststoff-Zentrum (SKZ) hat seine Zusammenarbeit mit dem für Haßfurt geplanten Technologietransferzentrum (TTZ) angeboten. Bedingung für die Kooperation sei, den Schwerpunkt des Zentrums auf Recycling zu legen. Ein Gesprächstermin mit dem Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner als Vorsitzenden des Wirtschaftsausschusses stehe aber noch aus. Weiteren Diskussionsbedarf gebe es mit der Fachhochschule Würzburg/Schweinfurt zum Verfahren der Antragsstellung sowie mit der Stadt Haßfurt über die Gründung eines gemeinsamen Entscheidungsorgans oder Zweckverbands.

Handysammelstellen Am Haßfurter Schulzentrum sollen Sammelstellen für alte Mobiltelefone eingerichtet werden. Dafür müssen vorab passende Behältnisse angeschafft sowie der Umgang mit gespeicherten Daten geklärt werden. Für das erste Jahr des Projekts werden 150 Geräte anvisiert; die Einnahmen aus der weiteren Verwertung sollen sozialen Zwecken zugute kommen.

Metropolregion Nürnberg Der Landkreis Haßberge tritt dem Pakt zur nachhaltigen Beschaffung in den Kommunen der Europäischen Metropolregion Nürnberg bei. Der Landkreis erhofft sich dadurch wirtschaftliche Vorteile und möchte zudem Waren aus fairen und nachhaltigen Quellen fördern.

1000-Bäume-Projekt Guntram Ulsamer, Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege, stellte das 1000-Bäume-Projekt des Landkreises vor. Offiziell soll die Pflanzaktion der "Klimabäume" im Herbst starten. Bis zum 31. März läuft die Anmeldung zur Teilnahme. Bereits dabei sind der Zweckverband Schulzentrum, die Grundschule Gädheim, die Eberner Grund- und Realschule sowie der Kindgarten Neubrunn.

Wespenberater Einstimmig beschlossen wurde die Bestellung eines Wespen- und Hornissenberaters für den Landkreis. Die Stelle soll ehrenamtlich und jährlich für eine Dauer von sechs Monaten (April bis Oktober) besetzt werden. Die Aufwandsentschädigung für den Berater soll monatlich 150 Euro betragen.

Ausstehende Anträge Die Linke plädiert für die Einrichtung eines Ausschusses für nachhaltige Entwicklung. Die Junge Liste hat Anträge zur Vergabe des Prädikats "familienfreundlichste Gemeinde" sowie zur Einführung von Apps für den ÖPNV und den Abfallkalender gestellt. Der Antrag der SPD zum Beitritt zur "Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommune" steht ebenfalls noch aus.