Haßfurt
Bildung

Haßfurt wird Hochschul-Standort: Hier sollen bald Studenten lernen

Jetzt ist es beschlossene Sache: Das Kunststoffkompetenzzentrum kommt nach Haßfurt. Stadt- und Kreisrat haben große Visionen für die neue Einrichtung.
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In einem Abschnitt der Haßfurter Heinrich-Thein-Berufsschule, der Bauhalle D (unten rechts), soll das neue Kunststoffkompetenzzentrum entstehen. Archivfoto: Ralf Naumann
In einem Abschnitt der Haßfurter Heinrich-Thein-Berufsschule, der Bauhalle D (unten rechts), soll das neue Kunststoffkompetenzzentrum entstehen. Archivfoto: Ralf Naumann
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Dieses Zentrum wird ein Meilenstein in der Bildungslandschaft des Landkreises, da ist sich Haßfurts Bürgermeister Günther Werner jetzt schon sicher. Bei der Kreistagssitzung am Montag wurden konkrete Pläne für das neue Kunststoffkompetenzzentrum vorgestellt. Auch den zukünftigen Standort konnte Landrat Wilhelm Schneider nun verraten: "Wenn wir so ein Zentrum realisieren, dann nur in Haßfurt."

Die Notwendigkeit für das Zentrum sei bereits 2017 beim Blick in den Regionalplan für das Gebiet Main-Rhön festgestellt worden. Dort tauchte der Landkreis Haßberge beim Abschnitt Wissenschaft nämlich überhaupt nicht auf. "Alle Landkreise kommen im Regionalplan vor, wenn es um universitäre Einrichtungen geht - nur die Haßberge nicht", erklärte Schneider. "Wir sind in dieser Hinsicht ein weißer Fleck." Die Lösung für das Problem: Lokale Unternehmen untereinander und mit wissenschaftlichen Einrichtungen vernetzen, um so zukünftig dem fehlenden Hochschulangebot entgegenzuwirken und neue Stellen im Kunststoffbereich zu schaffen.

Was bisher geschah: Der Landkreis Haßberge plant ein "Kunststoff-Kompetenzzentrum"

Regionale Firmen, wie beispielsweise Valeo, Schlemmer, Fränkische Rohrwerke oder Unicor, die alle ihren Schwerpunkt auf Kunststoffverarbeitung legen, hätten von Beginn an Interesse an einer Zusammenarbeit innerhalb des Transferzentrums gezeigt. Denn das Zentrum bringe den Vorteil, dass die Firmen duale Studenten vor Ort ausbilden und sie nach Abschluss des Studiums gegebenenfalls auch übernehmen könnten.

Mit Haßfurt perfekten Standort gefunden

"Wir favorisieren für das Zentrum einen berufsschulnahen Standort", machte Schneider deutlich. Und näher geht es nun wirklich nicht: Der ausgewählte Gebäudekomplex befindet sich in der Hofheimer Straße direkt hinter der Heinrich-Thein-Schule. Gemeinsam mit Vertretern der Universität Würzburg und des Süddeutschen Kunststoffzentrums wurden die Räume bereits besichtigt und laut Schneider als "sehr geeignet" befunden. Die Sanierungskosten von rund 5,3 Millionen Euro werden sich die Stadt Haßfurt und der Landkreis Haßberge teilen.

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"Grundsätzlich aufgeschlossen" gegenüber den Plänen zeigte sich auch das Bayerische Wissenschaftsministerium. Bernd Sibler, Minister für Wissenschaft und Kunst, habe, wie Landrat Schneider berichtete, ihn aber darauf hingewiesen, dass die Unternehmen und Kommunen vor Ort in der fünfjährigen Aufbauphase einen eigenen finanziellen Beitrag leisten müssen.

Finanzielle Unterstützung aus München

Die Kosten der Stiftungsprofessur würden über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 650 000 Euro betragen. Danach entscheidet das Ministerium, ob das Projekt erfolgreich weitergeführt werden kann. Im Falle einer Zusage würde der Freistaat Bayern die Kosten der Stelle übernehmen. Die Besetzung der Professur wird noch etwa eineinhalb Jahre beanspruchen und von der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt übernommen.

Anfang November wolle sich Schneider mit Sibler treffen, um sich die Unterstützung des Wissenschaftsministeriums zu sichern. "Bürgermeister Günther Werner und ich haben bereits Gespräche mit mehreren Unternehmen, Kreditinstituten und Kammern geführt und teils schon feste Zusagen erhalten", erzählte Schneider. Er gehe aktuell davon aus, dass die Projektpartner bis zu 65 Prozent des Aufwandes finanzieren werden. Die restlichen Kosten zwischen 50.000 und 60.000 Euro müssten sich wiederum Stadt und Landkreis teilen.

