Haßfurt
Verständigung

Haßfurter Berufsschüler kamen "erwachsener aus England zurück"

Das Projekt "Die Heinrich-Thein-Berufsschule Haßfurt wird international" ermöglichte 34 Schülern einen Austausch mit dem Guildford-College.
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Nicht nur die Harry-Potter-Stadtführung in London hat ITler Tomas Fürl sehr beeindruckt.Sabine Weinbeer
Nicht nur die Harry-Potter-Stadtführung in London hat ITler Tomas Fürl sehr beeindruckt.Sabine Weinbeer
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Anlässlich der europaweiten Erasmustage (12. und 13. Oktober) fand auch die Abschlussveranstaltung in Haßfurt statt, bei der Teilnehmer des Austausches mit dem Guildford-College im englischen Surrey von ihren Erlebnissen berichteten und ihre Teilnahme-Zertifikate erhielten. Schüler wie Lehrkräfte zogen unisono ein positives Resümee aus den beiden dreiwöchigen "Flows", wie die Austausch-Wochen in EU-Sprache heißen.

Die Fördermittel im Erasmus-Programm sind großzügig, aber auch mit allerhand Bürokratie behaftet. Diese wickelte im Wesentlichen Roland Bitsch ab, der im Lehrkörper des Beruflichen Schulzentrums Haßfurt für die außerschulischen Kontakte verantwortlich ist.

Förderung mit 67 000 Euro

Die Initiative war vom Guildford-College ausgegangen. Von dort war im Herbst 2015 eine E-Mail gekommen. Das College ist sehr international aufgestellt und sucht immer entsprechende Kontakte. Lehrkräfte beider Schulen trafen sich, der Projektantrag - 30 Seiten in englischer Sprache - wurde erstellt und im Februar 2017 eingereicht. Ferner musste geklärt werden, aus welchen Berufsgruppen Schüler interessiert wären und wo es in der Grafschaft Surrey entsprechende Praktikumsplätze gab.

Im April 2017 kam die Förderzusage von insgesamt 67 000 Euro. Im November reiste die erste Gruppe nach England, im April 2018 die zweite. Das Erasmus-Programm fördert europaweite Verständigung und die Stärkung europäischer Werte.

"Ihr habt euch dort super präsentiert und hervorragende Werte vermittelt", lobte Roland Bitsch alle Teilnehmer. Er selbst hat jetzt noch den Abschlussbericht zu erstellen, denn erst wenn das Projekt abgeschlossen und als sinnvoll umgesetzt anerkannt wird, gibt es auch die letzten 20 Prozent der Fördermittel.

Teilgenommen haben Metaller, Kaufleute, IT-ler, Schülerinnen der Berufsfachschulen für Ernährung und Versorgung und für Kinderpflege. Viele Praktikumsplätze stellte die University of Surrey in der Mensa, im Book- und Printshop und in der Gebäudeverwaltung. Metaller und ITler waren in Firmen in und um Guildford eingesetzt, unter anderem bei einem Entwickler von virtual reality.

Tomas Fürl und Felix Schymura übernahmen die erste Präsentation. Die beiden ITler waren uneingeschränkt begeistert von den drei Wochen, berichteten von ausschließlich freundlichen Kollegen, großen kreativen Freiräumen und spannenden Ausflügen. Sie beobachteten sehr genau: Internet und öffentlicher Nahverkehr sind in Großbritannien viel günstiger als in Deutschland. "Dafür kostet die Flasche Wasser nicht nur 19 Cent wie bei uns im Discounter", sagte Felix.

Im Parlament

Großen Eindruck hinterlassen hat der Besuch im Parlament, denn "die sitzen da auf engstem Raum und schreien sich regelrecht an", berichtete Tomas, während Felix dem Innenleben der Tower-Bridge nachspürte. Was beide überraschte: Die Busse in London werden von der Deutschen Bahn betrieben!

Lena Kuhn, Katharina Frank, Antonia Karch und Viktoria Majewski machen kaufmännische Ausbildungen und waren auch in England entsprechend eingesetzt, und zwar an der Universität mit ihrer sehr internationalen Studentenschaft. Auch bei den Gasteltern wohnten weitere Mädchen, etwa aus Japan und Australien.

"Die verschiedenen Akzente und auch die Dialekte der Engländer haben uns anfangs schon vor Herausforderungen gestellt", berichtete Lena. Aber wenn man sich als Austauschschüler zu erkennen gab, hätten alle gerne langsamer und deutlicher gesprochen.

Sehr positiv sei jedes Feedback auf eine erledigte Aufgabe gewesen, "auch wenn man nur eine Excel-Liste ausgewertet hat".

"Dass wir bei der Fränkischen um 7.15 Uhr beginnen, konnten die gar nicht verstehen: Dort geht es um 9 Uhr los", berichtete Viktoria, "und nachmittags wurde spontan gesungen im ganzen Büro". Auch die After-Work-Treffen im Pub unterschieden den englischen vom deutschen Arbeitsalltag. Die Kollegen hätten auch viele private Einblicke gewährt und die Gasteltern nahmen sich ebenfalls viel Zeit für Gespräche.

Bereicherung für alle Azubis

"Wir sind selbstständiger geworden, sicherer im Sprachgebrauch, haben neue Freunde gefunden und viele Erfahrungen gemacht." Dazu zählte Antonia den gecancelten Abflug ebenso wie das Zusammenleben auf engstem Raum zu dritt.

"Sie kommen erwachsener zurück." Diese Erfahrung hat auch Tamara Müller von der "Fränkischen" in Königsberg gemacht. Ihre Firma stellte fast ein Drittel der Teilnehmer, denn diese internationalen Kontakte seien bereichernd für alle Auszubildenden, gleich in welchem Beruf.

Roland Bitsch dankte den Ausbildungsbetrieben, die fast alle ihre Azubis für die kompletten drei Wochen freistellten.

Schulleiterin Heidrun Görtler ist stolz auf das Engagement der unterstützenden Lehrkräfte und den Mut der Schüler, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.

Die Heinrich-Thein-Berufsschule möchte auch künftigen Azubi-Generationen den Austausch über Erasmus ermöglichen, und zwar idealerweise in einem englischsprachigen Land. Ob es EU-Fördermittel für Großbritannien nach dem Brexit noch geben wird, das will Roland Bitsch noch eruieren. Der derzeitige Erasmus-Förderzeitraum läuft bis 2020.



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