Haßfurt
Gericht

Haßfurter Amtsrichterin schickt Randalierer aus dem Maintal ins Gefängnis

Nach drei Bewährungsstrafen muss ein 24-jähriger Arbeiter aus dem Maintal nun eine Freiheitsstrafe verbüßen.
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Zehnmal wurde ein 24-jähriger Arbeiter aus dem Maintal in seinem jungen Leben bereits straffällig. Wegen einer Körperverletzung, eines Drogendelikts und eines Diebstahls wurde er dabei zu Bewährungsstrafen verurteilt. Bei seiner elften Straftat, einer Sachbeschädigung, die am Mittwoch am Amtsgericht in Haßfurt verhandelt wurde, gab es für den Angeklagten nun eine Premiere: Zum ersten Mal wurde er zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt. Für zwei Monate schickte ihn Richterin Ilona Conver hinter schwedische Gardinen, weil der Angeklagte am 3. Juni dieses Jahres um Mitternacht in einer Steigerwaldgemeinde die Haustür eines Rentners eingeschlagen und dabei einen Schaden von rund 300 Euro verursacht hatte.

Der Rentner wollte ihm helfen

Dabei hatte ihm der Rentner zuvor nur helfen wollen. Als er mit seinem Auto nachts heimgekommen war, sah er, dass der Angeklagte mit dem Kopf nach unten in der Nähe einer Bushaltestelle neben seinem Fahrrad am Boden lag. Der Rentner tippte den jungen Mann an, um festzustellen ob er bei Bewusstsein ist. Daraufhin richtete sich der vermeintlich Verletzte auf und ging auf den Rentner los, der sich in sein Wohnhaus flüchtete. Da der Angeklagte an der Haustür rüttelte und auf sie einschlug, verständigte der Rentner die Polizei, die wenig später eintraf. Der Wüterich hatte zwar bereits die Flucht ergriffen, am Tatort aber sein Fahrrad und seinen Rucksack hinterlassen, in dem die Beamten die Adresse und die Identität des Täters ermitteln konnten.

Der Geschädigte verzichtete zwar auf einen Strafantrag. Aufgrund seines umfangreichen Sündenregisters musste sich der Angeklagte aber dennoch vor Gericht verantworten.

Er wisse von der Tatnacht nicht mehr viel, sagte er auf der Anklagebank. Er sei mit seinem Fahrrad auf dem Heimweg gewesen, als er sich plötzlich schlecht gefühlt und an der Bushaltestelle ausgeruht habe. Betrunken sei er nicht gewesen. Er habe zuvor nur ein, zwei Radler getrunken.

Anklagevertreter Ilker Özalp nahm ihm jedoch nicht ab, dass weder Alkohol noch Drogen im Spiel gewesen sein sollen. "Das sieht aus wie eine typische Drogengeschichte", urteilte Özalp. "Wo soll ihr Weg hingehen? Mir wird angst und bange", fügte er hinzu und forderte aufgrund des "zweistelligen" Bundeszentralregisterauszugs und der zweifach offenen Bewährung, unter der der Angeklagte zum Tatzeitpunkt stand, eine viermonatige Haftstrafe.

Der Angeklagte, der ohne Verteidiger erschienen war, warf ein, dass seine Arbeitsstelle, die er gerade angetreten habe, bei einer Haftstrafe in Gefahr sei. Die Vorsitzende nahm darauf jedoch keine Rücksicht. "Der Kuschelkurs ist zu Ende. Ab in der Knast!", sagte sie in der Urteilsbegründung. Der Verurteilte habe keinerlei Grund gehabt, die Haustüre zu demolieren, auch wenn es sich um ein folgenreiches Missverständnis handelte, da der Angeklagte dachte, der Rentner wolle ihm etwas Böses.

Sollten die vorherigen Bewährungsstrafen widerrufen werden, droht dem Angeklagten ein längerer Aufenthalt in der Justizvollzugsanstalt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.



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