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Zu einem wahren "Kunststoff-Mekka" in Deutschland könne Haßfurt durch das Zentrum avancieren, stellte Marco Siller von den Fränkischen Rohrwerken in Aussicht. Das Zentrum könne neue Arbeitsplätze für Kunststofftechniker schaffen, die sich derzeit eher auf Rehau oder Sonneberg konzentrieren. "Hier können wir die Studenten ein halbes Jahr kennenlernen - das ist hilfreicher als ein halbstündiges Bewerbungsgespräch", betonte Volker Herrmann, der als Dozent für Kunststofftechnik an der Hochschule Würzburg arbeitet. "Das Zentrum wird ein Aushängeschild für die Kunststoffindustrie, das Sie deutschlandweit kein zweites Mal finden - das unterschreibe ich so."

4000 Angestellte, die in der regionalen Kunststoffindustrie arbeiten, kommen aus dem Landkreis Haßberge.

230 Professoren arbeiten an der Schweinfurter Hochschule. Einer davon wird Leiter des Zentrums.

So soll das Kunststoffkompetenzzentrum in Haßfurt aussehen

Personal Den Plänen der Würzburger Hochschule zufolge sollen neun Mitarbeiter im Zentrum angestellt werden: ein Professor sowie wissenschaftliche und administrative Mitarbeiter.

Equipment In drei Laboren arbeiten die Wissenschaftler dann an Geräten wie dem Einschneckenextruder, einer Aufbereitungs- sowie einer Rezyklieranlage und einer Mühle. Zusätzlich sollen Büros und Seminarräume für Studenten eingerichtet werden. In den Räumlichkeiten der Berufsschule sei dafür die perfekte Umgebung gefunden worden, findet Volker Herrmann.

Lehre Robert Grebner, ebenfalls Professor an der Würzburger Hochschule, schätzt für das Kompetenzzentrum 60 duale Studenten, die pro Jahr im Zentrum ausgebildet werden.

Mehr aktuelle Themen aus der Kreistagssitzung: Schüler rufen Kreisräte zu mehr Klima-Aktionen auf

Von der Straße in den Sitzungssaal: Sechs Schüler der "Fridays for Future"-Bewegung bekamen die Chance, ihre Anliegen zum Thema Klimaschutz am Montag vor den Mitgliedern des Kreisrats vorzutragen. Dabei zeigte sich jedoch, dass es nicht nur beim Umweltbewusstsein im Landkreis Verbesserungsbedarf gibt, sondern auch bei der Kommunikation zwischen Jugendlichen und Politikern.

Gute Ansätze, aber noch viel Luft nach oben hätten die Haßberge nach Meinung von Julia Scheuring, Selina Schorr, Moesha Nitzold, Kilian Leander Klug, Max Faber und Frieda Göbel. Die Jugendlichen wünschten sich weitere Power-to-Gas-Anlagen wie die in Haßfurt, Baumpflanz- und Müllsammelaktionen sowie die Eröffnung eines Bio-Ladens, in dem lokale Landwirte ihre Produkte vermarkten könnten.

Mobilität im Kreis Haßberge verbessern

Kritik übten die Schüler des Haßfurter Gymnasiums und der Freien Waldorfschule auch an der fehlenden Mobilität im Landkreis: Julia Scheuring ist etwa darauf angewiesen, täglich mit dem Auto nach Haßfurt zu fahren, da Schülern der Oberstufe Zugtickets nicht mehr erstattet werden. Landrat Wilhelm Schneider wies da auf das 365-Euro-Ticket hin, mit dem Schüler den ÖPNV auch außerhalb der Unterrichtszeiten für umgerechnet einen Euro pro Tag nutzen können.

Die Jugendlichen monierten zudem, dass im Landkreis zu wenige Bildungsangebote zum Thema Klimaschutz vorhanden seien. "Das Ubiz ist auf solche Seminare spezialisiert", merkte Schneider hierzu an. "Wir machen das zwar überall bekannt, aber anscheinend ist es noch zu wenig." Ein Wiederaufleben der Sammeltaxifahrten als Alternative zum Busbetrieb regte Kilian Klug an. So könnte die Verkehrsanbindung von Dörfern ermöglicht werden, die weniger als 150 Einwohner haben. "Vielleicht war die Zeit vor ein paar Jahren noch nicht reif für die Aktion, jetzt ist sie es aber bestimmt."

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