Haßfurt
Mainausbau

Haßfurt bleibt sein "grüner" Hafen erhalten

Die Pläne für den Mainausbau haben in Haßfurt für Aufregung gesorgt: Ist das Naherholungsgebiet Mainpromenade/Tränkberg gefährdet? Nein, sagt das Amt.
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Die Mole (rechts im Bild), die bisher das Hafenbecken umarmt, wird nach den Plänen des Wasserstraßen-Neubauamtes Aschaffenburg abgetragen. So wird das Hafenbecken erweitert ung ermöglicht dann auch ein Wendemanöver für die Kreuzfahrtschiffe.Brigitte Krause
Die Mole (rechts im Bild), die bisher das Hafenbecken umarmt, wird nach den Plänen des Wasserstraßen-Neubauamtes Aschaffenburg abgetragen. So wird das Hafenbecken erweitert ung ermöglicht dann auch ein Wendemanöver für die Kreuzfahrtschiffe.Brigitte Krause
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Der Main ist eine Bundeswasserstraße. Bis zu sechs Millionen Tonnen an unterschiedlichster Fracht werden pro Jahr durch den Landkreis Haßberge geschippert. Der Mainausbau ist deswegen ein Vorhaben, das die Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung seit Jahrzehnten beschäftigt.

Für den Haßfurter Hafen gibt es Pläne, die in den nächsten Jahren umgesetzt werden sollen. Pläne, die in der Bürgerschaft für Aufregung sorgen, denn man fürchtet um die Naherholung. Der Spaziergang vom Tränkberg entlang der Mainpromenade eröffnet einen geradezu meditativen Blick auf das Gut Mariaburghausen. Schrecklicher Gedanke, wenn hier nun ein Schubverband den Blick auf den Fluss und in das Grün stören würden. Auch die Mole, die den Hafen quasi beschützt, soll abgetragen werden.

Als die Stadt beim Planfeststellungsverfahren 2015 darüber informiert wurde, dass die Haltestelle für die Personenschifffahrt enfallen und ein Liegeplatz für Güterschiffe eingerichtet werden sollte, habe man gleich sein Veto eingelegt, erklärt dazu Bürgermeister Günther Werner. Und nichts mehr von der Wasserstraßen- und Schiffahrtsverwaltung gehört bis zu einer Anhörung 2016, für die ihm zufolge jetzt erst im Juli das Protokoll gekommen sei. In Gesprächen, auch mit Vermittlung durch Dorothee Bär in ihrer Eigenschaft als Staatssekretärin im Verkehrsministerium, habe Haßfurt jetzt die Zusicherung erhalten, dass die Haltestelle für die Personenschifffahrt erhalten bleibt.


Es gibt genaue Vorschriften für einen Liegeplatz

Gegen den Liegeplatz selbst könne die Stadt wenig ausrichten, schätzt Werner aus seiner Sicht die Lage ein. Ein Liegeplatz könne nicht einfach mitten auf der Strecke angelegt werden (bei Zeil etwa ist zu wenig Platz), außerdem ist die Anbindung an das Straßenverkehrsnetz zwingend. Und schließlich werden auch bei Knetzgau, Limbach und Ottendorf weitere Liegeplätze angelegt. Der Platz bei Haßfurt ist, wie Werner aus den Gesprächen berichtet, zusätzlich notwendig.

Der Hintergrund, wie ihn der Haßfurter Bürgermeister schildert, ist die Notwendigkeit, genügend Liegeplätze zur Einhaltung von Ruhezeiten zu schaffen. "Und der Main ist eine Bundeswasserstraße. Im Grunde ist es so wie bei einer Autobahn die Lkw-Parkplätze". Werner hat wenig Hoffnung, den geplanten Liegeplatz verhindern zu können: "Wir werden's trotzdem noch mal versuchen und das Gespräch suchen."

Ein wenig korrigieren will der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schiffahrtsamtes Schweinfurt, Helko Fröhner, den Bürgermeister da schon: Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens habe man von der Stadt Haßfurt lange Zeit nichts gehört, "wenn wir nicht nachgehakt hätten", wäre vielleicht nichts weiter gekommen, jetzt sei man da offenbar "plötzlich wachgeworden". Die Bundesverwaltung könne eben nicht einfach machen, was sie wolle, für Einwendungen und Stellungnahmen sei das Planfeststellungsverfahren gerade da, die Stadt müsse sich melden.


Ein anderer Blickwinkel auf die ganze Sache

Fröhner rückt die Vorstellungen, was am Haßfurter Schutzhafen gemacht wird, gerade. In Teilbereichen gibt es eine "uralte Uferböschung". Die provisorische Fahrgaststelle sei in einem Zustand, bei der man als Fachbehörde "nicht länger zugucken kann". Die meisten Umbaumaßnahmen seien sowieso nötig, doch: "Wir werden den Hafen nicht groß anfassen", meinte Fröhner.

