Ebern

"Hauptsache, Sie mischen mit!"

Die Landtagsvizepräsidentin Inge Aures (SPD) steht Eberner Gymnasiasten Rede und Antwort.
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Am Schluss machte sogar ein Schüler auf Opposition, warf der bayerischen SPD-Spitzenpolitikerin Inge Aures "Gejammer" und "Arroganz" vor. Doch beides wies die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion und Landtagsvizepräsidentin entschieden von sich. Sie sei bodenständig und sage ehrlich, was Sache ist. Genauso hatten die Schüler die Politikerin aus Kulmbach am Freitag in der Reihe "Politik trifft Bildung" in der Mensa des Eberner Friedrich-Rückert-Gymnasiums zwei Schulstunden lang erlebt. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen und "grad an", wie sie selbst bekannte: "Ich hab halt meine eigene Art zu reden." Wenn es staatstragend wird, dann gibt es für die Landtagspräsidenten schließlich einen Rednerdienst.


Kulmbacher unter sich

Schon bei der Vorstellungsrunde ging es um fränkisches Bier und darum, dass Aures und Schulleiter Martin Pöhner beide aus Kulmbach stammen. Ihr selbst sei die Politik in die Wiege gelegt worden, erzählte Aures, war ihr Vater doch Bürgermeister und Feuerwehrkommandant.

In einem "Frage-Ping-Pog" nahm Aures spontan zu zehn Stichworten der Moderatoren Jana Schmidt und Julius Baetz Stellung, outete ihre Schwäche für Schokolade und kritisierte das Vermächtnis des Kulmbacher Ex-Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg als "Politik des Versagens".


"Erpressungsversuche"

"Unsäglich" findet sie die von der CSU angezettelte Debatte um Kreuze in öffentlichen Gebäuden, und über den Asylstreit lache sich inzwischen jeder fast kaputt. Bundesinnenminister Seehofer warf sie Erpressungsversuche" und "gezielte Hetze" vor und bekannte ihre eigene Verärgerung darüber, dass die SPD bei diesem "Showkampf" der Union nicht klare Kante gezeigt habe. All dies und Vokabeln wie "Asyltourismus" spielten der AfD in die Karten.

Weitere Themen der Gesprächsrunde waren die Frauenquote, die Digitalisierung, das Bildungswesen, die Legalisierung von Cannabis und der Energieausstieg. Immer wieder klang bei den Antworten an, dass die SPD zwar Gesetzesvorschläge und Initiativen einbringe, die jedoch von der CSU-Mehrheit im Landtag niedergeschmettert würden. Viele landeten in Schubladen, um Monate später als CSU-Initiative wieder aufs Tapet zu kommen: "Auch das ist ja ein Erfolg", fand sie.


Eine Debattenpartei

Die CSU demonstriere nach außen hin Eintracht, während sie hinter den Kulissen "streitet wie die Kesselflicker". Die SPD dagegen als "Debattenpartei" trage Dispute offen nach außen. Das sei transparenter und ehrlicher. Die Politikerin schilderte die Aufgaben als Landtagsvizepräsidentin und berichtete über ihre Arbeit in Untersuchungsausschüssen. Sie wolle Politik für die Leute machen, und da sei ihr der Kontakt zu den Bürgern unverzichtbar. An die Schüler appellierte sie, immer kritisch zu sein und sich für die Menschen einzusetzen. "Bringen Sie sich ein, egal für welche Partei, Hauptsache, Sie mischen mit!"


Zur Person: Inge Aures

Privat
Inge Aures, geboren in Presseck bei Kulmbach, ist verheiratet, kinderlos und noch vier Tage lang 61 Jahre alt.

Beruf Ihren Beschäftigung als selbstständige Architektin ließ die SPD-Politikerin seit ihrer Wahl zur Oberbürgermeisterin ruhen. Nach so langer Pause, so zitiert sie ihren Mann, ebenfalls Architekt, sei sie "in diesem Beruf nicht mehr zu gebrauchen." So sieht Aures ihre Zukunft weiter in der Politik.

Politik Sie ist stellvertretende Vorsitzende der SPD-Faktion und Vizepräsidentin im bayerischen Landtag. Seit 1976 SPD-Mitglied, wurde sie 1994 als "Drei-Rad", wie sie selbst im schönsten Fränkisch sagt, in den Stadtrat von Kulmbach, in den Kreistag und in den Bezirkstag von Oberfranken gewählt. Von 1995 bis 2006 war sie Oberbürgermeisterin von Kulmbach, und 2004 bis 2007 Vorsitzende im SPD-Bezirk Oberfranken. Dem Landtag gehört Inge Aures seit Herbst 2008 an. 2013 wurde die Oberfränkin zu einem von vier Stellvertretern der Landtagspräsidentin Barbara Stamm gewählt. Damit übt sie, wie sie den Gymnasiasten sagte, das höchste Amt ihrer Partei und das dritthöchste Amt überhaupt im Freistaat aus.



Die Reihe "Politik trifft Bildung"

Die Reihe "Politik trifft Bildung" wird seit dem Jahr 2011 am Friedrich-Rückert-Gymnasium in Ebern angeboten. Initiiert hat sie der frühere Schulleiter Klauspeter Schmidt.
Ziel ist es, angehende Abiturienten an die aktuelle Politik heranzuführen und dem politischen Geschehen seine Anonymität zu nehmen. Die Schüler erleben ranghohe Politiker, die sie aus dem Fernsehen oder der Zeitung kennen, auf Augenhöhe.
Prominenz verschiedenster Parteien gibt sich ein Stelldichein. Dorothee Bär und Bernd Siebler (beide CSU) waren schon da, Markus Rinderspacher (SPD), Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Wolfgang Heubisch (FDP), Hans-Josef Fell (Bündnis 90/Die Grünen) und Christiane Pau (Die Linke). Nun also wieder die SPD. Auf den Proporz legt die Schule großen Wert, betont Martin Pöhner, der heutige Schulleiter.


Live und lebensnah

Die Gesprächsrunden leiten jeweils zwei Schüler-Moderatoren, in diesem Fall Jana Schmitt aus Gerach und Julius Baetz aus Vorbach (beide Q11), die sich nach eigenem Bekunden beide besonders für das Fach Sozialkunde interessieren. Ihr Lehrer Daniel Heß hat sie bei der Vorbereitung der Fragen unterstützt. Sie meisterten die Talkrunde fast wie Profis.


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