Ebern
Strafprozess

Hat ein 70-Jähriger zugegriffen?

Ein Rentner steht vor Gericht in Haßfurt, weil er in Ebern eine 27-Jährige sexuell belästigt haben soll.
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Wegen sexueller Belästigung muss sich ein 70-jähriger Rentner aus dem Landkreis Haßberge seit Freitag am Amtsgericht in Haßfurt verantworten. Laut Anklageschrift der Staatsanwaltschaft hat der verheiratete Mann am 14. September vergangenen Jahres eine damals 27-Jährige in Ebern an die Brust gegriffen und versucht, sie zu küssen. Die 27-Jährige erstattete Anzeige, so dass der Rentner einen Strafbefehl erhielt, gegen den er Einspruch einlegte. Daher kam es zur Gerichtsverhandlung am Freitag in Haßfurt, bei der der Angeklagte über seinen Verteidiger Thomas Drehsen die Vorwürfe als falsch zurückwies und weitere Angaben verweigerte.

Die Anzeigenerstatterin sagte im Zeugenstand, dass der Rentner am Tattag - ihrem 27. Geburtstag - an ihrer Wohnadresse geklingelt habe. Sie habe zusammen mit ihrer Freundin die Tür geöffnet. Der 70-Jährige habe ihr eine Glückwunschkarte und 20 Euro als Geschenk überreicht. Nach einer kurzen Unterhaltung habe er ihr an die Brust gelangt und versucht, sie zu küssen. Er sei "täglich" zu ihr gekommen und habe auch angeboten, sie in seinem Auto mitzunehmen.

Der Verteidiger versuchte, die Glaubhaftigkeit der Zeugin infrage zu stellen, indem er ihr Straftaten vorhielt, die sie in der Vergangenheit begangen hatte. Im April vergangenen Jahres hatte sie einer Polizeistreife den Mittelfinger gezeigt und dafür einen Strafbefehl über 1000 Euro kassiert. Im Jahr 2013 wurde sie wegen "Missbrauchs von Notrufen in vier Fällen" vom Amtsgericht Haßfurt verurteilt. Ein Gutachter habe der Geschädigten eine emotional gestörte Persönlichkeit und verminderte Schuldfähigkeit attestiert, sagte der Verteidiger.

Die Aussage der Geschädigten wurde jedoch durch die Angaben ihrer Freundin im Zeugenstand gestärkt. Sie habe damals daneben gestanden, als der Angeklagte ihre Freundin unsittlich an der Brust berührt habe und ihr einen Kuss geben wollte.

Ein weiterer Zeuge gab zu Protokoll, dass der Angeklagte sein Opfer ständig verfolgt habe. Er habe ihr vor einem Supermarkt aufgelauert und auf der Straße neben ihr mit seinem Auto angehalten, um nach dem Datum ihres Geburtstags zu fragen.

Der ermittelnde Polizeibeamte sagte vor Gericht, dass die Geschädigte Anzeige erstattet habe, weil sie sich verfolgt gefühlt habe. Sie habe das Autokennzeichen des Angeklagten genannt, wodurch seine Identität ermittelt werden konnte.

Die Verhandlung wird am 26. November um 14 Uhr fortgesetzt, weil weitere Zeugen gehört werden sollen und um festzustellen, ob die Geschädigte zum Tatzeitpunkt arbeitete oder nicht.

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