Entlang des Tränkbergparkplatzes werden sechs Dalken im Abstand von etwa fünf Metern zur Böschung in den Flussboden gesenkt: etwa ein Meter im Durchmesser fassende Stahlrohre, für die jeweils ein Loch vorgebohrt wird, und die dann mit Kies eingerüttelt werden. Ob Beweissicherungsverfahren für die Anlieger nötig sind, das soll noch geprüft werden - der Abstand zur Bebauung ist aber groß. Dazu kommen zwei Landgangstege. Beladene Güterschiffe würden vom Parkplatz aus kaum zu sehen sein, weil der Main ja tiefer liegt. Vor Eltmann sind an der Mainpromenade bereits solche Dalben gebaut worden mit einem Landungssteg.

Die Haltestelle für die "Weiße Flotte" rückt weiter hinauf in den Hafen, wo die Stadt einen ordentlichen Passagiergang errichten muss. Was sich laut Fröhner mit geringen Mitteln machen lassen dürfte. Ganz oben im Hafen bleibt ihm zufolge auch die Beladestelle für die Landwirtschaft erhalten.


Teilweise ökologisch höherwertige Flächen werden eingerichtet

Was den Blick nach Mariaburghausen betrifft: Auch wenn die Mole abgetragen ist, bleibt die Uferansicht nicht kahl, sondern wird wieder grün einwachsen. Auf der Strecke Richtung "Meehäusle" richtet das Wasserstraßen-Neubauamt Aschaffenburg laut Amtsleiter Elmar Wilde sogar - wie im Zuge des ganzen Mainausbaus - "ökologisch höherwertige Flächen" ein. Sprich: Für die Einmündung des kleinen Sterzenbachs wird ein ganzes Stück von der uralten Böschung abgetragen, und der Bereich naturnah eingeböscht und sogar zum Main hin abgeflacht. An anderen Stellen im Landkreis werden "Fischkinderstuben" eingerichtet, besonders wertvolle Pflanzen gesetzt, mit der Hoffnung, dass sie sich halten und verbreiten.

Wie überhaupt alle Uferbereiche, die beispielsweise auf der dem "Meehäusle" gegenüberliegenden Seite oder unterhalb des Gries-Parkplatzes liegende Uferbereiche wieder naturnah begrünt werden. In ein paar Jahren wird von den Umbauten nichts mehr zu sehen sein.

Selbst beim Ausbaggern der Flusssohle, beschreibt Helko Fröhner, gibt es "kaum Ausgrabungen in der Tiefe", denn der Main hat vielfach die nötige Tiefe von 3,20 Metern: "Vom Grundsatz her erfolgen so wenig wie mögliche Eingriffe in die Natur", betont Fröhner.


Früher 68 Meter, heute über 180 Meter

Er beschreibt die heutige Flussschifffahrt: Während die Güterschiffe früher um die 68 Meter lang waren, sind die großen Schubverbände heute über 180 Meter lang; die Flusskreuzfahrtschiffe messen zum Vergleich "nur" bis zu 135 Meter.

Wichtig ist es der Bundesbehörde auch, im Haßfurter Hafen jetzt ein Wendebecken zu erhalten: Während die großen Schubverbände nur eingeschränkt manövrieren können und etwa bei der Talfahrt auf dem Fluss in Kurvenbereichen den Strömungsschwung für eine leichte Drehung um die eigene Achse nutzen müssen, können Personenschiffe mit ihren Steuerungsdüsen viel besser manövrieren, sich drehen oder gar zurückfahren.

Auf dem Main ist selbst mit einer durchgängig 40 Meter breiten Fahrrinne ein Begegnungsverkehr kaum möglich. Im Bereich des Landkreises werden an den Uferbereichen nur dort Flächen abgebaggert, wo die "Dampfer" bislang nur mit Mühe vorbeikurvten, wie Fröhner deutlich macht.

Ein Letztes: Ob in Haßfurt tatsächlich jeden Tag durch Güterschiffe beparkt wird, ist zumindest für die nächsten Jahre fraglich. Die Behörde berechnet den Schiffsverkehr nicht nach Schiffen, sondern nach Tonnen pro Jahr. Und die liegen bei fünf bis sechs Millionen Tonnen momentan. "Die Schiffe werden immer größer, daher sieht der Fußgänger immer weniger Schiffe", meint Fröhner dazu.

Die Behörde geht für die nächsten Jahre von einer gleichbleibenden Fracht aus, allerdings beschreibt die Prognose eine Zunahme des Güterverkehrs auf allen Verkehrswegen in Deutschland. Auf dem Main wird mit einer Gesamtgütermenge bis zu acht Millionen Tonnen pro Jahr gerechnet.

Hier finden Sie den Plan des Wasserstraßen-Neubauamtes Aschaffenburg für den Hafen Haßfurt
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